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Kommunalwahl 2020:Bayerischer Rundfunk zieht Studioleiter in Regensburg ab

Der Regensburger Studioleiter des Bayerischen Rundfunks, Gerhard Schiechel.

Der Regensburger BR-Studioleiter: Gerhard Schiechel.

(Foto: Markus Konvalin)
  • Die Ehefrau des BR-Studioleiters Gerhard Schiechel in Regensburg tritt als Oberbürgermeisterkandidatin der CSU an.
  • Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, übernimmt nun Schiechel andere Aufgaben beim Bayerischen Rundfunk.
  • Weiterhin weniger klar ist allerdings die politische Verflechtung bei anderen Medien, die über den Kommunalwahlkampf in Regensburg berichten.

Im Juli 2018 hat Gerhard Schiechel seine Frau zur Opernpremiere begleitet. Zu den Festspielen auf Schloss Thurn und Taxis. "Tosca" von Giacomo Puccini. Man kann das nachlesen auf der Internetseite des Regensburger Wochenblatts. Der Klatschbeitrag von der Opernpremiere ist einer von ganz wenigen Medienberichten, in denen Schiechel und Astrid Freudenstein gemeinsam auftauchen. Ihre Ehe haben die beiden nie zur Schau gestellt, eher privat gehalten.

Doch spätestens seit Juli 2019 ist ihre Beziehung keine Privatsache mehr. Was erstens daran liegt, dass Freudenstein im Juli zur Oberbürgermeisterkandidatin der Regensburger CSU gekürt wurde. Und zweitens daran, dass Schiechel, ihr Ehemann, der Chef im Regensburger Studio des Bayerischen Rundfunks (BR) ist. Ein Problem? Ja, hat der BR nun auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung mitgeteilt. "Um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden", werde Schiechel die Studioleitung zum Ende der Sommerferien abgeben.

Ein Studioleiter, der hauptverantwortlich ist für die BR-Berichterstattung über den OB-Wahlkampf seiner Ehefrau und ihrer Konkurrenz? Das hätte mehr als ein Geschmäckle gehabt. Und wäre Wasser gewesen auf die Mühlen derer, die öffentlich-rechtliche Sender als "Staatsfunk" bezeichnen. Die BR-Mitteilung zur Personalie Schiechel klingt dann auch wie eine Botschaft an die Skeptiker. In der Mitteilung heißt es: "Der Bayerische Rundfunk berichtet unabhängig. Dies garantiert seine Glaubwürdigkeit."

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Schon im April, heißt es, hätten Gerhard Schiechel, BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs und BR-Chefredakteur Christian Nitsche festgelegt, dass Schiechel "bis auf Weiteres die Zuständigkeit für sämtliche redaktionellen Vorgänge" abgebe, "die mit der Regensburger Kommunalpolitik in Verbindung stehen". Unmittelbar nach Freudensteins Nominierung sei dann festgelegt worden, dass Schiechel "ab Ende der Sommerferien und bis zum Endergebnis der Bayerischen Kommunalwahlen die Studioleitung abgibt und in dieser Zeit andere Aufgaben im BR übernimmt". Das klingt alles nach logischer, konsequenter und einvernehmlicher Entscheidung.

Dabei hatte bis vor kurzem eher wenig auf einen Rückzug Schiechels hingedeutet. Noch am Montag war er sämtlichen Fragen zu seiner beruflichen Zukunft ausgewichen. Erst eine weitere SZ-Anfrage in der Münchner BR-Zentrale wurde am Mittwoch beantwortet - darin teilte der Sender dann Schiechels vorläufiges Ende als Redaktionsleiter in Regensburg mit. Offensichtlich haben sich BR-Spitze und Studioleiter erst im Laufe der Woche auf diese rasche Lösung verständigt.

Seit 20 Jahren leitet Schiechel das Studio Ostbayern, das für die BR-Berichterstattung aus Niederbayern und der Oberpfalz zuständig ist. Bis zur OB-Wahl im Frühjahr 2020 wechselt nun Frank Müller aus dem BR-Studio in Würzburg nach Regensburg und übernimmt die kommissarische Leitung der Ostbayern-Redaktion. Ob Schiechel danach wieder auf den Chefsessel zurückkehrt, hängt offenbar davon ab, ob seine Frau sich im OB-Wahlkampf gegen die Konkurrenz durchsetzt. "Nach der Oberbürgermeisterwahl im März wird der BR erneut über die Leitung des Regionalstudios Regensburg entscheiden", heißt es in der Mitteilung.

Im Gegensatz zum Bayerischen Rundfunk scheint die Passauer Neue Presse (PNP) keinen Interessenkonflikt bei ihrer Berichterstattung aus Regensburg zu sehen. Seit einigen Wochen berichtet die Journalistin Ursula Hildebrand für die PNP auch über die dortige Kommunalpolitik - ebenso für das Regensburger Wochenblatt und den Donaukurier, die zur Passauer Verlagsgruppe gehören. Hildebrand ist SPD-Mitglied und Vizechefin der Sozialdemokraten im Landkreis Regensburg. Darüber hinaus ist sie eine Fürsprecherin des im Zuge der Korruptionsaffäre suspendierten Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs, der in diesem Frühjahr aus der SPD ausgetreten ist und bei der OB-Wahl 2020 als Kandidat für die Wählervereinigung "Brücke" antreten wird.

Für die SPD kandidiert Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Regensburgs Zweite Bürgermeisterin, die Wolbergs seit gut zweieinhalb Jahren im Rathaus vertritt. Für Nachfragen war PNP-Chefredakteur Ernst Fuchs am Donnerstag nicht zu erreichen. Er befindet sich derzeit im Urlaub.

In den Vorstand von Wolbergs' "Brücke" wurden im April auch zwei Journalisten des Regensburger Lokalfernsehens TVA gewählt: Petra Stikel und Matthias Walk. Hier allerdings sind die Fronten redaktionell sauber getrennt. Stikel berichtet über Gesellschaftsthemen, Walk ist Wirtschaftsredakteur. Die Kommunalpolitik gehört nicht zum Aufgabenfeld der beiden TVA-Mitarbeiter.

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