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Oberbayern:Schwarz-grüne Stichwahlen

Berggipfel ragen aus dem Nebel

Vor allem die vielen Touristen in den Bergen stören manchen Oberbayern.

(Foto: dpa)

Bei den Landratswahlen im südlichen Oberbayern gibt es einen klaren Trend: In der Stichwahl treffen häufig schwarze und grüne Kandidaten aufeinander.

In der Krise wären klare Entscheidungen gefragt. Landräte, die am Sonntag in die Stichwahl um ihr Amt müssen, könnten sich zuvor noch als stringente Krisenmanager präsentieren. In Miesbach jedoch tut zwar der Behördenapparat, was wegen Corona eben zu tun ist. Doch vom Büro des Landrats wurde die Präsentation der Wahlergebnisse mit den Kandidaten am Sonntagabend erst angekündigt, dann abgesagt, eine Stunde später in eingeschränkter Form wieder anberaumt und wieder drei Stunden später endgültig abgesetzt - je nachdem, wer zuletzt angerufen oder die jeweils jüngste Entscheidung online kommentiert hat.

Von der Beschaulichkeit, die Landrat Wolfgang Rzehak gerne pflegt und auf Facebook zur Schau stellt, ist momentan wenig zu erkennen, stattdessen liegen die Nerven blank. Rzehak muss befürchten, nicht nur als erster grüner Landrat in Bayern in die Geschichte einzugehen, sondern auch als erster grüner Landrat, der gleich wieder abgewählt wurde. Sein Gegenkandidat Olaf von Löwis, bisher Bürgermeister in Holzkirchen, könnte derjenige sein, der den einst so schwarzen Landkreis für die CSU zurückerobert.

Für die zuletzt vielleicht mancherorts von der Höhe ihrer Zugewinne enttäuschten, aber insgesamt erfolgsverwöhnten Grünen wäre das ein herber Verlust - zumal die Partei bei den anstehenden Stichwahlen speziell im südlichen Oberbayern oft die Gegenkandidaten zu den CSU-Bewerbern stellt. So tritt im Berchtesgadener Land, das so erst seit der Gebietsreform von 1972 existiert und stets von einem schwarzen Landrat regiert wurde, Amtsinhaber Georg Grabner nicht mehr für eine vierte Periode an. CSU-intern hat sich als Kandidat Bernhard Kern durchgesetzt, bisher Bürgermeister der kleinen Gemeinde Saaldorf-Surheim im flacheren Norden des Landkreises. Kern kam im ersten Durchgang auf 41,9 Prozent, sein grüner Stichwahl-Gegner Bartl Wimmer, ein erfolgreicher Laborunternehmer und langjähriger Kreisrat aus Berchtesgaden, hat es immerhin auf 25,8 Prozent gebracht.

Im bevölkerungsreichen Landkreis Rosenheim hat es schon seit der Nachkriegszeit nur CSU-Landräte gegeben, und der jetzige Landtagsabgeordnete Otto Lederer hat nach 42,1 Prozent im ersten Wahlgang gute Chancen, die Serie fortzusetzen. Doch selbst hier hat es die CSU nun mit einer grünen Gegnerin zu tun, wobei Ursula Zeitlmann im ersten Wahlgang nur auf 16 Prozent kam. Ähnlich waren die Kräfte im Landkreis Weilheim-Schongau verteilt, wo CSU-Amtsinhaberin Andrea Jochner-Weiß 48 Prozent und ihr grüner Herausforderer Karl-Heinz Grehl 18,1 Prozent einfuhren. Auch in den Kreisen Starnberg und München duellieren sich Christsoziale und Grüne, während es Kandidaten der Freien Wähler mit den Kreisen Erding, Freising, Pfaffenhofen und Eichstätt vor allem im nördlichen Oberbayern in die Stichwahl geschafft haben. Eine Ausnahme bildet Bad Tölz-Wolfratshausen, wo der Freie Wähler Josef Niedermaier regiert und in der Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Anton Demmel antreten muss. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat FW-Landrat Anton Speer sein Amt schon im ersten Wahlgang mit 78,7 Prozent klar verteidigt. Doch selbst da in Oberbayern, wo nach dem ersten Wahlgang wieder die CSU den Landrat stellt wie in Traunstein, Altötting, Landsberg, Ebersberg, Fürstenfeldbruck oder Dachau, kamen Grüne auf Platz zwei.

Dass die grünen Bewerber ausgerechnet im Süden Oberbayerns so erfolgreich sind, kann kaum nur an bundesweiten Trends liegen. Die Kandidaten selbst machen vor allem den vielen Verkehr, den Flächenverbrauch und die Landschaftszerstörung durch ungebremstes Wachstum sowie am Alpenrand den überbordenden Tourismus zum Thema. Das tut auch Landrat Rzehak in Miesbach, der es jedoch mit dem Wahlkampf ebenfalls ruhig angehen ließ. Dass er vor der Stichwahl weit hinter seinem Gegner liegt, kennt Rzehak aber schon, das war auch 2014 so. Doch da lag er nicht hinter einem CSUler, denn Amtsinhaber Jakob Kreidl hatte in der Amigoaffäre um die Miesbacher Kreissparkasse endgültig abgewirtschaftet.

© SZ vom 27.03.2020/vewo
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