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Kratzers Wortschatz:Verhunzte Diskuswürfe

SZ-Grafik

Der Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger hat bei den olympischen Spielen gesagt, seine ersten Versuche waren "verhunzt". Damit hat er gemeint, dass sie gründlich schief gegangen sind

Millibitschn

Vor wenigen Tagen war in der SZ das kuriose Wort Millibritschn zu lesen. Intimen Kennern der bayerischen Sprachwelt ist aufgefallen, dass hier fälschlicherweise ein r hineingerutscht ist, eigentlich heißt die Milchkanne, um die es hier geht, nicht Millibritschn, sondern Millibitschn. Der Rezensent, der Georg Ringsgwandls Stubenoper "Der varreckte Hof" besprach, ahnte das Verhängnis im Voraus. Der Versuch, das Bairisch dieses Abends wiederzugeben, müsse scheitern, schrieb er. Ein Satz wie "Meine Herrn, i bin so frei, in brunz in de Millibritschn nei" brauche einschlägige Kenntnisse. Dass der Autor sogleich in die Falle tappte, ist in dieser komplizierten Gemengelage keine Schande. Der Text der Stubenoper klingt an dieser Stelle überaus ordinär. Im Original sagt der Übeltäter, er brunze in die Millibitschn, also ins Milchkandl. Die Millibritschn verliehe dem Geschehen indessen eine weitaus gröbere Dimension. Die Britschn, auch Mistbritschn genannt, ist eine klatschsüchtige, bösartige Frau, das Wort ist von der weiblichen Scham abgeleitet. Zur Milch sagt man übrigens je nach Region entweder Milli und Mil oder Muich und Mejch.

verhunzen

Die Österreicher haben bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro bescheiden abgeschnitten. Eine Bronzemedaille, Platz 78 in der Nationenwertung, dieses Ergebnis ist alles andere als leiwand. Der oberösterreichische Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, der mit seinem letzten Wurf einen beachtlichen sechsten Platz erreichte, hätte sich zumindest eine Goldmedaille in volksnaher Ausdrucksweise verdient. Sein Originalkommentar im ORF: "Die ersten Versuche waren verhunzt!" Wenn man eine Sache verhunzt, dann geht sie gründlich schief. Das Grundverb hunzen bedeutet schikanieren, drangsalieren, schlecht behandeln. Eine Kollegin schimpfte unlängst über ihren Computer, weil er sie so hunze. Lukas Weißhaidinger wird den Diskus und die Geräte im Kraftraum noch oft hunzen müssen, wenn er bei den nächsten Spielen in Tokio eine Medaille holen will.