Eva Weber kommt als letzte in den Moritzsaal in Augsburg, in der sich Politiker und Unterstützer der Augsburger Parteien an diesem Wahlabend versammeln. Die Oberbürgermeisterin von der CSU lässt lange auf sich warten, Beobachter munkeln, dass sie sich noch zurechtlegen muss, wie sie das erklären soll: 34 Prozent der Stimmen hat sie geholt, 14,1 Prozentpunkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Florian Freund von SPD – aber eben auch 9,1 Prozentpunkte an Stimmen verloren im Vergleich zur Kommunalwahl 2020.
Eva Weber kann nicht zufrieden sein mit diesem Wahlergebnis. 213 000 Wahlberechtigte waren aufgerufen abzustimmen, am Ende ist es nicht mehr undenkbar, dass der SPD-Herausforderer die Stichwahl in zwei Wochen vielleicht doch für sich entscheiden kann. „Dass die Oberbürgermeisterin so deutlich verliert, ist auch ein Zeichen“, sagt Freund, der an Bewerber aus anderen Städten erinnert, die bei vergangenen Wahlen solch einen Rückstand aufgeholt haben.

SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Immer wenn es zur Stichwahl kam in Augsburg, traten CSU- gegen SPD-Bewerber an. Der AfD-Mann Andreas Jurca, der so gut wie keinen Wahlkampf geführt hat, landet diesmal mit 12,4 Prozent und Stimmenzuwachs auf Platz vier. Zweite Bürgermeisterin Martina Wild von den Grünen muss sich wie 2020 mit 16,4 Prozent geschlagen geben.
Was machen die Wähler der AfD bei der Stichwahl? Und auch auf die Wähler der Grünen wird es ankommen in zwei Wochen. Die Grünen, betonte Wild am Wahlabend, würden keine Wahlempfehlung aussprechen. Bevor sie dann eigentlich doch eine aussprach, weil sie deutlich klarstellte, dass es für Florian Freund von der SPD auf gar keinen Fall eine Empfehlung geben würde: Den Grünen ist sauer aufgestoßen, dass sich Freund vor der Wahl von der örtlichen Gruppierung WSA eine Empfehlung hat aussprechen lassen – derjenigen Gruppierung, die, wie die Grünen kritisieren, 2014 im Stadtrat eine Ausschussgemeinschaft mit der AfD eingegangen war.
Eva Weber erklärt ihr schwaches Abschneiden damit, dass sie in den schwierigen vergangenen sechs Jahren Entscheidungen habe treffen müssen, die „unbequem“ gewesen seien. Und mit den „fehlenden roten Bändern“. Damit spielt Weber darauf an, dass es nach den Jahren ihres CSU-Vorgängers Kurt Gribl, der zentrale Stellen des Stadtbildes baulich veränderte, kaum mehr prestigeträchtige Neubauprojekte gab. Bis auf Projekte wie die Sanierung des Staatstheaters zum Beispiel, das immer teurer wird – und das somit eher ein Problem für Weber ist.

Kommunalwahlen in Bayern:CSU-Chef Markus Söder zum Wahlausgang: „Bamberg tut weh“
Ex-Ministerin Melanie Huml erlebt in Bamberg ein Debakel. Die „wilden Wähler“ von Tauberrettersheim haben eine Bürgermeisterin. Die AfD-Erfolge zeigen sich erst jetzt. In vielen Gremien legen sie deutlich zu. Hier der Liveticker zum Nachlesen.
Die Oberbürgermeisterin wird es schon schaffen in der Stichwahl, wenn vielleicht auch knapp, so sieht man es in der Augsburger CSU. Für ein Rathausbündnis mit den Grünen – Webers gutes Verhältnis zur OB-Konkurrentin Martina Wild ist stadtbekannt – wird es alleine nicht mehr reichen. Bleibt die Frage, ob sich CSU, Grüne und SPD zu einem Dreierbündnis zusammenraufen können.
Der erste Trend für den Stadtrat zeigt die CSU mit ebenfalls deutlichen Verlusten bei 26,5 Prozent (minus sechs Prozentpunkte), die Grünen bei 15,8 (minus acht Prozentpunkte) und die SPD nahezu unverändert bei 12,7. Die AfD dagegen legt in Augsburg massiv zu: von 6,6 Prozent 2020 auf 18,7 Prozent 2026.

