Freie Wähler wollen mehr LandräteFür Aiwanger ist der Landkreis Landshut nicht genug

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Alfred Holzner (links) will Landrat im Kreis Landshut werden. Er ist Bürgermeister in Hubert Aiwangers Heimatgemeinde Rottenburg an der Laaber.
Alfred Holzner (links) will Landrat im Kreis Landshut werden. Er ist Bürgermeister in Hubert Aiwangers Heimatgemeinde Rottenburg an der Laaber. Thomas Balbierer
  • Alfred Holzner (Freie Wähler) führt mit 43 Prozent vor CSU-Kandidatin Claudia Geilersdorfer (31 Prozent) in der Landratswahl im Kreis Landshut.
  • Hubert Aiwanger sieht die Freien Wähler bayernweit auf gutem Weg, ihre 14 Landratsposten zu halten und möglicherweise weitere zu erobern.
  • In der Landshuter Oberbürgermeisterwahl gehen CSU-Kandidat Thomas Haslinger (37 Prozent) und Grünen-Stadtrat Christoph Rabl (20,2 Prozent) in die Stichwahl.
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Im Kreis Landshut sind die Freien Wähler auch bei diesen Kommunalwahlen stark, selbst ohne Amtsbonus. In der Stichwahl will der Parteichef weitere Landratsämter in Niederbayern erobern.

Von Thomas Balbierer und Alexander Kappen, Landshut

Die Wahlparty im Landshuter Landratsamt beginnt ungewöhnlich ruhig. Nachdem die Wahllokale am Sonntagabend um 18 Uhr geschlossen haben, wird im Sitzungssaal fast eine Stunde lang nur wenig gesprochen, und wenn, dann im Flüsterton. Nur ein brabbelndes Kleinkind durchbricht ab und zu die Anspannung. Es geht um was.

Auch Hubert Aiwanger, sonst immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, fixiert unablässig sein Handy. Gegen 19 Uhr darf er sich endlich entspannen: Sein Landratskandidat Alfred Holzner liegt weit in Führung, 43 Prozent. Er geht mit einem ordentlichen Vorsprung in die Stichwahl in zwei Wochen. Seine Konkurrentin von der CSU, die stellvertretende Landrätin Claudia Geilersdorfer, liegt mit knapp 31 Prozent auf Platz zwei. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Holzner. „Wir haben unser Etappenziel erreicht.“

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„Ganz zufrieden“ ist auch Hubert Aiwanger. Allein seine Anwesenheit zeigt ja, welche Symbolkraft das Amt für die Freien Wähler hat. Jahrzehntelang war der Kreis Landshut – wie auch der Rest Niederbayerns – fest in CSU-Hand. Doch mit Aiwangers Aufstieg begann auch der Siegeszug der FW. Der Parteichef ist hier zu Hause, die FW stellen reihenweise Bürgermeister. 2014 schaffte es Peter Dreier als erster FWler auf den Chefposten im Landratsamt, 2026 trat er nicht mehr an. Aiwanger selbst holte hier bei der vergangenen Landtagswahl das erste Direktmandat der Freien Wähler.

Insofern darf die Landratswahl als wichtiger Indikator für den Erfolg bei der „Mutter aller Wahlen“ gelten, wie die Freien Wähler die Kommunalwahlen nennen. Schaffen sie es, den Aiwanger-Landkreis zu halten? Es sieht gut aus für eben jenen Alfred Holzner, der, na klar, Bürgermeister in Aiwangers Heimatgemeinde Rottenburg an der Laaber ist.

Aber für Aiwanger ist Landshut an diesem Abend nicht genug. Er spricht bereits von weiteren Landratsämtern in Niederbayern, welche die Freien Wähler bei der Stichwahl am 22. März erobern wollen. In den Kreisen Rottal-Inn, Kelheim oder Straubing-Bogen zwingen die FW-Kandidaten Amtsinhaber der CSU in die Stichwahl. Bayernweit habe man es in mehr als 20 Stichwahlen geschafft, sagt Aiwanger, sieben Landräte haben sich demnach bereits im ersten Wahlgang durchgesetzt. In zwei Kreisen mit FW-Landräten wurde nicht gewählt.

