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Kratzers Wortschatz:Boris Johnson ist auch bei Scheißwetter bullert

Ein Präfix wie Scheiß- ist widersprüchlich, eindeutig dagegen ist die Haarpracht des britischen Premier

Scheißwetter

Vor Kurzem war der Tag des offenen Denkmals, und die Führungen waren wie immer lehrreich. In Wasserburg am Inn erfuhr man zum Beispiel, dass dort der heute noch gängige Begriff Scheißwetter sogar archivalisch belegt sei. Mit diesem Wort hatte ein Arzt in grauer Vorzeit den Regen beschrieben, der die Exkremente der Plumpsklos in den Erkern der Herrenhäuser auf die Straße schwemmte. Das Präfix Scheiß- ist ja ein Widerspruch an sich. Es kann pejorativen Charakter haben (Hundsscheiß) oder emotional verstärkend wirken (scheißgrantig, scheißfreundlich, scheißpeinlich). Ohne Umschweife nannte man das stille Häusl auf dem Land früher Scheißhaus. SZ-Leser Hans Störringer hat uns dazu folgende Begebenheit zuteil werden lassen: "Das Scheißhaus wurde früher bei uns auch Wander-Scheißheisl genannt. Wenn es voll war, hat man es ein paar Meter weiter auf den Misthaufen geschoben. Einmal haben ein paar Dienstboten ein Häusl, in dem eine Bäuerin, eine echte Bissgurrn, saß, einfach gepackt und mitsamt der Person auf den Misthaufen geschmissen. Nach der Schandtat, so heißt es, sei die Bäuerin zu ihren Dienstboten scheißfreundlich gewesen."

bullert

Kollegin M., die von ländlicher Herkunft ist, hat beklagt, die Münchner wüssten ja wirklich gar nichts mehr. Sogar ihr eigener Mann habe sich über einen Begriff aus ihrem Wortschatz halb totgelacht. Dabei habe sie nur über jemanden gesagt, der sei bullert (bullad). Das aber habe ihr Gatte nicht verstanden. "Und dann hat er mir nicht geglaubt, dass es das Wort tatsächlich gibt und behauptet, es sei eine Erfindung von mir", erzählte sie entrüstet. In der Tat ist das Adjektiv bullert nicht mehr flächendeckend bekannt. Vielleicht wird es auch nur im Großraum Landshut verwendet, dort aber hundertprozentig. Bullert ist unter Druck geraten, nachdem die Männer eitler geworden sind. Fußballer können ja quasi nur noch mit einem Undercut das Spielfeld betreten (untere Schädelhälfte rasiert, Deckhaar in der Länge belassen und voller Gel). Früher sind zumindest Buben nicht so oft mit dem Kamm in Berührung gekommen. Die Haarbüschel lagen kreuz und quer und wirr ewig weit ins Gesicht hinein. Man sprach in solchen Fällen von Zotln (zotteligen Haaren) oder einer Sturmfrisur. Die Haare waren bullert, der britische Premier Boris Johnson kommt stets bullert daher, bei ihm passt sogar die Steigerungsform raubullert.