Einkommen der RathauschefsSo viel verdient ein bayerischer Bürgermeister

Lesezeit: 3 Min.

Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch verdient 8505 Euro brutto, dazu kommen weitere Zulagen und Sonderzahlungen.
Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch verdient 8505 Euro brutto, dazu kommen weitere Zulagen und Sonderzahlungen. (Foto: Maximilian Koenig)
  • Hauptamtliche Bürgermeister in Bayern erhalten ein fest geregeltes Gehalt nach Gemeindegröße, wobei Münchens OB Reiter mit 15 809,30 Euro am meisten verdient.
  • Sebastian Koch aus Wenzenbach verdient als hauptamtlicher Bürgermeister monatlich 9775,36 Euro brutto inklusive aller Zuschläge und einer steuerfreien Dienstaufwandsentschädigung.
  • Ehrenamtliche Bürgermeister können maximal 6386,13 Euro monatlich erhalten, wobei ein Drittel steuerfrei ist und der Gemeinderat die Höhe festlegt.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Sebastian Koch legt für die SZ sein Einkommen als hauptamtlicher Bürgermeister offen. Die Bezahlung bayerischer Rathauschefs ist klar geregelt – und auch im Ehrenamt auskömmlich.

Von Patrick Wehner

Auch unter Bürgermeistern gibt es Spitzenverdiener. Doch anders als in der freien Wirtschaft liegt das nicht am Verhandlungsgeschick der einzelnen Personen. Wer im Freistaat hauptamtliches Gemeinde- oder Stadtoberhaupt ist, erhält ein fest geregeltes Gehalt. Die Amtsinhaber sind Beamte auf Zeit, ihre Besoldung richtet sich nach der Größe der Kommune. Das macht unter anderem Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zum am besten bezahlten Bürgermeister. Er wird in die Besoldungsgruppe B11 eingeordnet, dort lag 2025 der monatliche Verdienst bei 15 809,30 Euro. Dazu kommen noch Tarifanpassungen und Zuschläge.

Gleich hinter Reiter folgt Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU), der nach B10 entlohnt wird, das waren vergangenes Jahr 15 227,10 Euro. Doch wirklich exemplarisch sind die beiden Großstadtsaläre für Bayern nicht.

Die komplizierteste Wahl in Bayern
:Kumulieren und Panaschieren: So funktioniert die Kommunalwahl

Bei den Kommunalwahlen werden die kleinsten Ämter mit Hilfe der größten Stimmzettel vergeben. Wie die Wahl genau abläuft und wann mit Ergebnissen zu rechnen ist. Ein Überblick.

Die 9000-Einwohner-Gemeinde Wenzenbach im Landkreis Regensburg ist es schon eher. 2014 wurde dort Sebastian Koch mit 26 Jahren zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt – und er ist es heute noch. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung hat der SPD-Mann seine Finanzen als Bürgermeister offengelegt. Insgesamt beläuft sich Kochs monatliches Bruttoeinkommen inklusive aller Zuschläge auf 9775,36 Euro, von dem Lohn- und gegebenenfalls Kirchensteuer abgehen. „Das ist eine auskömmliche und komfortable Besoldung“, sagt Koch.

Zugleich sei das Bürgermeisteramt mit großer Verantwortung, sehr langen Arbeitszeiten und zunehmender mentaler Belastung verbunden. Der Fachkräftemangel in den Verwaltungen zwinge Bürgermeister oft in eine Expertenrolle, während die öffentliche Wertschätzung abnehme. „Ich werde nach dem Kommunalwahlbeamten-Gesetz in die Besoldungsgruppe A16 eingestuft“, sagt Koch. Diese Einstufung gelte unabhängig von Alter oder Berufserfahrung. Anders als bei anderen Beamten würden Bürgermeister die Erfahrungsstufen nicht durchlaufen, sondern vom ersten Tag an in der höchsten Stufe starten. Möglicherweise liege es daran, dass Bürgermeisterämter in der Regel zeitlich befristet seien – oder daran, dass man vom ersten Tag an „an exponiertester Stelle im Rathaus steht und den Kopf hinhalten muss“.

Wer als Chef in ein Rathaus einzieht, hat nicht automatisch so viel auf dem Gehaltszettel stehen wie der Bürgermeister der Nachbargemeinde.
Wer als Chef in ein Rathaus einzieht, hat nicht automatisch so viel auf dem Gehaltszettel stehen wie der Bürgermeister der Nachbargemeinde. (Foto: Daniel Karmann/DPA)

Kochs monatliches Grundgehalt beträgt eigenen Angaben zufolge 8505 Euro brutto. Hinzu kommen ein Orts- und Familienzuschlag von 493 Euro. Dieser richtet sich nach Wohnort und Familienstand. Koch ist verheiratet und hat zwei Kinder, Wenzenbach liegt im Umland des eher teuren Regensburg. Würde er im Münchner Umland wohnen, würde er 763 Euro Zuschlag bekommen.

