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Kommunalwahl in Bayern:Regensburg bekommt eine Oberbürgermeisterin

Rathaus in Regensburg

Astrid Freudenstein (CSU) und Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) wollen beide ins Regensburger Rathaus einziehen.

(Foto: dpa)
  • In Regensburg kommt es wohl zur Stichwahl zwischen zwei Frauen: Astrid Freudenstein (CSU) und Gertrud Maltz-Schwarzfischer von der SPD trennen nicht einmal fünf Prozentpunkte.
  • Der suspendierte OB Joachim Wolbergs konstatiert nach der ersten Auszählung, er habe sein Ziel "nicht erreicht".
  • Die letzte Regensburger Rathauschefin trat ihr Amt vor 30 Jahren an.
  • Alle Entwicklungen rund um die Kommunalwahl im Freistaat im Liveticker.

Von Andreas Glas, Regensburg

Am Samstag, um 11.50 Uhr, hat Joachim Wolbergs noch einmal eine Videobotschaft auf Facebook abgesetzt. Da saß er also, vor der Kamera, am Revers seines Sakkos steckte wie immer dieser kleine Anstecker: das Regensburger Stadtwappen. "Ich will's noch mal packen, ich will noch mal Oberbürgermeister dieser Stadt werden", sagte Wolbergs und bat die Regensburger, "mir die Chance zu geben, meine Arbeit fortzusetzen". Am Sonntagabend flimmern dann die ersten Wahlergebnisse über die Leinwand im Regensburger Marinaforum. Und Wolbergs weiß: Er hat es nicht gepackt.

Noch steht nicht fest, wer Wolbergs im Rathaus beerben wird. Aber eines ist klar: Regensburg wird künftig von einer Frau regiert. Als alle Stimmbezirke ausgezählt sind, kommt CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein auf 29,48 Prozent der Stimmen. SPD-Kandidatin Gertrud Maltz-Schwarzfischer liegt bei 22,15 Prozent. Damit wird es in zwei Wochen eine Stichwahl zwischen Freudenstein und Maltz-Schwarzfischer geben. Dann wird sich entscheiden, wer die erste Regensburger Oberbürgermeisterin seit 24 Jahren wird. Die bislang letzte Rathauschefin war Christa Meier (SPD), von 1990 bis 1996. Im Vorfeld der Wahl wollte in Regensburg kaum jemand eine Prognose wagen. Alles schien möglich, nachdem die Korruptionsaffäre die politischen Verhältnisse in der Stadt komplett durcheinandergewirbelt hatte. Neben Freudenstein und Maltz-Schwarzfischer galt Stefan Christoph (Grüne) als Kandidat mit Außenseiterchancen. Am Ende liegt Christoph jedoch deutlich hinter Maltz-Schwarzfischer und Freudenstein, bei 14,41 Prozent. Und dann gibt es ja noch den Mann, der es unbedingt noch einmal packen wollte: Joachim Wolbergs, der bisherige OB. Sein Wahlergebnis: 17,71 Prozent. Ein bemerkenswert gutes Ergebnis für einen, dessen Image zuletzt schwer gelitten hat. Und trotzdem: Wolbergs ist enttäuscht, als er am Wahlabend im Marinaforum vor die Reporter tritt. Er sagt: "Das Kapitel Oberbürgermeister ist für mich erledigt." Warum es am Ende nicht für die Stichwahl gereicht hat? So sei das eben, wenn man in den Medien "als Verbrecher dargestellt" werde. Zwei Jahre und neun Monate war Wolbergs im Amt - bis er im Januar 2017 wegen Korruptionsverdachts suspendiert wurde. In einem ersten Prozess wurde er schuldig gesprochen, in zwei Fällen der Vorteilsannahme. Doch die Richterin sah keine kriminelle Absicht, ließ alle übrigen Anklagepunkte gegen ihn fallen. Wolbergs blieb straffrei und plante fortan sein politisches Comeback.

