Ergebnisse der KommunalwahlenHier kann jeder ein Gewinner sein

Lesezeit: 2 Min.

Bei Kommunalwahlen findet jede Partei einen Grund, sich aufs Siegertreppchen zu stellen.
Bei Kommunalwahlen findet jede Partei einen Grund, sich aufs Siegertreppchen zu stellen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Keine Schlappen, keine Verlierer: Bei den Kommunalwahlen findet sich in irgendeiner Ecke immer ein Ergebnis, um in Jubelprosa auszubrechen. Dabei haben alle Parteien eigentlich auch bittere Pleiten zu verdauen.

Glosse von Johann Osel

Phänomenal, bester Dinge, sehr zufrieden, großartig, souverän, Vertrauensbeweis, starkes Signal – zuvorderst Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, bei dem die Superlative geradezu purzelten, aber auch Markus Söder nach dem CSU-Vorstand oder die Vertreter von AfD, Grünen und SPD, sie alle haben nach den Kommunalwahlen Jubelprosa aufgeboten. Man meinte da fast, es habe in Landkreisen, Städten und Gemeinden am Sonntag überhaupt keine Verlierer gegeben, keine Schlappen. Sondern nur tolle Nachrichten für alle. Jubel, Trubel, Heiterkeit also überall in der Nachwahl-Analyse.

Nun, verwunderlich ist das nicht. Bedröppelte Parteichefs will auch die eigene Basis nicht sehen. Und die Kommunalwahlen in ihrer Breite bieten ja – anders als etwa Landtagswahlen – tatsächlich die Chance, sich stets etwas unbestritten Positives fürs eigene Lager herauszupicken und zu loben. Erfolge? Wer suchet, der findet.

Beispiel Freie Wähler: Es stimmt schon, dass sie eine erkleckliche Menge an Landratsposten bereits im ersten Durchgang erreicht haben. Und dass sie in mehr als 20 Stichwahlen stehen, dass ihre Präsenz mit Landrätinnen und Landräten also deutlich steigen könnte. Aber damit tritt halt in den Hintergrund, dass die Aiwanger-Partei in vielen größeren Städten nach wie vor schwach abschneidet, dass FW-Wahlkämpfer an der Haustür dort wohl so gern gesehen sind wie Drückerkolonnen mit überteuerten Fernsehzeitschriften.

Oder die CSU: Man sei „Kommunalpartei Nummer eins“, tönt Söder. Das ist nicht falsch, bei den exekutiven Ämtern und auch beim landesweiten Gesamtergebnis. Aber in Stammregionen wie dem Berchtesgadener Land auf Platz zwei in die Stichwahl zu müssen oder wie in Bamberg mit einer bekannten Landespolitikerin nur auf Rang drei zu landen – das wäre für bedröppeltes Dreinschauen schon ein legitimer Anlass. Wobei Söder am Montag auch anmerkte, bei Kommunalwahlen gebe es immer „eine Träne im Knopfloch“.

Vielerorts zweitstärkste Kraft
:Die AfD setzt sich in Bayern fest

Die AfD gewinnt bei den Kommunalwahlen zwar keine herausragenden Posten, verzeichnet aber die meisten Zugewinne – und zwar flächendeckend. CSU-Chef Söder betont die Abgrenzung, bei FW-Chef Aiwanger klingt das weniger strikt.

SZ PlusVon Thomas Balbierer, Andreas Glas und Johann Osel

Die AfD kann sich ihre Pleite bei Bürgermeistern und Landräten – keine Stichwahlen wie erhofft – mit Zuwächsen in den Gremien schönreden. Bei der SPD kann man sich an Heroen wie dem Fürther Oberbürgermeister wärmen. Auch die Grünen finden durchaus Bürgermeister aus ihren Reihen, die auf Anhieb ins Amt kamen.

Kommunalwahlen sind besondere Wahlen, das Fundament der Demokratie – und auch das Phänomen, dass sich jeder irgendwie als Gewinner fühlen kann, gehört zu den schönen Eigenheiten dieser Wahlen. Ein bisschen ist es so wie in der Schule, zumindest in der Idealvorstellung: Das dicke Kind rennt den anderen vielleicht beim Sport hinterher, aber es rechnet in der Mathestunde allen etwas vor. Und keiner sollte mit gesenktem Kopf herumlaufen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kommunalwahlen in Bayern
:Dieser Mann stand nicht zur Wahl – und bekommt die absolute Mehrheit

Eigentlich wollte Helmut Knaus nicht mehr Bürgermeister von Philippsreut sein. Eigentlich. Doch die Wählerinnen und Wähler  schrieben seinen Namen hundertfach auf die Wahlzettel. Ein Anruf beim Bürgermeister wider Willen.

SZ PlusInterview von Patrick Wehner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: