Veranstaltungsprogramm in Kloster BeuerbergAdvent mit Wildwochen und literarischem Jäger-Latein

Lesezeit: 4 Min.

Vier Jahre lang wurde das Kloster Beuerberg generalsaniert.
Vier Jahre lang wurde das Kloster Beuerberg generalsaniert. (Foto: Hartmut Pöstges)

Jahrhundertelang prägten Mönche und Nonnen Kloster Beuerberg. Heute beherbergt die Anlage ein Seminarzentrum, Gastronomie und einen Ausstellungsbereich. In der Vorweihnachtszeit können Gäste Plätzchen backen, ein Wildmenü genießen und sogar übernachten.

Von Benjamin Engel, Eurasburg

In Kloster Beuerberg vereinen sich Historie und Gegenwart auf einzigartige Weise. Vier Jahre lang hat die Erzdiözese München und Freising die große Anlage für ein Seminar- und Tagungszentrum samt Ausstellungs-, Übernachtungs- und Gastronomiebetrieb aufwendig generalsanieren lassen. Das spiegelt sich in der Detailliebe wider, mit der Schreiner etwa nach dem Vorbild originaler Klostermöbel und trotzdem in modernem Design Tische und Stühle gefertigt haben, Handwerker Wandfassungen und Stuckaturen aus dem 18. Jahrhundert freilegten und dafür neuere Einbauten des 20. Jahrhunderts entfernten.

Besonders intensiv lässt sich in diese außergewöhnliche Atmosphäre in der Adventszeit eintauchen. Für die Dezembersonntage vor Weihnachten hat der Leiter des Diözesanmuseums Freising, Christoph Kürzeder, ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie kuratiert. Die Ausstellungsräume sind weihnachtlich geschmückt. Zu den Wildwochen im Kloster wird an Samstagen literarisches Jäger-Latein aufgetischt. Und wer nach einem Viergänge-Menü samt möglicher Weinbegleitung wohlig gesättigt ist, kann direkt im Josefstrakt auch übernachten.

Entsprechend lebhafter als zu früheren Dezemberzeiten geht es in den Räumen der Beuerberger Anlage zu. Gilt doch die Adventszeit im religiösen Kontext als besondere Zeit der Stille. Vor mehr als neun Jahrhunderten hatten die Augustiner Chorherren das Kloster auf dem Plateau hoch über der Loisach gegründet, ehe der bayerische Staat mit der Säkularisation der religiösen Tradition am Ort ein Ende setzte. Später lebten für 130 Jahre die Ordensfrauen der Salesiannerinen in strenger Klausur im Kloster und zogen im Jahr 2014 aus. Bis dahin war die Anlage ein abgeschlossener Kosmos für sich, bis die Erzdiözese München und Freising die Gebäude übernahm.

Für Gäste sind die Ausstellung und die angeschlossene Gastronomie von Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr an geöffnet. Zugesperrt wird um 17 Uhr, an Freitagen und Samstagen endet der Gastbetrieb erst um 22 Uhr. An den Adventssonntagen am 7., 14. und 21. Dezember stehen Genuss und Muße in gleicher Weise im Zentrum. Im Refektorium treten ab 11.30 Uhr verschiedene regionale Musikgruppen auf. Zu hören sind etwa die Münsinger Sängerinnen.

Konzerte regionale Musikgruppen

Die drei Frauen wurden etwa beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck in den Jahren 2002 und 2008 ausgezeichnet. In Beuerberg wird Katharina Bernlochner an der Zither den Dreigesang begleiten. Am Sonntag, 14. Dezember, ist die Drei-Fünftel-Musi mit zwei Geigen, einer Harfe und Gesang zu Gast.

Plätzchenbacken nach alten Rezepten

Um leibliche Genüsse und Fingerfertigkeit geht es dann von 14 Uhr an in der Klosterbackstube. Bäckermeister Michael Matschuk steht für Besucher bereit, die sich am Plätzchenbacken nach alten Rezepten versuchen wollen. In der offenen Adventswerkstatt können Gäste zwischen 14 und 17 Uhr kreativ werden und beispielsweise weihnachtliche Karten oder Christbaumschmuck fertigen sowie Geschenke verpacken.

Ein Wildmenü mit Lesung

Wer Freude an kulinarischer Inspiration hat, könnte bei den Wildwochen im Kloster an den Samstagen, 6. sowie 13. Dezember, im Refektorium genau richtig sein. Die Küche serviert jeweils ab 18 Uhr ein Vier-Gänge-Menü (59 Euro) plus Begleitung mit Weinen aus der Südtiroler Klosterkellereri Muri-Gries (20 Euro). Auf der Karte stehen etwa Reh-Carpaccio oder zweierlei vom Wild (Hirsch und Gams). Genauso gibt es auch eine vegetarische Variante mit Rote-Beete-Carpaccio oder Pilzragout im Blätterteig. In den Pausen wird Autor Georg Unterholzner am Samstag, 6. Dezember, aus dem Werk des Schriftstellers Oskar Maria Graf lesen.

