Landratswahlen in BayernWo endet eine Ära, wo gibt es Überraschungen?

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Der Landkreis Kulmbach, das ist ganz sicher, wird  einen neuen Landrat bekommen. Amtsinhaber Klaus Peter Söllner hört nach 30 Jahren auf.
Der Landkreis Kulmbach, das ist ganz sicher, wird  einen neuen Landrat bekommen. Amtsinhaber Klaus Peter Söllner hört nach 30 Jahren auf. Nicolas Armer/dpa
  • Am 8. März werden in 62 der 71 bayerischen Landkreise Landräte gewählt, wobei sich 313 Personen bewerben, darunter 69 Frauen.
  • In mehreren Landkreisen endet eine Ära, da langjährige Amtsinhaber nicht mehr antreten, wie Peter Dreier in Landshut nach zwölf Jahren und Klaus Peter Söllner in Kulmbach nach 30 Jahren.
  • Besonders spannend wird es in Dingolfing-Landau, wo AfD-Kandidat Stephan Protschka nach seinem starken Bundestagswahlergebnis von fast 29 Prozent als erster westdeutscher AfD-Landrat kandidiert.
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313 Personen, darunter 69 Frauen, bewerben sich am 8. März in 62 bayerischen Landkreisen um den Posten des Landrats. Wo es besonders spannend wird.

Von SZ-Autoren

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In 62  der 71 Landkreise werden am 8. März Landrätinnen und Landräte gewählt. Um diese Posten bewerbe sich nach Angaben der Landeswahlleitung 313 Personen, darunter  69 Frauen. Wo endet eine Ära, wo könnte der Wechsel an der Spitze doch schneller kommen, als man gedacht hatte? Ein Überblick über die spannendsten Schauplätze bei den anstehenden Kommunalwahlen.

Landkreis Kulmbach

In Kulmbach endet, so muss man das sagen, demnächst eine Ära. Landrat Klaus Peter Söllner ist seit 1996 im Amt, er ist damit – gemeinsam mit Thomas Karmasin in Fürstenfeldbruck – dienstältester Landrat in Bayern. Und er hat zwischendurch Wahlergebnisse erzielt, bei denen man zweimal hinsehen musste, um sicherzugehen, nicht in einen Text über die Deutsche Demokratische Republik geraten zu sein. 2014 etwa. Da gewann Söllner den Landkreis in Oberfranken mit 96,4 Prozent der Stimmen.

Der Landrat des Landkreises Kulmbach, Klaus Peter Söllner (Freie Wähler), hört nach 30 Jahren im Amt auf.
Der Landrat des Landkreises Kulmbach, Klaus Peter Söllner (Freie Wähler), hört nach 30 Jahren im Amt auf. Nicolas Armer/dpa

Gut, Söllner hatte da keinen Gegenkandidaten. Aber als Bewerber der Freien Wähler keinen CSU-Mitbewerber vor die Nase gesetzt zu bekommen – das muss man sich vorher hart erarbeitet haben. Das kommt für die CSU nur dann infrage, wenn gar keine Aussicht auf Erfolg besteht. Bei Söllner sah man das offenkundig so – und hob ihn einfach mit auf den Schild. Sechs Jahre zuvor hatte Söllner mit 80,2 Prozent triumphiert.

Wer sich umhört in Kulmbach, bekommt trotzdem so ziemlich das Gegenteil eines Politstar-Profils geliefert. Söllner ist einer, der sich notorisch nicht in den Vordergrund drängt, heißt es. Ein Zuhörer. Einer, der helfen will und dafür alle möglichen Wege zu finden versucht, die juristisch fundiert sind. Und einer, der quasi permanent unterwegs ist bei den örtlichen Vereinen und Organisationen, auch samstags und sonntags.

Solche Besuche, „das war mein Habitat“, sagt Söllner, 69. Und klar, „bissla wehmütig“ sei er nun schon, nach 30 Jahren.

Vier Kandidaten ringen um Söllners Erbe. Einem werden schon deshalb gute Chancen eingeräumt, weil er als jüngere Variante des noch amtierenden Landrats durchgeht. Wie Söllner tritt Oliver Hempfling für die Freien Wähler an, wie Söllner ist er Jurist, wie Söllner kommt er aus Stadtsteinach. Wie Söllner hat er reichlich Verwaltungserfahrung in Landratsamt und Regierung von Oberfranken gesammelt, wie Söllner ist Hempfling bei Letzterer auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig gewesen – einer, der komplexe Verwaltungsakte zu vermitteln gelernt hat. Dass Hempfling mindestens in eine mögliche Stichwahl kommt, gilt als sehr wahrscheinlich.

