Kommunalpolitik:"Den Leuten war's egal, ob Schulz oder Merkel. Aber die Hundekacke!"

Kommunalpolitik: Nein, da nicht. Und auch der Beutel sollte nicht im Busch landen.

Nein, da nicht. Und auch der Beutel sollte nicht im Busch landen.

(Foto: IMAGO)

Die Haufen werden im fränkischen Oberasbach zwar in Beutel gepackt, aber dann in Büsche oder Vorgärten geschmissen. Jetzt will die CSU das Problem mit einer innovativen Methode bekämpfen.

Von Claudia Henzler, Oberasbach

Das Thema ist ein Aufreger, vermutlich das meistdiskutierte Problem auf Bürgerversammlungen im ganzen Land: Wie kann man Hundebesitzer dazu zwingen, die Verdauungsreste ihrer Lieblinge aufzusammeln und im nächsten Mülleimer zu versenken? In der fränkischen Stadt Oberasbach, mit knapp 18 000 Einwohnern im Landkreis Fürth gelegen, ist der Ärger aber offenbar besonders groß. Diesen Eindruck hat jedenfalls die örtliche CSU aus dem Haustürwahlkampf vor der Bundestagswahl mitgebracht.

"Den Leuten war's egal, ob Schulz oder Merkel. Aber die Hundekacke!", erzählt Jürgen Schwarz-Boeck, Fraktionssprecher der CSU und selbst Hundebesitzer. Was den Bürgern seiner Erfahrung nach besonders stinkt: Oft werden die Haufen zwar in Plastik gepackt, dann aber mitsamt der Tüte in Büsche oder Vorgärten geschmissen. An fehlenden Beutelspendern mit Müllbehältern könne es nicht liegen. "Wir haben mehr als Nürnberg und Fürth zusammen."

Die CSU hat deshalb vorgeschlagen, DNA-Proben von allen Hunden in Oberasbach zu nehmen, um die Hinterlassenschaften mit kriminaltechnischen Methoden ihren Urhebern zuordnen zu können. Es gibt weltweit Firmen, die dazu einen Komplettservice anbieten. Sie verschicken die Teststäbchen, bauen aus den analysierten Speichelproben eine DNA-Datenbank auf und untersuchen später die eingeschickten Exkrement-Proben.

Wenn es eine Übereinstimmung gibt und der Täter ermittelt ist, wäre die Kommune am Zug. Sie könnte die Ordnungswidrigkeit ahnden und Hundebesitzer ähnlich wie Falschparker belangen und zumindest einen Teil der Kosten von 70 bis 80 Euro pro Test wieder hereinholen.

Dass der CSU-Antrag bei den Stadtratskollegen zunächst nicht nur ernsthafte Reaktionen hervorrief, hat die Initiatoren nicht überrascht. Letztlich sei die Diskussion dann aber doch sehr ernsthaft verlaufen, sagt Schwarz-Boeck. "Denn der Leidensdruck ist da." Trotzdem fand sich in der Novembersitzung keine Mehrheit für den Antrag, nicht nur, weil Hundehalter aus der Umgebung, die in Oberasbach Gassi gehen, nicht erfasst und belangt werden könnten.

Die Stadtverwaltung sah noch nicht einmal eine Rechtsgrundlage, um die DNA-Daten von den eigenen Bürgern zu verlangen. Nach den Vorstellungen der CSU sollten Herrchen durch einen Nachlass auf die Hundesteuer zum Mitmachen motiviert werden. Wer sich der DNA-Abgabe verweigert, würde entsprechend mehr zahlen müssen. Nicht geklärt war auch, ob es reicht, wenn genervte Bürger Teststreifen in Hundehaufen halten und danach einschicken, oder ob das städtische Mitarbeiter tun müssten.

Oberasbach ist nicht die erste Stadt, in der über die DNA-Analysen nachgedacht wurde. Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, wo das Thema schon mehrmals aufgeschlagen ist, verfolgt man lokale Initiativen mit Interesse, glaubt aber nicht an eine flächendeckende, bundesweite Einführung. Bisher hat sich nach Recherchen des Oberasbacher Rathauses keine deutsche Kommune zu den DNA-Tests entschlossen. Gefragt ist der Service vor allem in den USA. Dort verlangen schon einige Verwalter großer Wohnanlagen Speichelproben von den Lieblingen ihrer Mieter.

© SZ vom 29.11.2017/amm
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