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Knabenchor in der Krise:Der Chor zieht in die Stadt

Pielenhofen, wo sich die Grundschule der Domspatzen befindet, war Anfang der achtziger Jahre bekannt für seinen rauen Erziehungsstil. Viel schlimmer indes ging es vor dem Umzug nach Pielenhofen in Etterzhausen zu. Für seine Methoden berüchtigt war der inzwischen verstorbene Direktor, der aus heiterem Himmel Stockschläge verabreichte oder Stühle auf dem Rücken achtjähriger Buben zertrümmerte.

Domkapellmeister Büchner will nichts schönreden, er sagt: "Die Institution muss sich damit auseinandersetzen." In Gesprächen mit Eltern, die ihre Kinder für die Vorschule anmelden wollen, seien Misshandlungen aber nie ein Thema gewesen. Gerade Büchner steht für moderne Pädagogik und Offenheit. Das Internat in Pielenhofen wurde vor einigen Jahren auch auf seinen Wunsch hin aufgelöst, "wir haben dieses geschlossene System aufgebrochen".

1994 hat Roland Büchner die Nachfolge von Domspatzen-Leiter Georg Ratzinger angetreten, dem Bruder des Papstes. Vom ersten Tag an sei es sein Ziel gewesen, die Grundschule aus Pielenhofen 20 Kilometer weiter südöstlich in die Stadt zu holen.

Im übernächsten Schuljahr werden Büchners Pläne in Erfüllung gehen. Direkt neben dem Gymnasium entsteht ein Gebäude mit acht Klassenzimmern - doppelt so viele wie bisher in Pielenhofen - und 13 Musikübungsräumen. Die neue Lage in der Regensburger Innenstadt nährt die Zuversicht, künftig jede Jahrgangsstufe doppelt besetzen zu können, das Ziel sind 200 Schüler. "Wir haben ein viel größeres Einzugsgebiet", sagt Chormanager Christof Hartmann.

Dompropst Gegenfurtner, der Vorsitzende des Stiftungsrates, sieht sogar eine Stärkung der gesamten Regensburger Schullandschaft, dabei geht es den Domspatzen zunächst um die Sicherung ihres Fortbestandes, um Nachschub für das eigene Gymnasium. Man wolle "den Nachwuchs spielerisch heranführen und vorbilden", wie Büchner sagt.

Welch hohen Stellenwert die Domspatzen im Bistum Regensburg einnehmen, lässt sich an den Zahlen ablesen. Etwa 13 Millionen Euro kostet der Bau der neuen Grundschule - die Vorfinanzierung wird alleine die Diözese übernehmen.

© SZ vom 11.06.2012/tob
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