Als aussichtsreichster Gegenkandidat wird Jonas Gleich (CSU) gehandelt. Er mag wie der gezielte Gegenentwurf zu Hempfling, 54 wirken. Halb so alt wie dieser ist Gleich, hat nach seinem Politologie-Studium Erfahrung in der CSU-Landesleitung gesammelt und wird im Wahlkampf von der Parteispitze dezidiert unterstützt. Im Kreis Kulmbach soll offenkundig mit aller Kraft eine 30 Jahre währende CSU-Scharte ausgewetzt werden. So gezielt, wie die Personalie Gleich – bislang Pressesprecher der Stadt Kulmbach – aussehen mag, war sie aber wohl nicht. Bevor Gleich antrat, hatten mehrere potenzielle CSU-Bewerber eine Landrats-Kandidatur ausgeschlagen.

Warum diese Zögerlichkeit von Bewerbern? Söllner weiß es nicht. Aber womöglich wirke er, samt permanentem Sieben-Tage-Einsatz, als „abschreckendes Beispiel“. Olaf Przybilla

Landkreis Miltenberg

Als im Landkreis Miltenberg vor zwölf Jahren Jens Marco Scherf zum Landrat gewählt worden ist, kam das einer mittelgroßen Sensation gleich. Ein Grüner als Verwaltungschef in einem dezidiert konservativ geprägten Landstrich im Mainfränkischen? Hatte so kaum einer auf dem Zettel gehabt zuvor. Würde Scherf, 51, noch einmal antreten, so wäre eine dritte Amtsperiode sehr wahrscheinlich. Scherf aber ist schwer erkrankt und hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen.

Selbst politische Kontrahenten bedauern dies. Der unfreiwillige Verzicht Scherfs tue ihr „tief, tief in der Seele leid“, sagt die Vorsitzende der „Neuen Mitte“ in Miltenberg, Claudia Müller-Bartels. Scherf habe als Landrat „für alle ein offenes Ohr“ gehabt und sein Amt als über die Parteigrenzen geachteter Real-Politiker ausgefüllt, sagt sie. Die Neue Mitte, eine im Kreistag vertretene Gruppierung mit starkem Unternehmer-Anteil, dürfte bei der Frage, wer Scherf nun beerbt, eine maßgebliche Rolle spielen. Denn der Landratskandidat dieser eher konservativen Gruppierung, der Rettungsingenieur Björn Bartels, ist gemeinsam mit der CSU nominiert worden. Als Kandidat für eine wahrscheinliche Stichwahl wird Bartels am häufigsten genannt.

Als Hauptkonkurrent gilt für viele der Kandidat der Freien Wähler, Michael Schüßler, der als hauptamtlicher Bürgermeister von Leidersbach Verwaltungserfahrung mitbringt. Die Grünen? Ihr Kandidat, der 33-jährige Jurist Peter Weis, ist kommunalpolitisch nicht so profiliert wie seine Mitbewerber. Wäre der Nachfolger von Landrat Scherf erneut ein Grüner, so käme das einer noch größeren Sensation gleich als 2014 – was selbst die Grünen so sehen. Olaf Przybilla

Landkreis Oberallgäu

Ein offenes Rennen wäre es ohnehin geworden, Landrätin Indra Baier-Müller hatte sich vor sechs Jahren in der Stichwahl nur hauchdünn mit 51,8 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Eine Position der Stärke war das nicht, und die hat sich Baier-Müller im Verlauf ihrer Amtsperiode auch nicht erarbeitet. Die Landrätin der Freien Wähler eckte unter anderem mit den Alpbauern an, im Skandal um die Zerstörung eines hochkarätigen Naturschutzgebiets im Rappenalptal. Und sie unternahm einen spektakulär fehlgeschlagenen Fluchtversuch, als sie sich im vergangenen Jahr als Direktkandidatin für den Bundestag bewarb, jedoch mit 8,6 Prozent bei den Erststimmen scheiterte.

