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Kratzers Wortschatz:Schlägerei beim Schachtelwirt

Der Schachtelwirt ist zwar keine alteingesessene Gaststätte, aber in Bayern inzwischen doch weit verbreitet

Schachtelwirt

Die Chamer Ausgabe der Mittelbayerischen Zeitung hat ihre Leserschaft mit der Überschrift "Schlägerei beim Schachtelwirt" überrascht. Mancher Einheimische wird stutzig geworden sein, denn einen Schachtelwirt sucht man in Cham vergeblich. Der Polizeibericht brachte die Aufklärung: "Drei Verletzte sind das Ergebnis einer Rauferei in einem Chamer Fast Food-Lokal am Samstag." Schon seit Jahren kursiert im Volksmund das Wort Schachtelwirt als Synonym für Restaurants wie Mc Donald's oder Burger King, die ihr Essensangebot in Schachteln oder Pappkartons aushändigen. Der österreichische Kolumnist Christoph Winder schrieb einmal in einer Lobpreisung auf die Wortschöpfung Schachtelwirt sehr treffend: "Der Begriff lebt von der ironischen Reibung zwischen der Gemütlichkeit und Heimeligkeit, die der "Wirt" verbreitet, und der kühl kalkulierten Sachlichkeit, mit der der Kunde weltweit bei McDonald's abgespeist wird." Die Fast Food-Kundschaft ist überhaupt sehr wortkreativ. Einschlägige Lokale werden auch Mäckie oder Pommesboutique genannt. Natürlich werden dort Kalorientabletten (Hamburger) feilgeboten.

knickert

Eine Kollegin erzählte neulich, sie fahre gerne Ski, aber sie sei eine Schönwetterfahrerin, "ich kauf mir doch keine Schneebrille, dafür bin ich z'knickert." Knickert bedeutet: kleinlich, sparsam, geizig. In der BR-Serie "Dahoam is Dahoam" sagte die alte Wirtin einmal zu einem Gast, der einen Seniorenteller bezahlt hatte und einen Nachschlag forderte: "Hobs do glei gwusst, dass uns der knickerte Hund bloß bscheißn wui!" Nachdem ein älterer Mann bei einem Treppensturz ums Leben gekommen war, spekulierte dessen Sohn über die Ursache: "Vielleicht, weil er knickert war und 's Licht ned eingschaltet hat."