Rahmsulz und Sahneschnitten

Die bairische Sprache ist mit ihrem Begriffsreichtum und mit ihrer ausgefeilten Grammatik aus der Arbeitswelt der Bauern herausgewachsen, die lange Zeit die Mehrheit in diesem Land gebildet haben. Vor diesem Hintergrund hat der Bayerische Bauernverband eine Werbekampagne gestartet, die "ein positives Signal für den ganzen Berufsstand" setzen soll.

Leider bewirkt sie das Gegenteil, denn einmal mehr beweist der Verband, wie weit er sich von seinen Wurzeln und Traditionen entfernt hat. Für seine Milchprodukte wirbt er mit dem Spruch: "Ein hartes Stück Arbeit, das sich lohnt - zum Beispiel in Form von leckeren Sahneschnitten." Ist schon das Adjektiv lecker trostlos genug, so prangt auf dem Werbeplakat auch noch das Wort Sahneschnitten über den Köpfen des bisherigen Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner und der Landesbäuerin Annemarie Biechl (das Bild zeigt das Original-Motiv der Werbekampagne, auf dem Biechl und Sonnleitner nicht zu sehen sind, die Red.) "Damit setzen wir ein positives Signal für den ganzen Berufsstand", lautet ihre Botschaft.

Noch besser wäre es gewesen, hätten die Funktionäre bedacht, dass die hiesigen Bauern nicht Sahne, sondern Rahm sagen. War die Bezeichnung Sahne einst nur im alten Preußen üblich, hat sich das Sahne-Gebiet zwar ausgeweitet, aber den Rahm, der als "roum" schon im mittelalterlichen Bayern bekannt war, keineswegs verdrängt. Bayerische Molkereien verkaufen ganz bewusst Rahmjoghurt, Rahmtorte und Käserahm.

Der Bauernverband hätte überdies mit der Bayerischen Creme (Crème bavaroise) werben können, jenem klassischen Dessert, das weltweit nachgeahmt wird. Bereits im 14. Jahrhundert hat die bayerische Prinzessin Isabeau die Rahmsulz als Vorläuferin dieser Crème in die französische Küche eingeführt. Sie strahlt also monarchischen Glanz aus. Auch Johann Rottenhöfer, Mundkoch des Königs Maximilian II. von Bayern, war berühmt für seine Rahmsulz.

Die Sahneschnitte klingt dagegen wie eine Billigware auf einheitssprachlichem Fernsehshowniveau. Die Bauernfunktionäre offenbaren damit, dass sie die Varietäten ihres südhochdeutschen Idioms gering schätzen und lieber einen Sprachmist von sich geben, der so armselig wirkt wie der Bauernverband, wenn es um seine eigene Tradition geht.

Bild: Bayerischer Bauernverband 17. Dezember 2012, 13:262012-12-17 13:26:00 © SZ/infu/ahe