Kratzers Wortschatz Auf dem Suppenbrunzer liegt ein Segen

Hinter dem derb klingenden Begriff steckt in Wirklichkeit die Vorstellungswelt von Menschen, die einst das Alltagsgeschehen mithilfe einer Prise Schalk interpretierten

Von Hans Kratzer

Suppenbrunzer

Um Pfingsten herum wurde in diesem Blatt der bäuerliche Brauch erwähnt, über dem Esstisch eine Heilig-Geist-Kugel aufzuhängen. In dieser Glaskugel war einst häufig eine aus Holz, manchmal auch aus Elfenbein geschnitzte Taube eingesetzt. Der Heilige Geist in Gestalt einer Taube wird in der Bibel mehrmals erwähnt. Die mehr oder weniger kunstvoll gestalteten Glaskugeln tragen im Bairischen den irritierenden Namen Suppenbrunzer. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Trug die Bäuerin eine Schüssel mit heißer Suppe auf, stieg der Dampf auf und kondensierte an der kalten Glaskugel, um anschließend wieder zurück in die Suppe zu tropfen und diese somit abzukühlen. In der oft vom Schalk inspirierten Vorstellungswelt des einfachen Volkes hatte der Heilige Geist auf diese Weise segensreich in die Suppe gebrunzt, was ihm den kuriosen Beinamen eintrug. Die Heilig-Geist-Kugel fand unter dem Namen Suppenbrunzer ihre unangefochtene Stellung in der Volkskunst.

Fliangfanger

Der in Diensten des FC Liverpool stehende deutsche Torhüter Loris Karius hat im Champions-League-Finale zwei schwere Fehler begangen, welche die 1:3-Niederlage seiner Mannschaft gegen Real Madrid besiegelten. Karius "genießt" in manchen Kreisen seitdem das Image eines Massenmörders. Teile der Fußballszene reagierten völlig durchgeknallt, dabei lebt der Fußball ja gerade von solchen unberechenbaren Momenten. In Bayern spricht man von Fliangfangern (Fliegenfängern), wenn Torhüter ungeschickt oder nervös danebengreifen. Auch das ist nicht schön, aber akzeptabler als die Vernichtungsrhetorik, die auf Karius einprasselt. Dass es auch entspannter geht, bewies die spanische Zeitung La Vanguardia. Nachdem der ebenfalls aus Deutschland stammende und beim FC Barcelona beschäftigte Torwart Marc-André ter Stegen einmal gepatzt hatte, schrieb das Blatt, er sei "zu den Trauben gegangen".

gstransed

Kollege S. erzählte in der Morgenkonferenz, seinen Sohn habe es bei einer Bergtour mit dem Radl gstraht (langes helles a). Strahn heißt eigentlich streuen, aber in der dialektalen Umgangssprache wird damit auch ein Sturz bildhaft umschrieben. Eine Variation stellt das Verb stransen dar, das in Niederbayern eher mit dunklem a gesprochen wird, während es ein in Markt Schwaben aufgewachsener Kollege mit hellem a intoniert. Aber in jedem Fall wird das Endungs-e betont. "Jetz häds mi beinah gstransed." Ein Radlfahrer, der das behaupten kann, hat auf jeden Fall Glück gehabt.