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Kommunalwahl:Einer für alle

In Kulmbach verzichtet die CSU auf einen eigenen Landratskandidaten

Von Olaf Przybilla, Kulmbach

Klaus Peter Söllner ist ein außergewöhnlicher Landrat und das ließe sich schon daran festmachen, dass der 63-Jährige den Tag seiner letzten krankheitsbedingten Abstinenz auf den Tag genau zu benennen weiß. Vor 24 Jahren war das, nach einem Fahrradunfall bei einem Triathlon, und nein, sagt Söllner, Triathlon sei heute nichts mehr für ihn. Zur Begründung verweist er auf seine Statur, die zweifellos einem gestandenen oberfränkischen Kommunalpolitiker uneingeschränkt würdig ist inzwischen. Söllner, Landrat und Original für die Freien Wähler in Kulmbach, war folglich in den bislang 24 Jahren seiner Amtszeit exakt einmal entschuldigt - was als Spezifikum nur dadurch getoppt werden dürfte, dass Söllner in einem Landstrich antritt, in dem die CSU von vornherein auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Ja, so etwas gibt es in Bayern: einen Landkreis, in dem die Christlich-Soziale Union bereits vor der Wahl die Waffen streckt.

Wie Söllner das geschafft hat? "Ach Gott", sagt er, und führt dann zur Begründung Begriffe auf, die alle mit "eine gewisse" beginnen, damit das Ganze nicht zu gewichtig klingt. Eine "gewisse Popularität" habe er wohl schon, "eine gewisse Autorität" ebenfalls, gewisse andere Eigenschaften womöglich auch. Nur eine davon will er nicht relativiert wissen, die gibt er auch ohne "gewisse" preis: "Teamplayer", doch, das sei er zweifellos.

Das Mannschaftsspiel hat ihn weit gebracht. Im Mai 1996, also kurz vor seinem Triathlonunfall, wurde Söllner erstmals zum Landrat gewählt. 2002 wurde er mit 74,5 Prozent der Stimmen bestätigt, sechs Jahre später waren's schon 80,2 Prozent. 2014 erinnerte sein Ergebnis an jenen Staat, der einst nordöstlich von Kulmbach existierte und inzwischen zugrunde gegangen ist - Söllner vereinigte 96,4 Prozent der Stimmen auf sich. Auch da schon hatte die CSU ihren Parteigängern empfohlen: Wählt Söllner!

Nun sind die Freien Wähler und die CSU inzwischen eine Koalition eingegangen im Freistaat, da mag's nicht mehr gar so kurios anmuten, dass die CSU einen FWler empfiehlt. Aber das war ja nicht immer so und trotzdem stand die CSU auch da schon hinter Söllner. Ein eigener Kandidat? Nicht doch, sagt Jörg Kunstmann, CSU-Spitzenmann für den Kreistag, immerhin habe man vieles gemeinsam auf den Weg gebracht: den Klinikumbau etwa oder den Uni-Campus. Außerdem überließen die Freien Wähler in der Stadt Kulmbach dafür der CSU weithin das Feld. Die FDP? Die will auch: Söllner! Und die Grünen? Söllner sei "beliebt und umgänglich", man empfehle Söllner zwar nicht offiziell, sehe aber auch keinen Anlass, sich "über ihn zu beklagen", sagt der grüne Fraktionschef im Kreistag, Claus Gumprecht. Immerhin SPD und Linke treten mit eigenen Kandidaten an. 96 Prozent zu übertreffen, dürfte da schwierig werden für Söllner.

© SZ vom 03.03.2020
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