bedeckt München 18°

Kratzers Wortschatz:In letzter Not hilft nur ein Kompositum

"Jawannsnagradalle­sowaarnoiswiariseisoiad" - wer sich für seine Arbeit auf einer Baustelle rechtfertigen muss, greift in seiner Not schon mal auf seltsame Wortungetüme zurück

Korona

Corona ist zweifellos das Wort des Jahres, es ist momentan der unangefochtene Leitbegriff der deutschen Sprache. Umso interessanter ist die Mitteilung von Angelika Hiller, ihr sei im Zuge der Corona-Krise ein Spruch aus der Kindheit eingefallen. Damals seien Sätze wie der folgende zu hören gewesen: "Mitsamt der ganzen Korona warens da!" Frau Hiller fragte nun, ob ein Zusammenhang des alten Begriffs Korona mit der aktuellen Corona-Problematik bestehe. Das kann man bejahen. Ursprünglich ist Corona ein lateinisches Wort mit der Bedeutung Kranze und Krone. Im Mittelhochdeutschen wurde Corona zu Krone. Aber auch die alte lateinische Form hat sich in unserer Sprache erhalten. Etwa im weiblichen Vornamen Corona, den auch eine Heilige trug, weshalb es in Südbayern etliche Coronakirchen gibt. In der Schreibform Korona ist das Wort in der Astrophysik gängig. Es benennt den Strahlenkranz, der die Sonne umhüllt. Die Korona und die äußere Hülle des Coronavirus ähneln sich in der Form. Korona steht aber auch für eine gesellige Schar. Kluges Etymologisches Lexikon führt diese Bedeutung auf lustige Studentenkreise zurück: "Mit der ganzen Korona waren wir unterwegs", oder: "Die ganze Korona lachte."

Jawannsnagradallesowaarnoiswiariseisoiad

Gerhard Ottinger hat uns geschrieben, manche Redewendungen, die man im Lauf eines Berufslebens vernommen habe, blieben dauerhaft hängen. Bei einer Besprechung vor gut 30 Jahren habe sich ein von allen Seiten bedrängter Firmen-Bauleiter nicht mehr zu helfen gewusst und versucht, mit diesem letzten Verteidigungsargument auch die Bauherren in die Verantwortung zu nehmen: "Jawannsnagradallesowaarnoiswiariseisoiad". Übertragen heißt das etwa: "Ja wenn doch alle so wären wie ich sein sollte." Interessant ist überdies das am Ende des Monsterkompositums stehende Modalverb sollte, dessen konsonantisches Doppel-l im mittelbairischen Dialekt vokalisiert und zu soiad wird. Nach Überzeugung von Dialektbewahrern soiad das in Zukunft so bleiben.

© SZ vom 21.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite