Vermeintlich humorige WahlwerbungDie Junge Union hat Ärger mit der CSU

Lesezeit: 2 Min.

Mit ihrem Plakat „Greisräte in Aktion“ sorgt die Junge Union gerade für Ungemach  – nicht zuletzt in der CSU.
Mit ihrem Plakat „Greisräte in Aktion“ sorgt die Junge Union gerade für Ungemach  – nicht zuletzt in der CSU. Wolfgang Seifert

Die Junge Union will lustig sein und bekommt richtig Stress mit der CSU. Der Grund: ein Wahlplakat mit fünf vermeintlichen „Greisräten“ am Rollator.

Von Olaf Przybilla

Im unterfränkischen Kreis Rhön-Grabfeld tritt die Junge Union bei der Kommunalwahl diesmal mit einer eigenen Liste an, die „Generation TikTok“, so heißt es, will sie damit gewinnen. Ob ihr das mit einem Wahlplakat gelungen ist, auf dem unter dem Motto „Greisräte in Aktion“ fünf Rollator-Nutzerinnen und Nutzer ein Lächeln aufsetzen, flankiert von der Forderung „Der Kreistag muss jünger werden“, mag dahingestellt bleiben. Eines aber ist bereits ausgemachte Sache: Die jungen Wilden von der Grabfeld-JU haben jetzt mal so richtig Ärger. Und zwar nicht zuletzt mit ihrer Mutterpartei, der CSU.

Wolfgang Seifert, CSU-Bürgermeister von Wülfershausen, hat sein Befremden sogar verschriftlicht. Ältere Menschen, postet er, würden von diesem Plakat „pauschal lächerlich gemacht und herabgewürdigt“. Dabei sei es „genau diese Generation, die Deutschland nach Krieg und Not aufgebaut hat, die mit harter Arbeit den Wohlstand erarbeitet und ihren Kindern und Enkeln Bildung, Berufsausbildung und Studium ermöglicht“ habe.

Statt aber „Respekt zu zeigen“, werde diese „vorgeführt – von einer Generation, die allzu oft Leistung, Verantwortung und Arbeit gering schätzt, aber selbstverständlich von den Errungenschaften früherer Jahrzehnte“ profitiere. Solche Plakate spalteten, statt zu verbinden, ist Seifert überzeugt. Von Geschichtsvergessenheit zeuge das: „Dafür sollte man sich schämen.“

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Der Bürgermeister erfährt gerade allerhand Zuspruch, im Gespräch legt der CSU-Mann sogar noch nach: Jahrelang habe da mancher in der Jugendorganisation seiner Partei „nichts auf die Reihe gebracht“.  Tue sich nun aber damit hervor, die „Generationen auseinanderzutreiben“.

Wobei sich auch Kevin Schleicher, Chef der Kreis-JU, nicht über mangelnden Zuspruch beklagen kann. „Hurra, endlich bringt es jemand auf den Punkt. Gerade hier bei uns in der CSU, aber auch in anderen Parteien werden Listen aufgestellt, die auf Gerontokratie ausgerichtet sind“, widerspricht einer dem kritischen Post des CSU-Bürgermeisters.

Ein anderer glaubt, einen „notwendigen Weckruf“ zu erkennen: Die „kommunalen Parlamente“ litten angeblich unter „massiver Überalterung“. Wie exakt diese vermeintliche Überalterung im Kreistag von Rhön-Grabfeld ausfällt? Im Gespräch möchte sich JU-Mann Schleicher da nicht festlegen. Jedenfalls sei der Altersdurchschnitt aus seiner Sicht „sehr hoch“. Und die Debatte zeige ja, dass man offenbar einen „wunden Punkt“ getroffen habe.

Wobei Provokation nicht gleichbedeutend sei mit Respektlosigkeit. Und ja: Die JU würde es wieder tun. Aufmerksamkeit könne schließlich nie schaden, gerade jetzt im Wahlkampf.

Ob Fürths FDP das auch so sieht? Die Freien Demokraten sind gerade in den Fokus der Fürther Nachrichten geraten. Zwar will in mittelfränkischen Großstadt niemand bestreiten, dass man „Sportförderung & Handwerk“ grundsätzlich gut brauchen kann. Auch erfreut sich der auf einem Plakat abgebildete FDP-Stadtrat, der genau das einfordert, eines respektablen Rufes in der Stadt.

Allerdings ist der FDP-Mann bereits vor knapp zehn Jahren gestorben, 85-jährig. Hat man da wohl was vergessen? In der FDP glauben sie eher an: widrige Witterung. Die habe das eigentliche Plakatmotiv offenbar „runtergewaschen“.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Reden wir über Bayern mit Marcus Mittermeier
:„Ich kann nichts anfangen mit Populismus, Wurstpolitik und dem Geschrei im Bierzelt“

Schauspieler Marcus Mittermeier ist bekannt aus „München Mord“, privat ist er Wahl-Oberpfälzer. Ein Gespräch über die bayerische Seele, Franz Josef Strauß und die Frage, warum er gegen Gloria von Thurn und Taxis demonstriert hat.

SZ PlusVon Katja Auer und Andreas Glas

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: