Kratzers Wortschatz:Das Hohe Haus, ein Hort von Hamperern?

Lesezeit: 1 min

Angesichts der Coronakrise wirken viele Spitzenpolitiker orientierungslos. Die Kritiker im Volk schimpfen über die Hamperer. Früher waren Hamperer ehrbare Handwerker, die wenig Vermögen, aber viel Vertrauen besaßen. Heute scheint es umgekehrt zu sein.

Kolumne von Hans Kratzer

Hamperer

Angesichts der Coronakrise wirken viele Spitzenpolitiker auffallend wirr und orientierungslos. Horcht man bei Gesprächen, die das Volk auf der Straße führt, näher hin, so fällt der häufige Gebrauch des Schimpfworts Hamperer auf. Als ein Nest von Hamperern galt bislang vor allem der Senat von Berlin, der sich bis hin zur Organisation von Wahlen durch heftiges Dilettieren auszeichnet. Jetzt aber ist das Hamperertum auch auf den Bundestag übergesprungen. Nicht mehr nur Querdenker und Quertreiber, sondern auch edel gesinnte Demokraten sehen mittlerweile im Hohen Haus jede Menge Hamperer am Werk. Ursprünglich verstand man unter diesem Begriff einen Nichtsnutz, der nur wenig auf die Reihe bekam. Die Redaktion des Bayerischen Wörterbuchs leitet das Wort Hamperer von den Stör-Handwerkern her, die früher durchs Land gezogen sind, um auf den Bauernhöfen ihre Dienste anzubieten. Diese Menschen besaßen nicht viel Vermögen, genossen aber ein großes Vertrauen. Bei den aktuellen Hamperern scheint es sich umgekehrt zu verhalten.

Fleischpfanzerl

Leser Bodo Bleinagel hat dem SZ-Kostproben-Autor Ivan Lende seinen größten Dank übermittelt. Und zwar für Lendes Anmerkungen zum Fleischpfanzerl, das ja landläufig als Fleischpflanzerl bezeichnet wird, quasi, als rühre es von einer Pflanze her. Bleinagel schreibt, er bemühe sich unter Verweis auf Schmellers Bayerisches Wörterbuch seit vielen Jahren, dem L im Wort Fleischpflanzerl den Garaus zu machen, "leider ganz vergeblich." Bleinagel bedauert, dass es hierzulande kaum einem Menschen einleuchten will, dass es sich beim Fleischpfanzerl nur zu einem geringen Teil um ein Produkt aus Kohlenhydraten handelt, sondern dass, wie Lende richtig geschrieben habe, die kleine Pfanne Namensgeber war. Redaktionell ergänzt werden muss an dieser Stelle noch, dass auch das alte Wort Fanzel bei der Schöpfung des Wortes Fleischpfanzl eine Rolle gespielt haben könnte (Brei, Fleischbrei). Natürlich wäre alles viel einfacher und eindeutiger, wenn die Bayern die Fleischpfanzl - so wie die Österreicher - als faschierte Loaberl (Laibchen) benennen würden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema