Die Muttergottes selbst müsste da eigentlich drüberstehen. Schließlich ist sie Identifikationsfigur einer Organisation mit mindestens globalem Anspruch. Aber gut, wenn bald Kommunalwahlen sind in Bayern, dann muss eben auch die Schwarze Madonna ein bisschen mitmachen beim Mobilisieren. Die Altöttinger jedenfalls bewegt jenes Wahlplakat sehr, das ihnen die örtliche „Liste“ da in den Wallfahrtsort gehängt hat.
Dabei trägt die Schwarze Madonna in der Altöttinger Gnadenkapelle ihre Farbe ja gar nicht wegen einer besonderen Nähe zu gewissen konservativen Parteien oder gar wegen einer eingetragenen Mitgliedschaft in der Christlich Sozialen Union. Sie ist nur deswegen schwarz, weil sie als lindenhölzernes Gnadenbild schon viele Hundert Jahre lang im rußigen Rauch der Altarkerzen steht.
Aber jetzt hat jene politisch etwas buntere Liste die Schwarze Madonna samt Jesuskind am Arm so ähnlich plakatiert wie einst die US-Armee ihren alten Uncle Sam. Das erregt die Gemüter im immer noch überwiegend erzkatholischen Altötting weit über die Sakristeien, die regierende CSU und die besonders marienfromme Marianische Männerkongregation hinaus.

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„I Want You for U.S. Army.“ So hatte Uncle Sam 1917 auf dem Plakat des Zeichners James Montgomery Flagg seine Betrachter für den Weltkrieg zu rekrutieren versucht. Dabei hat er ziemlich grimmig unterm Zylinder herausgeblickt und mit dem Zeigefinger direkt auf die Zielgruppe gedeutet. Ganz ähnlich macht es in Altötting jetzt die Schwarze Madonna im Kommunalwahlkampf. Drüber steht dementsprechend aber nur „Kommunalwahl 2026“ und rechts drunter „Die Liste“. Grimmig schauen Mutter und Kind aber auch. Und viele derart Angeschaute schauen noch grimmiger zurück und erregen sich – „O Maria hilf!“ – erwartungsgemäß auf allen Kanälen.
Gestaltet hat das Plakat der aktuelle „Liste“-Fraktionssprecher Marcel Seehuber. Dass diese Liste längst einen Fraktionssprecher hat, liegt daran, dass sie in Altötting schon seit der Kommunalwahl 2020 drei von 24 Stadträten stellt. „Altötting muss geiler werden“ lautete damals der Slogan, der im Wallfahrtsort auch schon als Provokation aufgefasst worden war.
Was ihre Schwarze Madonna betrifft, so verweisen die listigen Provokateure nun darauf, dass sie die Madonna in dem Fall als Teil des Stadtwappens betrachteten. Ansonsten solle man lieber über Wirtschaft, Mieten, Umwelt und das Kreiskrankenhaus reden. Darauf, dass sie mit ihrem Plakat für einen „Eklat“ gesorgt hätten, haben sie nun aber sicherheitshalber noch mal per Pressemitteilung hingewiesen. Die wahlberechtigten Altöttinger haben es auch so gemerkt.