Indra Baier-Müller will keine  zweite Amtszeit als Landrätin vom Landkreis Oberallgäu.
Indra Baier-Müller will keine  zweite Amtszeit als Landrätin vom Landkreis Oberallgäu. Imago

Indra Baier-Müller will keine zweite Amtszeit, sie tritt nicht mehr an. „In den vergangenen Monaten ist deutlich geworden, dass mein Stil, meine Haltung und meine Art der klaren Worte innerhalb der Freien Wähler im Oberallgäu nicht die Unterstützung finden, die es für eine erneute Kandidatur bräuchte“, schrieb sie dazu in einer Erklärung. „Ich akzeptiere dies – und ziehe meine Konsequenz.“

Die Konsequenz für die Wähler im Oberallgäu ist nun, dass sie die Wahl zwischen sechs neuen Kandidaten haben, von der AfD, der SPD und der ÖDP. Von den Grünen, für die Christina Mader nach 2020 ein zweites Mal antritt. Und von den Freien Wählern wie von der CSU, deren beiden Bewerbern die besten Chancen eingeräumt werden.

Christian Wilhelm führt seit zwölf Jahren die 20 000 Einwohner große Alpenstadt Sonthofen, der FW-Mann sitzt auch im Kreistag. Damit kann er mit annähernd so viel kommunalpolitischer Erfahrung aufwarten wie Thomas Eigstler, der für die CSU seit 15 Jahren der Marktgemeinde Wiggensbach vorsteht, zuvor schon im Chefsessel der Gemeinde Wasserburg am Bodensee saß und ebenfalls dem Kreistag angehört. Eigstler soll für die CSU die Scharte von 2020 auswetzen: Seit Menschengedenken stellte die CSU dort den Landrat – bis vor sechs Jahren, als Indra Baier-Müller plötzlich für die Freien Wähler reüssierte. Florian Fuchs

Berchtesgadener Land

Wie schnell der CSU so ein vermeintlicher Erbhof verloren gehen kann, das hat sich im vergangenen Sommer gezeigt. Im Juli hat Andreas Danzer von den Freien Wählern die Stichwahl um das Amt des Traunsteiner Landrats für sich entschieden, mit mehr als neun Prozentpunkten Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten von der CSU. Das soll sich aus Sicht der CSU im Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land auf gar keinen Fall wiederholen.

Dort hat der amtierende Landrat Bernhard Kern schon vor einer ganzen Weile angekündigt, keine zweite Amtsperiode anzustreben. Der inzwischen 58-jährige CSU-Mann Kern hat sich nur ein Mindestmaß an Mühe gegeben, diesen Rückzug als seinen eigenen Entschluss dazustellen. Die früher in hoher Frequenz stattfindenden gemeinsamen Termine mit der CSU-Kreisvorsitzenden und bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber haben beide seither eher vermieden.

Nun schicken Kaniber und ihr Kreisverband den derzeitigen Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp ins Rennen, dem die Kandidatur für das Amt des Landrats vor sechs Jahren noch verwehrt geblieben war – damals zugunsten Kerns, der gegen den grünen Kandidaten Bartl Wimmer in die Stichwahl musste. Der erfolgreiche Unternehmer Wimmer hat inzwischen den Berchtesgadener Tourismus-Verband wieder etwas in die Offensive gebracht und kandidiert nach einigem Zögern abermals. Für die Freien Wähler tritt der aktuelle Vize-Landrat Michael Koller an, der 2023 über die FW-Liste in den Landtag gewählt wurde. Eine Stichwahl ist wahrscheinlich, der Ausgang offen. Kern bewirbt sich inzwischen 150 Kilometer weiter westlich als Bürgermeister in der 3400-Einwohner-Gemeinde Halblech im Ostallgäu. Matthias Köpf

Landkreis Dingolfing-Landau

Er glaube fest daran, dass er „nach der Stichwahl erster westdeutscher AfD-Landrat“ sei, sagt Stephan Protschka. Ziemlich forsch, aber wenn es in Bayern überhaupt irgendwo klappen könnte für die Rechtsaußen-Partei, dann wohl am ehesten im Landkreis Dingolfing-Landau. Bei der Bundestagswahl 2025 holte die AfD dort fast 29 Prozent der Zweitstimmen. Und bei den Erststimmen ließ Protschka, damals Direktkandidat, sogar Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hinter sich, das muss man in Niederbayern erst mal schaffen. Seither rühmt sich Protschka damit, dass die Leute ihn angeblich mit Franz Josef Strauß vergleichen, dem Säulenheiligen der CSU. An Selbstbewusstsein mangelt es diesem Mann also nicht, aber ist das wirklich realistisch, ein AfD-Landrat mitten in Niederbayern?

