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Regensburger Korruptionsprozess:Der Unternehmer, das Geld und der Fußball

Prozess Oberbürgermeister Wolbergs

Bauunternehmer Volker Tretzel schweigt zu den Mails, die im Prozess gegen ihn vorgebracht werden.

(Foto: dpa)
  • Im Regensburger Korruptionsprozess steht auch Bauunternehmer Volker Tretzel vor Gericht.
  • Er steht im Verdacht, seine finanzielle Unterstützung des Fußballvereins SSV Jahn an Gegenleistungen von der Stadt geknüpft zu haben.
  • Sein eigener Mailverkehr nährt diese Annahme im Prozess, Tretzel schweigt dazu.

Seit acht Prozesstagen sitzt Volker Tretzel nun auf der Anklagebank. Drahtig, kaum Falten, man glaubt nicht, dass dieser Mann 76 Jahre alt ist. Noch rätselhafter als Tretzels Jugendlichkeit ist aber seine Rolle in der Korruptionsaffäre, die das Regensburger Landgericht beschäftigt. Hat der Bauunternehmer mit seinen Millionen Politik und Fußball gesponsert, weil er sich dadurch Vorteile bei Grundstücksgeschäften mit der Stadt erhoffte? Hat er Politiker gar wie Marionetten gesteuert? Noch bleiben 62 Prozesstage, um dies zu klären. Doch bei der Suche nach Antworten hatte bereits Tag acht eine Menge zu bieten.

Donnerstag, 13 Uhr. Elke Escher packt einen Stapel ausgedruckter E-Mails auf ihren Richtertisch. Schon die erste Mail, die sie vorliest, legt nahe, dass Tretzel einen besonderen Umgang mit der Politik pflegte. Sie datiert aus dem Jahr 2009, als Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) hieß. Empfänger ist Franz Wild, Ex-Geschäftsführer in Tretzels Baufirma und Mitangeklagter im Korruptionsprozess. In der Mail schreibt Tretzel, ein nicht näher definiertes Grundstück kaufen zu müssen, um "die Früchte unseres Jahn-Engagements" zu ernten. Tretzel befand sich offenbar nicht in Regensburg, als er die Mail schrieb, wollte Schaidinger aber wohl dringend sprechen. Für ein Gespräch, schreibt Tretzel, könne er einfliegen - oder Schaidinger fliege zu ihm, "mit der Piper".

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Piper. So heißt Tretzels Privatflugzeug. Er hat auch eine Yacht und bis vor Kurzem gehörte ihm der Fußballklub, um den es in der E-Mail geht: der SSV Jahn Regensburg, zweite Liga. Rund 90 Prozent der Anteile hielt Tretzel, gut sieben Millionen Euro soll er in den Klub gepumpt haben, obwohl er sich nicht für Fußball interessiere, auch das schreibt er in einer E-Mail.

Gegen Alt-OB Schaidinger laufen die Ermittlungen noch. Bereits vor Gericht sitzen Tretzel, dem die Staatsanwälte Bestechung vorwerfen und Schaidingers Nachfolger, der suspendierte OB Joachim Wolbergs (SPD), den sie der Bestechlichkeit verdächtigen. Das Gericht hat die Anklage auf Vorteilsgewährung respektive Vorteilsannahme herabgestuft, eine abgeschwächte Form der Eine-Hand-wäscht-die-andere-Korruption.

Zum Händewaschen gehören für die Staatsanwälte auch rund 475 000 Euro, die aus Tretzels Umfeld auf Wolbergs' Wahlkampfkonto flossen. Aus Sicht der Ermittler hat Tretzel auch dieses Geld gezahlt, um sich Wolbergs' Wohlwollen bei Grundstücksdeals zu kaufen. Tretzel und Wolbergs streiten bislang alle Vorwürfe ab, ebenso die wegen Beihilfe angeklagten Franz Wild und Ex-SPD-Rathausfraktionschef Norbert Hartl.

Auch an Christian Schlegl spendete Tretzel. Bei der OB-Wahl 2014 war Schlegl der unterlegene CSU-Kandidat - auch gegen ihn laufen Ermittlungen. Schlegl bekam weniger Tretzel-Spenden als Wolbergs. Er fürchte, bei Schlegl aufs "falsche Pferd" zu setzen, schreibt Tretzel 2011 an seinen damaligen Mitgeschäftsführer Wild. In der selben E-Mail sinniert er darüber, SPD-Mann Wolbergs zum Jahn-Präsidenten zu machen - und über eine "strahlende Zukunft" für seine Firma sowie "interessante Grundstücke", die es auch nach Schaidingers Amtszeit geben werde.