einen Gift haben

Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat neulich in einem Interview mit Uli Hoeneß abgerechnet. Der Ex-Präsident des FC Bayern sei ihm nie als Vertreter moralischer Qualitäten aufgefallen, sagte Ude, der im Lauf der Jahre als 1860-Anhänger vom FC Bayern ebenfalls so manchen Seitenhieb verpasst bekam. Im Bairischen kommt in solchen Fällen das Wort Gift zum Einsatz, im Sinne von Ärger, Zorn, Groll: Hoeneß hat einen Gift auf Ude, und Ude hat einen Gift auf Hoeneß. Dass es diese Wendung schon lange gibt, zeigt ein Blick in die Literatur. In Wugg Retzers Stück "Doppelte Buchführung" von 1969 fragt einer, "warum sie einen solchen Gift auf mich gehabt hat." Und Lena Christ schreibt im Roman Madam Bäurin (1919): "Was hat er dir denn to, . . . dass d' an solchen Gift hast auf eahm?" Wer aufbrausend reagiert, gilt als ein Gifthaferl. Weniger bekannt ist die Giftnudel, die vor allem im US-Showbusiness weit verbreitet ist.

Bild: Robert Haas; Robert Haas 20. Oktober 2014, 15:232014-10-20 15:23:49 © SZ.de//ahem