Landräte im SüdenMehrere Stichwahlen in Oberbayern

Lesezeit: 3 Min.

Wer Chef im Rosenheimer Rathaus wird, muss sich in einer Stichwahl entscheiden.
Wer Chef im Rosenheimer Rathaus wird, muss sich in einer Stichwahl entscheiden. Matthias Köpf

In der Stadt Rosenheim kann sich OB Andreas März (CSU) nicht im ersten Wahlgang durchsetzen, in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Miesbach und Weilheim-Schongau fällt die Entscheidung über die Landratsposten ebenfalls erst in zwei Wochen.

Von Matthias Köpf, Rosenheim

Erst ein einziges Mal hatte es in der Rosenheimer Nachkriegsgeschichte bisher eine Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters gebraucht. Gewonnen hatte sie 2020 der aktuelle Amtsinhaber Andreas März (CSU), der damals zum ersten Mal antrat. Ob sich März in den vergangenen sechs Jahren einen ausreichenden Amtsbonus erwirtschaftet hat, um ohne neuerliche Stichwahl bestätigt zu werden, war in Rosenheim eine der größeren Fragen vor diesem Kommunalwahlsonntag. Nach Schließung der Wahllokale wurde am Sonntag schnell deutlich, dass März das bei Weitem nicht gelungen ist. Der 53-Jährige, der sechs Gegenkandidaten hatte, kam laut dem vorläufigen Ergebnis vom Abend auf 39,1 Prozent der Stimmen und wird in zwei Wochen gegen den SPD-Bewerber Abuzar Erdogan antreten müssen, der es auf 26,6 Prozent brachte.

Im großen Landkreis Rosenheim mit seinen fast 260 000 Einwohnern sitzt März' Parteifreund Otto Lederer zwar vergleichsweise fest im Sattel. Gleichwohl verfehlte auch Lederer mit 45,1 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit und muss in die Stichwahl gegen Sepp Hofer von den Freien Wählern mit 18 Prozent.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Spannung herrschte vor der Wahl im Berchtesgadener Land, wo Amtsinhaber Bernhard Kern von der CSU nach einer Periode nicht mehr antrat. Er bewarb sich stattdessen um das Amt des Bürgermeisters der kleinen Gemeinde Halblech im Ostallgäu – auf eine Stellenanzeige der Gemeinde hin und als einziger Kandidat. Im Berchtesgadener Land hatten die CSU und Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber als Kreisvorsitzende statt Kern den bisherigen Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp ins Rennen geschickt. Der lag am Abend mit seinen 33,4 Prozent schließlich deutlich hinter dem FW-Landtagsabgeordneten Michael Koller, der bisher einer von Kerns Stellvertretern als Landrat war und auf 36,9 Prozent kam. Auch hier wird die Entscheidung in der Stichwahl fallen. Den Ausschlag könnten dann die Wähler des grünen Kandidaten Bartl Wimmer geben, der am Sonntag mit 23,8 Prozent auf Platz drei landete.

Mit dem Berchtesgadener Land steht im äußersten Südosten Bayerns für die einst so erfolgsverwöhnte CSU schon der zweite Landkreis auf dem Spiel. Im benachbarten Landkreis Traunstein war im vergangenen Jahr außer der Reihe der Freie Wähler Andreas Danzer zum Landrat gewählt worden, nachdem CSU-Amtsinhaber Siegfried Walch als Wahlkreisabgeordneter in den Bundestag eingezogen war.

Der seit 2020 amtierende Rosenheimer OB Andreas März (CSU) bekamm es am Sonntag mit sechs Gegenkandidaten zu tun.
Der seit 2020 amtierende Rosenheimer OB Andreas März (CSU) bekamm es am Sonntag mit sechs Gegenkandidaten zu tun. Simon Wagner/Technische Hochschule Rosenheim

Ein vergleichsweise offenes Rennen hatte sich vor dem Wahlsonntag auch im Landkreis Miesbach angedeutet, wo sich CSU-Landrat Olaf von Löwis nicht um eine zweite Amtszeit bewarb. Die Entscheidung um seine Nachfolge wird zwischen zwei bisherigen Bürgermeistern fallen, nämlich Franz Schnitzenbaumer aus Schliersee für die CSU und Jens Zangenfeind aus dem benachbarten Hausham für die Freien Wähler. Zangenfeind kratze im bisher schwarzen Landkreis Miesbach am früheren Abend sogar an der absoluten Mehrheit und brachte es am Ende auf fast 45,3 Prozent, Schnitzenbauer überzeugte nur 25,6 Prozent der Wähler.

Im Landkreis Weilheim-Schongau, wo es zehn Kandidaten für das Amt des Landrats gab, hat sich für die CSU ein lokalpolitischer Neuling beworben. Allerdings hat Johann Bertl einige politische Erfahrung als Büroleiter von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gesammelt. Im ersten Wahlgang erhielt er 35,8 Prozent der Stimmen. Ob er Nachfolger von Landrätin Andrea Jochner-Weiß wird, wird ebenfalls erst in zwei Wochen feststehen. Bertl dann gegen den bisherigen SPD-Bürgermeister von Schongau, Falk Sluyterman van Langeweyde, durchsetzen müssen, der es mit 13 Prozent in die Stichwahl schaffte.

Kommunalwahlen in Bayern
:CSU-Chef Markus Söder zum Wahlausgang: „Bamberg tut weh“

Ex-Ministerin Melanie Huml erlebt in Bamberg ein Debakel. Die „wilden Wähler“ von Tauberrettersheim haben eine Bürgermeisterin. Die AfD-Erfolge zeigen sich erst jetzt. In vielen Gremien legen sie deutlich zu. Hier der Liveticker zum Nachlesen.

Von SZ-Autorinnen und Autoren

Vergleichsweise eindeutige Ergebnisse gab es in den oberbayerischen Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Altötting, Mühldorf und Garmisch-Partenkirchen ab. In Neuburg-Schrobenhausen stellte sich früh heraus, dass sich der Weidinger-Bürgermeister und CSU-Mann Thomas Mack durchsetzen wird. Der FDP-Landrat Peter von der Grün war dort nicht mehr angetreten. Mack erreichte – bei drei Konkurrenten – im ersten Wahlgang beinahe eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Im Landkreis Altötting gewann der bisherige Töginger Bürgermeister Tobias Windhorst (CSU) mit 54,7 Prozent der Stimmen, in Mühldorf Amtsinhaber Max Heimerl (CSU) mit 61,3 Prozent. In Garmisch-Partenkirchen feierte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) mit 66,2 Prozent den erwarteten Triumph. Deutlich überraschender ist der Wahlausgang in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, wo Daniel Schimmer von den Freien Wählern auf Anhieb 50,7 Prozent der Stimmen erhielt. Er löst damit die bisherige Bürgermeisterin Elisabeth Koch von der CSU ab, der am Sonntag nur 26,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme gaben.

In Pfaffenhofen an der Ilm muss der FW-Landrat Albert Gürtner dagegen in die Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Andreas Aichele. Auch im Landkreis Eichstätt wird es eine Stichwahl geben. Da verfehlte Amtsinhaber Alexander Anetsberger (CSU) im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlen. Auf Rang zwei kam der FW-Kandidat Anton Haunsberger.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kommunalwahl in Bayern
:Im Land der kleinen Könige

Bayerns Landräte leiten die untersten Staatsbehörden und müssen draußen im Land all das umsetzen, was in den Münchner Ministerien angeordnet wird. Notfalls bleibt aber immer ein bisschen Raum für Renitenz.

Von Matthias Köpf

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: