bedeckt München 29°

Kommentar:Dreist und ungeniert

Das Vorgehen von Landrat Klotz gehört dringend unterbunden, die Naturschützer klagen zu Recht gegen das Wasserkraftwerk in der Eisenbreche. Aber auch die Politik ist gefragt: Es gehören endlich gescheite Regeln her

Gut möglich, dass der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) zu der Sorte Polit-Rambos zählt, die sagt: "Als Landrat habe ich nur zwei Instanzen über mir - meine Wähler und Gott, und sonst keinen." Für solche Landräte sind Gesetze einzig dazu da, dass man sie so weit dehnt wie nur irgendwie möglich. Hauptsache die Klientel ist zufrieden. Und wenn Behörden bis hinauf zu den Ministerien, aber auch Verbände das Treiben nicht widerspruchslos hinnehmen, werden sie als Störenfriede abgestempelt. Auch wenn das Klotz und Co. nie offen sagen würden. Deshalb ist es richtig, dass der Bund Naturschutz gegen die Klotz'sche Baugenehmigung für das Wasserkraftwerk "Älpele" klagt. Und es ist wichtig, dass er das dreiste, ungenierte Treiben des Landrats öffentlich gemacht hat - bis hin zu einzelnen Aktenvermerken. Womöglich schreckt das ja den einen oder anderen Landrat ab, sich Klotz als Vorbild zu nehmen.

Der Fall Älpele hat aber noch eine andere, nicht minder wichtige Dimension. In Bayern gibt es 4250 Wasserkraftwerke. Aus energiepolitischer Sicht sind aber nur die 110 großen Anlagen mit einer Leistung ab fünf Megawatt aufwärts bedeutsam. Sie erzeugen mehr als 80 Prozent des Wasserstroms. Die anderen 4140 Kraftwerke - zu ihnen würde auch die Anlage Älpele mit ihren 4,3 Megawatt Leistung zählen - teilen sich den Rest. Im Zuge der Energiewende soll nun die Produktion von Wasserstrom um zehn Prozent gesteigert werden. Alle Fachleute sagen, dass dies durch eine Modernisierung nur der großen Wasserkraftwerke zu erreichen ist - und zwar locker. Neue Kleinanlagen wie Älpele sind überflüssig. Vor allem, wenn sie einen Naturschatz wie die Eisenbreche kaputt machen. Deshalb ist bei dem Thema nicht nur Umweltministerin Ulrike Scharf gefragt. Sondern auch Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner. Sie muss endlich klipp und klar erklären, was beim Ausbau der Wasserkraft möglich ist und was nicht. Damit Klagen gegen Kleinkraftwerke wie das Älpele nicht mehr nötig sind.