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Kratzers Wortschatz:Der Plattentoni, ein Glatzkopf aus Italien

Haarausfall ist für viele Männer ein Alptraum. Glatzköpfe und Platterte gibt es aber überall. In manchen Regionen von Bayern trägt diese Spezies einen italienischem Namen

Kolumne von Hans Kratzer

Plattentoni

Haarausfall ist ein Übel, das vielen Männern Sorgen bereitet und häufig mit einer Glatze endet. Leserin Lucia Bauer teilte uns mit, ihr Mann, ein Oberpfälzer, nenne einen glatzköpfigen Mann einen Plattentoni. Sie habe dieses Wort vorher nicht gekannt, schreibt Frau Bauer. Tatsächlich wird in Altbayern und in Schwaben eine Glatze als Platte/Plattn bezeichnet. Männer, bei denen der Kopf quasi durch die Frisur durchwächst, sind plattert, mancher gilt auch als ein platterter Semmelgeist. Frau Bauer vermutet, das Wort Plattentoni könnte vom italienischen Wort pelatone abgeleitet sein (Glatzkopf). Dafür spreche auch, dass es Plattentoni heißt und nicht Plattenhans oder Plattensepp. Sie verweist darauf, dass man sich im Bairischen gerne auf italienische Wörter zurückgreift, etwa im Fasching, wenn man Maschkera geht (la maschera - Maske). Schon etliche italienische Lehnwörter sind nach Bayern eingesickert, allen voran das Gspusi (sposa). Zuletzt sei noch an ein altes Hausmittel erinnert, wonach man an drei Platterte denken muss, dann vergeht der Schnackler (Schluckauf).

Privatière

Kürzlich stand in der SZ eine Todesanzeige, die einen berührenden Hinweis enthielt. Frau Ingeborg W. war im 88. Lebensjahr aus dieser Welt geschieden, und ihre Bekannten hatten unter den Namen der Verstorbenen das Wort Privatière setzen lassen. Man fühlte man sich in die alte Prinzregentenzeit zurückversetzt, in der es noch erhabene Ehrenbezeichnungen gab: Realitätenbesitzer, ehrengeachtete Jünglinge, tugendsame Witwen. Und es gibt bis heute noch den Privatier, der sich durch eine auskömmliche Pension oder durch glückliche Vermögensverhältnisse imstande sieht, ein unabhängiges und auf private Interessen ausgerichtetes Leben zu führen. Die Privatière tritt eher in Erscheinung. Früher haben solche Damen gerne einen Salon betrieben, in dem sie sich mit allerlei Gästen in kultivierter Atmosphäre über Gott und die Welt trefflich auszutauschen verstanden.

© SZ vom 08.05.2021
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