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Kratzers Wortschatz:Das Ende einer langen Tradition

In Niederbayern geht eine lokale Schnupftabak-Ära zu Ende, der "Straubinger Schmalzler". Der wiederum hat seinen Namen von einem Geruchsärgernis

Schmalzler

Kleine Läden und Geschäfte haben im hyperbürokratisierten Deutschland nur geringe Überlebenschancen. Zum Jahresende hat nun auch das Traditionsgeschäft Tabakwaren Sternecker in Straubing nach mehr als hundert Jahren aufgegeben. Betriebswirtschaftlich habe es sich nicht mehr gelohnt, sagte Inhaber Alfred Sternecker dem Straubinger Tagblatt. Die Familie Sternecker stellte seit dem Jahr 1890 selber Tabak her. Unter anderem produzierte sie in Handarbeit ihren eigenen Schnupftabak, den "Straubinger Schmalzler". Gemäß einer neuen Tabakproduktverordnung hätte Sternecker künftig ein Labor unterhalten müssen. "Noch dazu alles auf Englisch. Für einen kleinen Laden völlig utopisch", sagte Sternecker. Bald wird es nur noch industriell gefertigten Schmai geben, wie der Schmalzler in der Mundart genannt wird. Das Wort Schmalzler ist vom Butterschmalz abgeleitet, mit dem die zerstoßenen Tabaksblätter einst verfeinert wurden. Dadurch wurde der Tabak aber ranzig, weshalb er schnell geschnupft werden musste.

Aratrum

Die lateinische Sprache gerät schulisch zunehmend unter Druck, die Gegner sprechen ihr den Nutzen im modernen Bildungskanon ab. SZ-Leser Gerhard Röhrl hat uns vor einiger Zeit eine witzige Geschichte aus seinem einstigen Lateinunterricht am Humanistischen Gymnasium in Straubing mitgeteilt. Sie belegt eine Verwandtschaft des Bairischen und des Lateinischen. Unter den ersten Wörtern im lateinischen Wortschatz sei auch aratrum gewesen, der Pflug, schrieb Röhrl. Und weiter: "Unser Lateinlehrer Georg Limmer, aus Gangkofen in Niederbayern gebürtig, bot uns folgende Merkhilfe an: Der Pflug is ara Trumm, des da Bauer braucht." Ara Trumm heißt übersetzt: auch ein Trumm! Als noch fast alle Schüler Bairisch verstanden, war die Verknüpfung beider Sprachen im Unterricht höchst praktikabel - doch auch das hat sich ja geändert.

© SZ vom 02.01.2020
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