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Bürgerentscheid:Kösching lehnt riesiges Holzkraftwerk ab

Holz liegt für die Weiterverarbeitung bereit - etwa als Energielieferant in Form von Hackschnitzeln.

(Foto: Claus Schunk)

Das Kraftwerk sollte mit Hackschnitzeln befeuert werden und CO₂-neutral Wärme und Strom produzieren können - unter anderem für Audi. Doch daraus wird nichts. Im Bürgerentscheid stimmen die Menschen mit großer Mehrheit dagegen.

Von Christian Sebald

Ein fulminanter Sieg für die Bürgerinitiative "Stoppt das Kraftwerk" in Kösching: In dem Bürgerentscheid über das umstrittene Holzkraftwerk, das der Investor Prolignis in der Marktgemeinde nahe Ingolstadt geplant hat, haben sich am Sonntag 3427 Köschinger gegen das Projekt ausgesprochen. Das sind 68,5 Prozent der Abstimmenden. 1557 Köschinger oder 31,5 Prozent plädierten für das Vorhaben. Die Wahlbeteiligung war mit mehr als 67 Prozent unerwartet hoch. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Georg Altmann, zeigte sich sehr erfreut über den klaren Ausgang der Abstimmung. "Das ist ein eindeutiges Ergebnis" sagte er.

"Die Menschen in unserer Gemeinde teilen unsere Überzeugung, dass die Bedenken gegen das Projekt die Vorteile überwiegen." Das Kraftwerk sei viel zu groß dimensioniert, als dass es auf Jahre hinaus nachhaltig und klimaneutral betrieben werden könne. Zugleich kündigte Altmann an, dass sich die Initiative künftig für ein klimaneutrales Kösching einsetzen und zum Beispiel für die Realisierung eines Solarparks in der 10 000-Einwohner-Kommune werben werde.

Das Unternehmen Prolignis wollte in Kösching ein Holzkraftwerk mit einer Leistung von bis zu 60 Megawatt Wärme und 11,4 Megawatt Elektrizität errichten. Die Anlage wäre eine der größten ihrer Art in Bayern gewesen. Rechnerisch sollte sie Wärme für 9500 Haushalte und Strom für 23 000 Haushalte liefern. Allerdings sollte das Kraftwerk, das auf einem vier Hektar großen Areal zwischen der Raffinerie Gunvor und dem Tanklager Lenting errichtet werden sollte, in erster Linie Wärme für das Audi-Werk in Ingolstadt bereitstellen. Der Fahrzeughersteller will das Werk bis 2025 CO₂-neutral machen. Das heißt: Ab diesem Jahr sollen die Autos, die dort vom Band laufen, klimaneutral produziert werden.

Für das neue Holzkraftwerk soll das Gaskraftwerk stillgelegt werden, das bisher das Werk versorgt. Dadurch will Audi pro Jahr 90 000 Tonnen CO₂ einsparen. Über ein Wärmenetz, das allerdings erst hätte errichtet werden müsste, sollten außerdem öffentliche Einrichtungen und private Haushalte in Kösching und dem Nachbarort Lenting von der Anlage profitieren. In dem Kraftwerk sollten einmal 173 000 Tonnen Holz im Jahr verfeuert werden. 80 000 Tonnen sollten Energieholz sein, 60 000 Tonnen aus der Landschaftspflege stammen und die verbleibenden 33 000 Tonnen Altholz sein. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und ein CO₂-Speicher. So lange mehr Holz nachwächst als verbrannt wird, ist Energieholz CO₂-neutral.

© SZ.de/infu
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