Mitten in Regensburg Wie der Loop den Stadtmenschen dienen kann

Regensburg diskutiert über öffentliche Sitzmöbel - mal wieder. Mit nacktem Beton unter dem Hintern steigt bei manchen das Anlehnungsbedürfnis. Darin steckt eine Chance.

Kolumne von Andreas Glas

Es gab mal eine Zeit, da waren sich die Stadtmenschen relativ einig darüber, wie eine Parkbank auszuschauen hat. Zwei Bretter zum Anlehnen, drei Bretter zum Sitzen, zack, fertig. Gute alte Zeit? Na ja, nicht unbedingt. Schließlich gab es früher auch eine recht breite Übereinkunft, dass bepflanzte Betonkübel eine Stadt grüner machen. Es ist also durchaus ein Fortschritt, dass die Stadtmenschen heutzutage kontrovers über das passende Mobiliar für ihre Innenstädte debattieren.

Besonders gut lässt sich dieser zivilisatorische Fortschritt zurzeit in Regensburg beobachten. Mal wieder, muss man sagen, denn die Regensburger debattieren sehr oft und sehr leidenschaftlich über ihr Stadtmobiliar. Sie tun das besonders gern in den Kommentarspalten bei Facebook. Aktuell zerpflücken sie mit großer Lust zwei neue Sitzmöbel namens "Loop" auf dem Viereimerplatz. Beim Loop handelt es sich um eine Bank aus Sichtbeton, die sich wie eine Schlange um einen jungen Baum windet. Der Loop ist der Siegerentwurf des Wettbewerbs "Objektkunst, Sitzmöbel", den die Stadt veranstaltet hat. Der warmen Jury-Laudatio ("hohe skulpturale Qualität") steht nun also die kühle Ablehnung ("Oh Gott") einiger Facebook-Kritiker gegenüber.

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Wer dahinter nur Grantlertum vermutet, tut den Kritikern aber unrecht. Manche sorgen sich schlicht um ihre Gesundheit und die ihrer Mitstadtmenschen. Über Beton unterm Hintern "freuen sich die Urologen, Blasenentzündung und Hämorriden vorprogrammiert", unkt eine Kommentatorin. Eine andere ist besorgt, weil der Loop keine Rückenlehne hat: "Wie sollen sich die älteren Herrschaften mit Rücken- und Gelenkproblemen da bequem hinsetzen?????"

Vielleicht sind die Klagen über kalten Beton und fehlende Rückenlehne aber auch Metaphern für eine tiefe Sehnsucht des Stadtmenschen. Die Sehnsucht nach Wärme und Halt in der urbanen Anonymität. Vielleicht ist der Loop ja sogar eine Aufforderung an die Stadtmenschen, sich wieder näherzukommen. Selbst zwei Fremde können sich auf dem Loop ja wunderbar zusammenkuscheln, Schulter an Schulter, um sich gegenseitig eine Lehne zu sein und zu wärmen. Ein Kissen sollte man trotzdem unterlegen. Wegen der Hämorridengefahr.