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Kommunalwahl in Nürnberg:Achtung, Söder!

Wahlparty der Nürnberger CSU

Wahlparty der Nürnberger CSU: Markus Söder legt am 16.03.2014 in Nürnberg nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung zur Kommunalwahl 2014 in Bayern dem CSU-Kandidaten Sebastian Brehm eine Hand auf den Arm.

(Foto: dpa)

Nur 24,1 Prozent hat der CSU-Kandidat Sebastian Brehm in Nürnberg geholt. Das wirft vor allem ein schlechtes Bild auf den Nürnberger CSU-Chef Markus Söder. Doch der gibt sich selbstbewusst - und ätzt drei Tage nach der Wahl gegen Gewinner Ulrich Maly.

Drei Tage danach hat sich Markus Söder wieder im Griff, wenigstens wirkt es so. Am Sonntag fürchteten Parteifreunde noch, dass Nürnbergs CSU-Chef die Contenance verliert, sein Blick, die Körpersprache ließen das Schlimmste vermuten. Was es bedeuten kann, wenn Söder die Fassung verliert, wissen sie alle in der Nürnberger CSU. Es kann dann sehr laut werden, auch sehr persönlich.

Am Mittwoch aber gibt Söder den Aufgeräumten. Er und Sebastian Brehm treten vor die Presse, um zu erklären, was schwer zu erklären ist: das schlimmste Ergebnis eines Nürnberger CSU-Kandidaten in der Nachkriegszeit. Eingefahren nicht von Günther Beckstein, dem sie in der Partei stets nachsagten, er sei zu weich für einen harten Wahlkampf. Sondern von dessen Nachfolger im Amt des Nürnberger CSU-Chefs: Söder.

Söder lächelt breit, er macht seine Witze, gern auch auf Kosten von Journalisten. Ein Vertreter der örtlichen Presse muss sich gefallen lassen, darauf hingewiesen zu werden, dass es jetzt wichtig wird. Und dass der Reporter nun also mitzuschreiben habe. Und, auch da ist Söder schon wieder ganz der Alte, er beantwortet die Fragen, die an Brehm gerichtet werden. Etwa drei vollständige Sätze darf Brehm ohne Unterbrechung sprechen, um sich mit möglichen Fehlern im Nürnberger CSU-Wahlkampf auseinanderzusetzen. Dann übernimmt Söder. Gerne auch mitten im Brehm-Satz.

Alles wie zuvor also, nur nichts anmerken lassen. Aber natürlich ist das Ergebnis ein Einschnitt für Söder, er weiß das. Geld für die Kaiserburg. Ein Strand am Wöhrder See. 395 Millionen Euro für den Frankenschnellweg. Das Heimatministerium. Viele Wohltaten. Und dann 24,1 Prozent in Nürnberg. Und in der zweiten Großstadt, für die Söder als CSU-Bezirkschef zuständig ist, in Fürth: 17,3 Prozent. Das sind keine Ergebnisse für die CSU, eher Erniedrigungen. Im Kabinett hat Söder damit keine guten Argumente.

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Brehm muss trotzdem weitermachen, Söder will es so. Er bleibt CSU-Fraktionschef im Stadtrat, und Söder deutet an, dass Brehm auch 2020 als OB-Kandidat antreten soll. "Manchmal braucht es zwei Anläufe", sagt er. Aber nach 24,1 Prozent? Wer das verstehen will, muss hinhören, wie sehr es Söder aufregt, wenn behauptet wird, er traue sich nicht, gegen Maly anzutreten. Das ist der Vorwurf, den Söder wie kaum etwas anderes scheut. Also braucht er Brehm. Die These, er traue sich nicht, sei lächerlich, schimpft Söder. Vielmehr sei es so, dass Maly sich nicht traue, SPD-Chef in Bayern zu werden.

Womit Söder beim eigentlichen Thema ist: Maly. Der habe offenbar ein Mantra, ätzt er: "Lächeln und Waffel halten." Söder findet das schlimm. Zumal SPD-Chef Florian Pronold für ihn kein "Hoffnungsträger" mehr ist . "Der ist vielleicht ein Träger, aber doch keine Hoffnung mehr." Er werde Maly keine Ratschläge erteilen, natürlich nicht. Aber er, Söder, würde sich an Malys Stelle an die Spitze der Bayern-SPD trauen. "Ich bin gespannt, ob er da kneift", sagt er.

Auf eines wird sich Maly, bisher von einem rot-schwarzen Bündnis in Nürnberg getragen, schon jetzt einstellen können: Die Arbeit im Rathaus dürfte deutlich unbequemer werden.

© SZ vom 20.03.2014