Kremess

Das geheimnisvoll klingende Wort Kremess wird vornehmlich in Ostbayern als regionaler Begriff für Leichenmahl verwendet. Über die Herkunft gibt das alte Wörterbuch von Schmeller Aufschluss: "die, seltener das Begräbnuß (Gremmas)... sowohl die Beerdigung als die Grabstätte." Demnach ist also die Vorsilbe Be- im Laufe der Zeit weggefallen, so dass wir Gräbnis (Beerdigung) als Ausgangswort haben.

Eine andere Deutung leitet die Herkunft der Kremess von Krenmesse her, wobei Messe in diesem Fall nicht Gottesdienst, sondern Mahl oder Speise bedeutet (althochdeutsch maz). Tatsächlich wurde früher die Suppe bei Hochzeiten und Leichenfeiern mit allen möglichen Ingredienzien angereichert, die scharf riechen oder schmecken (Rosmarin, Myrte, Kren und Wacholder) und imstande waren, Dämonen zu verscheuchen.

Als Synonym für Kremess ist in Altbayern überdies die Klagsuppe bekannt, wie in Hans Niedermayers Autobiografie "Kind in einer anderen Welt" (2009) nachzulesen ist: "Die Totenpackerin lud dann zum Leichenmahl, das bei uns Klagsuppe hieß, in eines der vier Wirtshäuser ein."

Bild: WOR 17. Dezember 2012, 13:262012-12-17 13:26:00 © SZ/infu/ahe