Anschließend können die Gäste in einer der 25 sanierten Klosterzellen übernachten. Die Zimmer sind schlicht gehalten und präsentieren sich dennoch modern-zeitlos in zurückhaltendem Design und warmen Erdfarben. Jeder Raum bleibt auch mit den einstigen Zellenheiligen verbunden. „Gewidmet der Heiligen Magdalena: Versammlung des Gemüts“ steht etwa über einer der Eingangstüren.

Krippen und Weihnachtsdekoration

Zur Adventszeit sind im Kloster natürlich auch weihnachtliche Kostbarkeiten zu bestaunen.
Zur Adventszeit sind im Kloster natürlich auch weihnachtliche Kostbarkeiten zu bestaunen. (Foto: Christoph Kürzeder)

Die Geschichte des Klosters in Beuerberg begann im Jahr 1121 mit den Augustiner Chorherren. Bis der Staat zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts die Klöster auflöste, waren die Einrichtungen Machtzentren, boten aber auch Kultur- und Bildungschancen gerade für bildungsferne Schichten. Später unterhielten die nachfolgenden Salesiannerinen unter anderem ein Internat für Schülerinnen oder ein Müttergenesungsheim. Zu dieser jahrhundertealten Entwicklungsgeschichte und dem Leben im Kloster ist in der Ausstellung mehr zu erfahren. Zur Adventszeit präsentieren sich die Räume weihnachtlich geschmückt. Zu sehen sind mehrere Krippen, teils aus Papier, und Figuren des Jesuskindes. Im Refektorium steht ein Weihnachtsbaum.

Führung durch Tagungs- und Seminarräume

Die elf unterschiedlich gestalteten Tagungs- und Seminarräume mit Platz für bis zu 140 Personen im größten sind dagegen nur bei einer der Führungen zu besichtigen. Öffentliche gibt es jeweils ab 13.30 Uhr an Samstagen und Sonntagen. Gleichzeitig lassen sich private Führungen von Donnerstag bis Sonntag zwischen zehn und 17 Uhr buchen.  Die verschiedenen Seminarräume sind individuell mit Möbeln, Bildern und Figuren aus dem Beuerberger und Freisinger Fundus sowie aus Klosterauflösungen eingerichtet. Zudem repräsentieren die Räume unterschiedliche Aspekte klösterlichen Lebens.

Zu den Preziosen der Klosteranlage zählt der Festsaal im zweiten Obergeschoss. Für Hochzeitsgäste steht der Raum mit der prachtvollen Stuckdecke, die Thassilo Zöpf (1723 bis 1807)und Franz Edmund Doll (1744 bis 1824) aus dem Kreis der Wessobrunner Schule gestaltet haben sollen, als Trauungszimmer der Gemeinde Eurasburg offen. Den Blick auf die Benediktenwand und das Karwendel gibt es an sonnigen Tagen als Zugabe gratis. Passend zum Konzept der Kloster-Erbauer, die Natur ins Gebäude zu integrieren, so Kürzeder. Das spiegeln auch Pflanzenranken an der Decke wider.

Fotoausstellung über monotheistische Weltreligionen

Ebenfalls im Kloster angesiedelt ist das Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Einrichtung zeigt in der früheren Klosterkirche Bilder von Hans-Günther Kaufmann. Der Fotokünstler beschäftigt sich mit dem Dialog zwischen den drei monotheistischen Religionen des Christen- und Judentums sowie des Islam. Der Künstler lässt die Bilder mit feinem Gespür für das Verbindende sprechen, von Menschlichkeit, Verantwortung und der Sehnsucht nach einem achtsamen Miteinander. So heißt es im Ankündigungstext. Kaufmanns Werke sind zu den Öffnungszeiten der Ausstellung im Kloster zu sehen.

So ist das Kloster insbesondere zur Adventszeit ein Platz zum Schlafen und Erholen, zum Tagen, Speisen, Feiern und Nachdenken sowie ein Ort der Begegnung, wie die Tagungs- und Beherbergungs – GmbH & Co. KG, eine Tochtergesellschaft der Erzdiözese, auf ihrer Homepage bewirbt.

Advent im Kloster Beuerberg, Infos unter klosterbeuerberg.de

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Stadt- und Kulturgeschichte
:Das Pantheon der Augsburger Patrizierfamilien

Die Dominikanerkirche in Augsburg ist erstmals seit 13 Jahren wieder zugänglich. Teile der einst reichen Ausstattung stehen heute im Louvre und in London. Nun soll die Kirche als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum das Erbe Augsburgs erlebbar machen.

Von Florian Fuchs

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: