Konzertsäle in Bayern:Die Nürnberger Meistersingerhalle, eine zu groß geratene Schuhschachtel

Etwas Besonderes in der bayerischen Konzertszene ist auch die Situation in Nürnberg. Dort gibt es zwei große Klangkörper, die Philharmoniker und die Symphoniker, aber einen empfehlenswerten Konzertsaal gibt es nicht. In einer Halbmillionenstadt mit großer Musiktradition. Wobei die Meistersingerhalle durchaus ihre Qualitäten hat, die man allerdings auf den ersten Blick nicht erfasst. Von außen wähnt sich mancher vor einer zu groß geratenen Schuhschachtel, ein Eindruck, der im Inneren des Hauses immerhin verfliegt. Wer auch nur ein bisschen Respekt für die Architektur der frühen 1960er Jahre mitbringt, wird sich in der Meistersingerhalle - am Südrand der Stadt gelegen - ziemlich wohlfühlen. Die kleinen Partys etwa nach den Konzerten der Nürnberger Philharmoniker gehören mit zum Lässigsten, was die Stadt am Abend zu bieten hat.

Meistersingerhalle Nürnberg

Unter Denkmalschutz: die Meistersingerhalle in Nürnberg. Sie wird in den nächsten Jahren durch eine neue Philharmonie ergänzt.

(Foto: David Ebener/dpa)

Womit wenig über die Art der Akustik in dieser riesenhaften Flachhalle gesagt ist. Über die gibt es unterschiedliche Ansichten: Man kann sich mit Musikern unterhalten, für die "Burn it" eher noch eine zu homöopathische Lösung wäre, andere halten so was für unangenehm übertrieben. Einigen können sich aber nahezu alle auf die Ansicht, dass dieser Saal für Freunde der Nachkriegsarchitektur ein Fest, für Konzertveranstalter ein Graus ist. Und das schon alleine deshalb, weil 2100 Sitzplätze für ein normales Abokonzert zu viele sind und die Klangqualität an manchen Plätzen für das erste Haus einer Großstadt einfach nicht ausreicht.

Seehofer hat auch Nürnberg einen neuen Konzertsaal versprochen

Was ist die Lösung? Es gibt seit etlichen Jahren für die Symphoniker - den kleineren der beiden Nürnberger Klangkörper - einen schmalen Konzertsaal in der NS-Kongressruine auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Der passt so einigermaßen für die Symphoniker, die sich nicht zuletzt als Reiseorchester verstehen. Aber es fehlt der mittelgroße Saal für etwa 1300 Zuhörer in Nürnberg. Horst Seehofer hat ihn als Folge der Münchner Konzertsaaldebatte versprochen, die Stadt sucht seither einen passenden Ort. Es geht höchst mühsam voran, nach einer Machbarkeitsstudie gilt ein Platz direkt neben der Meistersingerhalle als Favorit. Merkwürdig wäre das schon: Im Süden der Stadt auf dem Reichsparteitagsgelände und an dessen Rand gäbe es dann künftig drei Konzertsäle. Im Zentrum keinen.

Konzertieren im Palais: das philharmonische Orchester Regensburg

B-Orchester, das klingt erst einmal schrecklich zweitklassig. Wer am Regensburger Stadttheater jedoch "Tristan und Isolde" gehört hat, wird nicht auf die Idee kommen, diese anhand von Planstellen vorgenommene Eingruppierung auf die musikalische Qualität übertragen zu wollen. "Sehr, sehr glücklich über ein Orchester dieser Qualität" sei er, sagt Intendant Jens Neundorff von Enzberg. Die Bandbreite des philharmonischen Orchesters nimmt seit Jahren zu, die Handschrift von Generaldirektor Tetsuro Ban ist unverkennbar.

Konzertsäle in Bayern: Das philharmonische Orchester Regensburg spielt bald in völlig neuer Umgebung.

Das philharmonische Orchester Regensburg spielt bald in völlig neuer Umgebung.

(Foto: Juliane Zitzelsperger)

Mit 3,5 Millionen Euro beträgt der Orchester-Anteil knapp ein Fünftel des gesamten Theateretats. Mit Auftritten in der Region soll der Klangkörper künftig mehr nach außen wirken, doch auch in der Stadt gibt es Nachholbedarf. Er sei nun keiner, der ständig nach neuen Konzertsälen rufe, sagt Intendant Neundorff von Enzberg. Doch ein neuer Raum mit gut 700 Plätzen - doppelt so vielen wie bisher im Neuhaussaal - stünde der Stadt gut zu Gesicht. Droht hier die nächste Konzertsaaldebatte? Immerhin: In zwei Wochen wird in Regensburg das "Haus der Musik" eingeweiht, laut Kulturreferent Klemens Unger eine "gigantische Musikwerkstatt" für die Bevölkerung. Dafür wurde das frühere Präsidialpalais für 17 Millionen Euro saniert - direkt gegenüber dem Stadttheater.

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