Konzertsäle in Bayern:Wo die Musik spielt

Ein Saal mit fulminanter Akustik: Enthusiasten aus aller Welt bekommen gar nicht genug von den Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Jonathan Nott.

Ein Saal mit fulminanter Akustik: Enthusiasten aus aller Welt bekommen gar nicht genug von den Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Jonathan Nott.

(Foto: Peter Eberts)
  • Bamberg hat eines der besten Orchester Deutschlands und einen guten Konzertsaal - bei 70.000 Einwohnern.
  • Die Meistersingerhalle ist für Abokonzerte zu groß, aber Ministerpräsident Seehofer hat den Nürnberger Symphonikern und Philharmonikern einen eigenen mittelgroßen Konzertsaal versprochen.
  • Die nächste Saal-Debatte könnte sich in Augsburg entwickeln, dort muss das Stadttheater saniert werden, das wichtige Spielstätte der Philharmoniker ist.
  • Für die Niederbayerische Philharmonie war die Flut 2013 Fluch und Segen - der Orchestergraben soff ab, aber der Freistaat zahlte die Sanierung des Passauer Stadttheaters aus dem Hochwasserfonds.

Von O. Przybilla, A. Günther, M. Scherf, W. Wittl

Eine musikalische Bestandsaufnahme in Bayern fängt man am besten mit den Bamberger Symphonikern an. Weil dort etwas gelungen ist, wofür der Freistaat in der Musikwelt beneidet wird. Und die Causa Bamberg in der großen bayerischen Musiksaaldebatte bislang unter den Tisch fällt. Erst mal das: Einen so bedeutenden Klangkörper in einer so überschaubaren Stadt, wie das in Bamberg der Fall ist, gibt es im Rest der Republik nirgends. Bamberg hat etwas mehr als 70 000 Einwohner, spielt mit seinem Orchester aber in einer Liga, in der Städte mit einer halben Million Einwohnern aufwärts unterwegs sind.

Mindestens zu den sechs, sieben besten Orchestern Deutschlands wird man die Bamberger rechnen müssen. Und wer das im Süden des Freistaats, wo bei solchen Behauptungen gerne am gönnerhaftesten gespottet wird, noch nicht mitbekommen hat, sollte bei Gelegenheit mal die Listen der prämierten Einspielungen durchgehen.

Wie das kommt, warum so ein bedeutendes Orchester in Bamberg seine Heimat gefunden hat? Gegründet wurde das Orchester nach dem Zweiten Weltkrieg von Flüchtlingen aus Prag, die - so geht die Geschichte - in der Stadthügellandschaft Bambergs ihre eigene Heimat wiederzuerkennen glaubten. Man könnte auch sagen: Im Kern waren die Bamberger 1946 eigentlich die Außenstelle der Philharmoniker aus Prag. Und damit war die Messlatte für die Zukunft gelegt.

Bamberg hat ein Konzerthaus mit anständiger Akustik

Das aber ist nicht die einzige Sonderrolle, die den Bambergern zukommt. Würden die Bewohner dieser Stadt zu Häme oder Aufschneiderei neigen, könnte die Münchner Konzertsaaldebatte für Erheiterung sorgen. Gesucht wird nach einem mittelgroßen Konzertsaal, möglichst in ansehnlicher Hülle und am liebsten in einer spektakulären Umgebung gelegen, in dem man Mahler-Symphonien in einer Qualität hören kann, wie sich das für ein anständiges Konzerthaus gehört? Ja, da gibt es einen Saal in Bayern. Und zwar in Bamberg.

1993 wurde der Joseph-Keilberth-Saal eröffnet, wo man die Fünfte von Mahler in einer Wucht hören kann, dass es einen in den Sitz drückt. Es ist kein Zufall, dass der Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg ausgerichtet wird. Und es ist auch kein Zufall, dass Chefdirigent Jonathan Nott für seine Einspielung von Mahlers Neunter mit dem wohl bedeutendsten Einspielungspreis ausgezeichnet wurde. Dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Bamberger trotzdem weit hinter den Münchner Orchestern rangieren, ist einigermaßen unverständlich. Vermutlich aber ist das dann doch das Problem eines wunderbaren Hauses jenseits der Großstadt. Die Bamberger stört das wenig: Die Konzerte ihres Orchesters sind beim heimischen Publikum ähnlich begehrt wie die Heimspiele des FC Bayern in München.

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