Statt für die SPD trat er diesmal für den Wahlverein "Brücke" an - und das, obwohl der zweite Korruptionsprozess gegen Wolbergs noch läuft. Weil vor der OB-Wahl kein Urteil mehr zustande kam, sah er sich gegenüber seinen Konkurrenten im Nachteil. Im Wahlkampf müsse er "den Leuten jetzt erklären: Wählt mich bitte trotzdem!", klagte Wolbergs in einer seiner zahlreichen Videobotschaften. Potenzielle Wolbergs-Wähler könnten ihr Kreuz auch deshalb woanders gesetzt haben, weil unklar war, ob der 49-Jährige das Amt selbst im Falle eines Freispruchs hätte antreten dürfen. Disziplinarrechtlich könnte allein der Schuldspruch im ersten Prozess so schwer wiegen, dass Wolbergs seinen Beamtenstatus verliert.

Maltz-Schwarzfischers ruhige Art kommt gut an - aber reicht das?

Pressegespraech der CSU Frauenunion im Muenchner Hofbraeukeller Biergarten mit Angelika Niebler Lan

Liegt nach den ersten Auszählungen vorne: Astrid Freudenstein von der CSU.

(Foto: imago/HRSchulz)

Wer nun als Favoritin in die Stichwahl geht? SPD-Kandidatin Maltz-Schwarzfischer, 60, könnte ihr Amtsbonus einen Vorteil verschaffen - auch wenn sie das Amt der Oberbürgermeisterin gar nicht innehat. Sie ist nur kommissarische Chefin im Rathaus, seit gut drei Jahren vertritt sie den suspendierten OB Wolbergs. Die Ruhe, die Gertrud Maltz-Schwarzfischer als Krisenmanagerin ausstrahlt, scheint bei den Menschen gut anzukommen. Gut genug, um sich am Ende durchzusetzen? Maltz-Schwarzfischer wähnt sich in der Stichwahl gegen Freudenstein im Vorteil. Sie glaube, dass sich die Wähler der unterlegenen Kandidaten "eher auf unsere Seite schlagen als auf die andere", sagte sie am Sonntagabend. Auch die CSU-Kandidatin Freudenstein gibt sich zuversichtlich. Sie freue sich "unwahrscheinlich" über das Ergebnis. Sie lächelt, spricht von einem "Etappensieg". In Wahrheit dürfte sie aber auf ein besseres Ergebnis gehofft haben. Es sieht so aus, als hätten die Verwicklungen ihrer Parteikollegen in die Regensburger Affäre doch stärker auf Freudenstein abgefärbt, als sie gehofft hatte. Es gibt ja auch Anklagen gegen Stadtrat Christian Schlegl und den Landtagsabgeordneten Franz Rieger, beide CSU. Auch gegen Alt-OB Hans Schaidinger (CSU) laufen noch Ermittlungen. Nicht in allen Fällen geht es um Korruption - aber bei allen geht es um fragwürdige Parteispenden aus der Regensburger Baubranche, wie bei Wolbergs. Freudenstein sitzt seit zwölf Jahren im Stadtrat, hatte zuletzt aber eine gewisse Distanz zur Regensburger Politik. Von 2013 bis 2017 war sie im Bundestag, dann verpasste sie den Wiedereinzug, übernahm einen Führungsposten im Bundesverkehrsministerium. Im Sommer 2019 kehrte sie als Nachrückerin zurück in den Bundestag.

Vor drei Jahren, bei der Bundespräsidentenwahl, soll Freudenstein von Angela Merkel bereits mit "Frau Oberbürgermeisterin" begrüßt worden sein. Damals saß Wolbergs, der wahre OB, gerade in Untersuchungshaft. Die Kanzlerin, hieß es, habe Freudenstein da schon mal spaßeshalber zum Wahlsieg gratuliert. Ob Merkel mit ihrer Prognose recht behält, wird sich am 29. März zeigen.

Regensburgs Oberbürgermeisterin, vertretungshalber: Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD).

(Foto: Stadt Regensburg)
© SZ vom 16.03.2020/lfr
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