Korruptionsaffäre:Der nächste Karrieresprung für den Schwiegersohn

Freie-Wähler-Stadtrat Artinger reagierte zunächst nicht auf eine SZ-Anfrage. Sein Schwiegersohn wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Angelegenheit äußern. Und Wolbergs? Der OB lässt seinen Strafverteidiger Peter Witting mitteilen, dass er "keinerlei konkrete Erinnerung" mehr an das Auswahlverfahren habe. Außerdem schreibt Rechtsanwalt Witting, es gebe für Wolbergs keinen Zweifel daran, dass Artingers Schwiegersohn "alleine deshalb eingestellt worden war, weil er der beste Bewerber gewesen war, und nicht, weil er der Schwiegersohn des Stadtrates Artinger ist".

Ist die Spezl-Theorie der CSU-Stadtratsfraktion also nur eine Verschwörungstheorie? Der Sprecher der Staatsanwaltschaft teilt dazu mit, dass die Personalie nicht Gegenstand der Ermittlungen ist, die derzeit gegen OB Wolbergs wegen des Verdachts der Bestechlichkeit laufen. Der Sprecher sagt aber auch, dass man die Angelegenheit "zur Kenntnis genommen" habe und für die weiteren Ermittlungen "im Hinterkopf" behalten werde.

Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass sich die Staatsanwaltschaft im Zuge der Korruptionsaffäre mit einer heiklen Personalie beschäftigen muss. Bereits im vergangenen Juli hatte die SZ aufgedeckt, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Stelle des Technischen Leiters der kommunalen Stadtbau GmbH gab.

Der Stadtbau-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender OB Wolbergs ist, gab den Job dem früheren Geschäftsführer der Baufirma Tretzel, die tief in die Korruptionsaffäre verstrickt ist - obwohl es nach SZ-Recherchen ebenfalls zwei Kandidatinnen gab, die höher qualifiziert gewesen sein sollen. Der Stadtbau-Mitarbeiter musste wegen des Verdachts der Beihilfe zur Bestechung ebenso in U-Haft wie Firmenchef Volker Tretzel, der den Regensburger OB mit mehreren Hunderttausend Euro geschmiert haben soll.

An diesem Freitag nun wurde der Haftbefehl gegen den inzwischen entlassenen Stadtbau-Mitarbeiter unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. Der dringende Tatverdacht bleibt zwar bestehen, doch ist das Ermittlungsverfahren offenbar so weit fortgeschritten, dass die Ermittler keine Gefahr mehr sehen, dass der Beschuldigte Zeugen beeinflussen oder Beweismaterial manipulieren könnte.

Artingers Schwiegersohn hat vor gut einer Woche den nächsten Karrieresprung gemacht. Er ist vom Abteilungsleiter zum Rechtsamtsleiter aufgestiegen. Diese Personalie fiel unter Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), die den suspendierten Oberbürgermeister seit Mitte Januar vertritt. Für CSU-Stadtrat Schlegl ist die Personalie ein Hinweis, "dass das System Wolbergs fortbesteht".

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