Köfering bei RegensburgErmittlungen und Investorensuche nach Baufiasko

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Das Graf-Lerchenfeld-Quartier in Köfering im Winter 2024. Mittlerweile haben viele Familien auf eigene Faust an ihren Häusern weitergebaut.
Das Graf-Lerchenfeld-Quartier in Köfering im Winter 2024. Mittlerweile haben viele Familien auf eigene Faust an ihren Häusern weitergebaut. Patrick Wehner
  • Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt wegen Betrugs- und Insolvenzdelikten gegen mehrere Firmen im Baufiasko von Köfering.
  • Insolvenzverwalter Daniel Barth sucht Investoren für 60 000 Quadratmeter unbebaute Fläche, knapp 30 Interessenten sollen bis Monatsende Angebote vorlegen.
  • Viele betroffene Familien konnten ihre Häuser mittlerweile in Eigenregie fertigstellen, mussten dafür aber hohe sechsstellige Beträge nachfinanzieren.
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Nach den Insolvenzen mehrerer Firmen im Neubaugebiet in Köfering laufen bei der Staatsanwaltschaft Regensburg Ermittlungsverfahren wegen Betrugs- und Insolvenzdelikten. Währenddessen sucht der vorläufige Insolvenzverwalter nach Investoren für die unbebauten Flächen des Projekts.

Von Patrick Wehner

Das Baufiasko im Graf-Lerchenfeld-Quartier in Köfering hat im vergangenen Winter für einige Schlagzeilen gesorgt. Dutzende Familien standen vor ihrem finanziellen Ruin, nachdem eine Baufirma nach der anderen pleiteging und die Bauherren auch aufgrund eines umstrittenen Vertragsmodells auf Rohbauten und Baugruben sitzen blieben. Damals wirkte das wenige Kilometer vor Regensburg gelegene Areal wie eine Geisterstadt. Mittlerweile aber hat sich bei vielen Bauherren die Lage insofern verbessert, dass sie ihre Häuser oder zumindest Teile davon in Eigenregie fertigstellen konnten. Auch wenn sie dafür oft hohe sechsstellige Beträge nachfinanzieren mussten.

Auch die Staatsanwaltschaft Regensburg interessiert sich seit Monaten für die Vorgänge in dem einstigen Vorzeige-Neubaugebiet. Mehrere Ermittlungsverfahren sind dort derzeit anhängig. Sie richten sich zum einen gegen die Firma Liaton, die die Häuser bauen sollte. Gegen die Verantwortlichen wird wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung und möglicher Betrugstaten ermittelt. Zum anderen ermitteln die Staatsanwälte im Zusammenhang mit der Insolvenz der Pima GmbH (die Komplementärin der Liaton), auch hier werde untersucht, ob eine Insolvenzverschleppung vorliegt.

Darüber hinaus gibt es noch zwei weitere Verfahren wegen des Tatvorwurfs des Betrugs, die aufgrund von Anzeigen von Privatpersonen aufgenommen wurden. Ein Vorermittlungsverfahren betrifft die Köfering Projektbau GmbH (vormals Urban Green Wohnbau). Dort wird geprüft, ob es Anhaltspunkte für strafbares Verhalten gibt. In all diesen Fällen gilt die Unschuldsvermutung, bis ein Gericht ein Urteil fällt.

Nach den Insolvenzen zweier Baufirmen hatte im Januar 2025 die Projektentwicklungsfirma selbst, die Graf-Lerchenfeld-Quartier-GmbH (GLQ), Insolvenz angemeldet und befindet sich seitdem in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Zum Insolvenzverwalter wurde der Regensburger Rechtsanwalt Daniel Barth bestellt. Laut Barth sucht man derzeit nach Investoren für die rund 60 000 Quadratmeter noch unbebauter Fläche des Areals. Darauf sollen ebenfalls neue Häuser entstehen. Knapp 30, zum Teil internationale Investoren seien noch in der engeren Auswahl und sollen bis Ende des Monats ein Angebot vorlegen. „Unter den Interessenten sind unter anderem Finanzinvestoren, Projektgesellschaften und Baufirmen. Ich hoffe, dass der Verkauf im ersten Quartal 2026 umgesetzt werden kann“, sagt Barth.

Der mittlerweile gestorbene frühere Eigentümer des Areals, der CSU-Bundestagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, verkaufte das Grundstück 2017 an die zwei Regensburger Immobilienunternehmer Markus Dirnberger und Michael Stark, die Chefs der GLQ. Michael Stark ist mittlerweile ebenfalls gestorben. 550 Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser waren ursprünglich geplant. Dann wurde das Projekt auf 350 Häuser reduziert, um den Ort und seine weniger als 3000 Einwohner nicht zu überfordern. Doch schon nach kurzer Zeit begannen in dem Neubaugebiet die Probleme.

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SZ PlusVon Patrick Wehner

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