Den unterfränkischen Rhön-Grabfeld-Kreis etwa verliert die CSU schon im ersten Wahlgang an die Freien Wähler. Und im Berchtesgadener Land könnte Aiwangers Partei in der Stichwahl die CSU-Dominanz brechen.

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Damit sieht sich der Freie-Wähler-Chef auf einem guten Weg, sein selbst gestecktes Ziel für die Kommunalwahl zu erreichen. Das lautete, die 14 Landratsposten zu halten. „Ich glaub’, es könnten am Ende sogar noch a bissl mehr werden“, sagt Aiwanger am Sonntagabend. Dass die Freien Wähler nach 30 Jahren den Landratsposten im oberfränkischen Kulmbach schon im ersten Wahlgang an die CSU verloren haben, scheint er verschmerzen zu können. Ebenso das traditionell schwache Abschneiden in größeren Städten.

Bei der OB-Wahl holt der Grüne den AfD-Kandidaten noch ein

So etwa in Landshut, wo die FW-Kandidatin Petra Strasser in der Oberbürgermeisterwahl nur 5,8 Prozent der Stimmen holte und auf Platz fünf landete. Im Kampf um den OB-Posten kommt es am 22. März erwartungsgemäß zu einer Stichwahl. Nachdem CSU-Oberbürgermeister Alexander Putz nicht mehr angetreten ist, wird sein aktueller Stellvertreter Thomas Haslinger in zwei Wochen versuchen, das Amt für die Christsozialen zu verteidigen. Im ersten Wahlgang am Sonntag kam Haslinger, der mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“ war, auf 37 Prozent der Wählerstimmen.

Sein Widersacher in der Stichwahl ist Grünen-Stadtrat Christoph Rabl, der 20,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinte und von einem „herausragenden Ergebnis“ sprach. Er verwies damit Patricia Steinberger von der SPD (13,6 Prozent) und AfD-Kandidat Günter Straßberger (9,5 Prozent) auf die Plätze drei und vier unter den insgesamt zehn Bewerbern. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,7 Prozent (2020: 48,1 Prozent).

CSU-Kandidat Thomas Haslinger (links) und Christoph Rabl (Grüne) gehen in Landshut in die Stichwahl.
CSU-Kandidat Thomas Haslinger (links) und Christoph Rabl (Grüne) gehen in Landshut in die Stichwahl. Alexander Kappen

Schon als Haslinger, 39, am Sonntag den Landshuter Plenarsaal betritt, brandet Applaus auf, auch wenn längst nicht alle Wahllokale ausgezählt sind. Er liegt stabil um 34 bis 36 Prozent, es zeichnet sich früh ab, dass er es in die Stichwahl schaffen würde. Anfangs sieht es noch so aus, als könnte der AfD-Mann Straßberger neben Haslinger die Stichwahl erreichen, doch dann zieht Christoph Rabl vorbei. Straßberger ist mit dem Ergebnis „am Ende nicht mehr so zufrieden“. In der Stichwahl hätte er sich aber ohnehin nicht allzu viel ausgerechnet, „weil sich da alle anderen gegen mich vereint hätten“.

Nun kommt es zu einem schwarz-grünen Duell, in dem Amtsinhaber Alexander Putz seinen CSU-Kollegen im Vorteil sieht. Er rechnet mit einer „klaren Sache“ für Haslinger. Dieser gibt sich zurückhaltender: Nun gehe es „von vorne los, ich werde um jede Stimme kämpfen“. Auch Rabl sagt, es sei „alles offen, die Karten werden neu gemischt“.

Dabei hofft er auch auf die Unterstützung aus Reihen der Parteien, deren Kandidaten im ersten Wahlgang gescheitert sind. Kommende Woche werde man die Gespräche aufnehmen, denn „Landshut braucht eine Veränderung“. Haslinger dagegen will noch einmal die „deutlichen Unterschiede“ bei Themen wie Verkehr, Wirtschaft und Finanzen herausstellen und so bei den Wählern punkten.

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