Stephan Protschka will im Landkreis Dingolfing-Landau  nach der Stichwahl erster westdeutscher AfD-Landrat sein.
Stephan Protschka will im Landkreis Dingolfing-Landau  nach der Stichwahl erster westdeutscher AfD-Landrat sein. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Um die Dinge gleich mal zurechtzurücken: Trotz des starken AfD-Ergebnisses in Dingolfing-Landau holte die CSU bei der Bundestagswahl acht Prozentpunkte mehr – und bei der Landratswahl dürfte die Parteizugehörigkeit der Kandidierenden eine kleinere Rolle spielen. Außerdem tritt Protschka gegen den amtierenden CSU-Landrat Werner Bumeder an, der einen Amtsbonus mitbringt.

Was die Sache noch kniffliger macht für die AfD: Außer der CSU, der parteiunabhängigen Gruppierung Pro Dingolfing-Landau und den Grünen hat keine weitere Partei einen eigenen Landratskandidaten aufgestellt. Weshalb in der AfD manche sagen, dass der erste Wahlgang bereits eine kleine Stichwahl sei. Und in einer Stichwahl braucht ein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen, um sich durchzusetzen. Dass Protschka dies gelingt, wäre selbst in einer AfD-Hochburg wie Dingolfing-Landau eine Überraschung. Andreas Glas

Landkreis Landshut

Eines steht vor der Wahl bereits fest: Der Landkreis Landshut bekommt im Mai in jedem Fall einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin. Amtsinhaber Peter Dreier (Freie Wähler) wird sich nach zwölf Jahren am 8. März nicht mehr zur Wahl stellen. Um seine Nachfolge bewerben sich drei Kandidatinnen und drei Kandidaten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Landratsamt im konservativen Landkreis Landshut mit seinen 35 Städten und Gemeinden stets in CSU-Hand, ehe Dreier mit seinem Wahlsieg im Jahr 2014 diese Serie durchbrach. Nun bleibt abzuwarten, ob seine Freien Wähler mit dem derzeitigen Rottenburger Bürgermeister Alfred Holzner, 56, den Landratsposten verteidigen können. Oder ob womöglich die selbständige Architektin und Stadtplanerin Claudia Geilersdorfer – aktuell stellvertretende Landrätin – das Amt für die CSU zurückerobern kann. Sie wäre im Kreis Landshut die erste Frau in diesem Amt.

Neben Geilersdorfer bewerben sich zwei weitere Frauen um den Posten. Die überregional Bekanntere ist sicherlich die Landtagsabgeordnete Ruth Müller von der SPD. Die 58-Jährige, früher stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag und bis vergangenen Herbst Generalsekretärin der Bayern-SPD, kandidiert bereits zum zweiten Mal als Landrätin. Beim ersten Anlauf im Jahr 2020 scheiterte sie mit nur 4,8 Prozent der Wählerstimmen. Die Jüngste im Bunde der drei Kandidatinnen ist die 38-jährige Medienproduzentin Franziska Schmidt von den Grünen. Seit 2022 ist die gebürtige Cottbuserin Kreisvorsitzende ihrer Partei, seit 2024 gehört sie zudem dem niederbayerischen Bezirksvorstand an.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller bewirbt sich bereits zum zweiten Mal um den Posten der Landshuter Landrätin.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller bewirbt sich bereits zum zweiten Mal um den Posten der Landshuter Landrätin. Maximilian Koenig

Eher nur Außenseiterchancen dürften der 58-jährige FDP-Mann Norbert Eglhuber, Gemeinderat in Neufraunhofen, sowie der langjährige Kreisrat und ÖDP-Kandidat Lorenz Heilmeier, 62, haben. Auch Heilmeier tritt bei der Landratswahl nicht zum ersten Mal an. In den Jahren 2014 und 2020 brachte er es allerdings nur auf 2,4 und 2,3 Prozent der Stimmen.

Ein Thema, das fast alle Kandidatinnen und Kandidaten weiterhin umtreibt, ist die Gesundheitsversorgung. Nach der zu Jahresbeginn formal vollzogenen Fusion der Krankenhäuser von Stadt und Landkreis Landshut gilt es nun, diesen Zusammenschluss der fünf Kliniken auch in der Praxis zu vollziehen und möglichst alle Standorte zu erhalten.  Alexander Kappen

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