Konkurrenzkampf um Schüler:"Da wird ihm die Kindheit geraubt"

Lesezeit: 3 min

Das Verhältnis zwischen Gymnasien auf der einen Seite und Realschulen und Beruflichen Oberschulen (FOS und BOS) auf der anderen ist deshalb vielerorts angespannt. Besonders verärgert sind Schulleiter von Gymnasien darüber, dass FOS und BOS offenbar für sich werben, indem sie das Gymnasium schlecht reden.

Peter Wurzer, Schulleiter des Gymnasiums Landau an der Isar, erzählt, dass Vertreter von BOS und FOS die Eltern einer Kelheimer Grundschule regelrecht vor dem Gymnasium warnen, nach dem Motto: "Schickt euer Kind nicht aufs Gymnasium. Da wird ihm die Kindheit geraubt". Dietl berichtet, dass die Beruflichen Oberschulen schon in den dritten Klassen Werbung machen, indem sie ihre Ausbildung als "den Königsweg" darstellen, auf dem man ohne Stress und ohne Nachmittagsunterricht Abitur machen kann. "Das kann es eigentlich nicht sein", sagt Dietl. "Der Königsweg ist immer noch das Gymnasium."

Warum eigentlich? "Das Gymnasium ist inhaltlich anspruchsvoller", sagt Walter Fronczek, Referent im Bayerischen Philologenverband und Leiter des Gymnasiums Gemünden im Spessart. Den Schülern werde auf dem Gymnasium die beste Allgemeinbildung vermittelt. Lydia Schieth, stellvertretende Schulleiterin am St. Marien-Gymnasium in Regensburg, weist daraufhin, dass Absolventen von FOS und BOS ihr Studium viel häufiger abbrechen als ehemalige Gymnasiasten. Doch das wollten die Eltern nicht hören.

"Wir wollen Schüler, die für das Gymnasium geeignet sind, nicht vom Gymnasium fernhalten", sagt Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands. Er kennt allerdings mehrere Fälle, in denen die Eltern besonders begabter Realschüler immer wieder darauf hingewiesen wurden, dass ihr Kind aufs Gymnasium wechseln könnte. "Die Eltern wollten das aber auf keinen Fall", sagt Huber. Das Gymnasium habe offenbar ein Imageproblem.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema