Entscheid gegen Holzkraftwerk:Zu wertvoll zum Verbrennen

Holzhackschnitzel, 2013

In Bayern werden inzwischen gigantische Mengen an Holz verfeuert: 2019 sind in den Wäldern 19 Millionen Festmeter Holz geschlagen worden. Davon waren 7,2 Millionen Festmeter oder 38 Prozent Energieholz.

(Foto: Claus Schunk)

Klimaschutz besteht nicht darin, ein altes Gaskraftwerk abzuschalten und ein neues Holzkraftwerk ans Netz zu nehmen. Deshalb ist das Nein der Köschinger absolut richtig.

Kommentar von Christian Sebald

Die Entscheidung der Köschinger gegen das Holzkraftwerk in ihrer Gemeinde ist richtig. Holz ist nicht nur als Rohstoff, sondern auch als CO₂-Speicher viel zu wertvoll, als dass es als Energieholz in so gigantischen Mengen verfeuert werden sollte, wie das der Investor Prolignis in der Anlage in Kösching vorhatte. Natürlich stimmt das Credo der Förster und der Holzindustrie, dass auf Bayern gesehen mehr Bäume nachwachsen als gefällt werden und Holz deshalb rein bilanziell ein CO₂-neutraler und klimafreundlicher Rohstoff ist. Deshalb geht es auch in Ordnung, wenn Hausbesitzer Holzöfen haben oder Kommunen Schwimmbäder mit Hackschnitzeln beheizen. Aber es ist eben auch eine Tatsache, dass bei der Verbrennung von Holz zur Energiegewinnung je erzeugter Kilowattstunde mehr CO₂ freigesetzt wird als bei der Energiegewinnung aus Kohle und anderen fossilen Energieträgern. Wer Klimaschutz betreiben will, indem er ein altes Gaskraftwerk abschaltet und dafür ein neues Holzkraftwerk ans Netz nimmt, ist deshalb auf dem Holzweg.

Den Klimaschutz ernst nehmen, heißt nicht nur auf den Einsatz fossiler Energieträger zu verzichten, sondern außerdem möglichst sparsam mit Holz umzugehen. Und das bedeutet, dass man es tunlichst als CO₂-Speicher im Wald belassen sollte, wenn man es nicht als Rohstoff für langlebige Produkte nutzen kann. Das gilt gerade für das minderwertige Holz, aus dem Energieholz gewonnen wird. Wenn man es über Jahre hinweg als sogenanntes Totholz im Wald verrotten lässt, bleibt das CO₂ darin lange gebunden. Wenn man es verbrennt, wird das CO₂ dagegen auf einen Schlag freigesetzt und es braucht viel Zeit, bis es die Wälder wieder aufgenommen haben. Das ist der Grund, warum Umweltorganisationen wie Greenpeace und viele Wissenschaftler fordern, keine Bäume mehr für Energieholz aus den Wäldern zu holen.

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