Vermögenswirksame Leistungen in Höhe von 6,65 Euro sowie eine Jahressonderzahlung im Dezember kommen hinzu. Dieses Weihnachtsgeld belief sich 2025 auf knapp 6000 Euro, also ungefähr 70 Prozent seines Monatssolds. Nach zehn Jahren im Amt entstehen zudem Pensionsansprüche; nach zwölf Jahren habe er im Fall einer Abwahl zudem Anspruch auf eine sogenannte Ehrenversorgung. Scheidet ein Bürgermeister nach nur einer Amtszeit aus, hat er keine Pensionsansprüche, wird aber im Rentensystem nachversichert für diese Zeit.

Zusätzlich erhält er eine steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung in Höhe von 769,80 Euro. „Die konkrete Höhe legt der Gemeinderat meist in der konstituierenden Sitzung fest“, erklärt Koch. Dass der Betrag bei ihm vergleichsweise hoch sei, habe einen Grund: „Ich bekomme keine pauschalen Fahrtkosten.“ Dienstfahrten rechne er nur im Einzelfall, etwa wenn die Fahrt besonders weit ist, und mit Fahrtenbuch ab. Pauschalen ohne genaue Nachweise seien aus seiner Sicht problematisch und könnten bei Steuerprüfungen zu „bösen Überraschungen“ führen. Eine kleine Anspielung auf den Finanzskandal im Wenzenbacher Rathaus, der sich vor Kochs Ägide ereignet hatte. Koch verzichtet auch auf die „Prachtkarossen“ von BMW und Audi, die für Gemeinden spezielle Leasingpreise anbieten würden. Er fährt lieber mit seinem Privatwagen.

Koch erzählt, dass er zu Beginn seiner ersten Amtszeit noch einen alten Seat Ibiza gehabt habe. „Mit dem fuhr ich als junger Bürgermeister zu einer Tagung von Gemeindevertretern. Und wurde sofort vom Parkplatz gejagt mit der Begründung, dass dort nur Bürgermeister parken dürften“, erzählt Koch am Telefon und lacht. Er selbst übe das Amt nicht wegen des Geldes aus, sagt Koch, sondern „weil es sehr viel Spaß macht, Ideen konkret vor Ort umzusetzen“. Kritik an Bürgermeistergehältern hält Koch für wenig zielführend: „Wenn wir kluge Köpfe für Politik gewinnen wollen, braucht es eine gute Bezahlung.“

Kommunalwahlkampf in Nürnberg
:Heftige Vorwürfe gegen den schwarzen SPD-OB-Kandidaten

SPD-Mann Nasser Ahmed wäre der erste schwarze Oberbürgermeister einer Großstadt in Deutschland. Mit einem Banner will er jetzt gegen Ausgrenzung sensibilisieren – und erntet harten Widerspruch.

SZ PlusVon OIaf Przybilla

Etwas anders geregelt ist die Bezahlung von Bürgermeistern im Ehrenamt. „Strenggenommen spricht man da auch nicht von Bezahlung, sondern von Entschädigung“, sagt Maximilian Sertl, Dienstrechtsreferent beim Bayerischen Gemeindetag. Im Freistaat gibt es den Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik zufolge etwa 800 ehrenamtliche und 1230 hauptamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.

Ehrenamt und Entschädigung mag zunächst nach freiwilligem und eher spärlich vergoltenem Engagement klingen. Doch wer Bürgermeister in einer bayerischen Gemeinde ist, kann auch im Ehrenamt monatlich mehrere Tausend Euro erhalten. „Maximal sind 6386,13 Euro brutto möglich“, sagt Sertl. Es gibt dazu eine gesetzlich vorgeschriebene Spannbreite die sich ebenfalls an der Einwohnerzahl orientiert. „Innerhalb dieser Rahmensätze entscheidet der Gemeinderat im Einvernehmen mit dem Ehrenamtlichen darüber, wie viel dieser letztlich bekommt“, erklärt Sertl.

Für diese Entscheidung sei auch wichtig, wie viele tatsächliche Arbeit auf den Bürgermeister zukomme, etwa, wenn ein Schul- oder Gewerbegebietsneubau anstehe. Und wie hoch der finanzielle Verlust ist, den der Bürgermeister durch die Reduzierung seiner Arbeitszeit in seinem Hauptberuf hat. Denn neben dem Beruf werden laut Sertl durchschnittlich rund 40 Wochenstunden ehrenamtlich geleistet. Bis zu einem Drittel der Entschädigung ist steuerfrei, auf den Rest fallen Sozialversicherungsabgaben an. Von der Arbeitslosenversicherung sind ehrenamtliche Bürgermeister jedoch befreit. Wenn man einmal wiedergewählt wurde, kann man bei Ausscheiden nach dem 60. Lebensjahr einen monatlichen Ehrensold bis zum Lebensende bekommen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kommunalwahl in Bayern
:Verkürzte Briefwahl-Fristen – diese Termine sind wichtig

Wer bei der Kommunalwahl per Brief abstimmen will, kann das frühestens am 16. Februar tun. Beantragen kann man die Unterlagen aber schon davor. Was sonst noch wichtig ist.

Von Thomas Balbierer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: