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Klimawandel:Quelle ohne Wasser

Der Aischgrund gab dem Fluss seinen Namen. Doch nach mehreren Trockenjahren ist der Ursprung der Aisch versiegt

Dort, wo Wasser plätschern sollte, ist blanker Boden. Eigentlich ist die Quelle der Aisch bei Burgbernheim als kleines, ummauertes Becken bekannt, daraus ergießt sich ein Bächlein, das später zu einem Fluss wird, der in die Regnitz mündet. Doch jetzt ist da kein Bach und kein Wasser mehr. Die Quelle der Aisch ist ausgetrocknet.

Wirklich überraschend kommt nicht, was nicht nur bei Ortsbesuchen in Mittelfranken, sondern seit Freitag auch im Internet auf Fotos zu sehen ist. Die Aischquelle sei bereits im vergangenen Jahr stark rückläufig gewesen und nun vollständig versiegt, sagt Matthias Hirsch, Sprecher des Landratsamtes Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim. Mögliche Ursachen: der Klimawandel oder der in der Gemeinde von einem Unternehmen betriebene Gipsabbau. Sicher ist, dass die Niederschlagsmenge rund um die Aischquelle in den vergangenen acht Jahren deutlich zurückgegangen ist. Zusätzlich, sagt Hirsch, hätten sich auch die Grundwasserstände auf ein historisches Tief hinbewegt.

Landrat Helmut Weiß (CSU) sagt: "An dieser Entwicklung kann man die Zeichen des Klimawandels ablesen." Um die Ursachen zu erforschen, berief er einen runden Tisch mit Experten des Wasserwirtschaftsamts, der Regierung von Mittelfranken, des Bergamts Nordbayern, Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und Vertretern des gipsabbauenden Unternehmens ein. Als erste Maßnahme wurde eine Wasserstandssonde an der Quelle eingebaut, um den Wasserspiegel kontinuierlich zu messen. Fünf weitere Grundwassermessstellen sollen bis zum Frühjahr Daten liefern, ob ein Zusammenhang zwischen dem Gipsabbau und dem Austrocknen der Quelle besteht. Nach mehreren Trockenjahren in Folge seien die Grundwasserstockwerke in Franken sehr stark angespannt, sagt Thomas Keller, Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts. In den Winterhalbjahren habe sich zu wenig neues Grundwasser gebildet, sodass auf der Frankenhöhe derzeit neben der Aischquelle noch weitere Quellen trocken lägen.

Die Menschen in der Region sehen den Rückgang der Quelle mit großer Sorge, das bestätigt auch Landrat Weiß. Immerhin ist der Wasserstand der Aisch selbst noch nicht gesunken. Zuflüsse aus anderen Flüssen und Bächen gleichen bislang noch den Ausfall der Quelle aus. Auch die in der Region starke Karpfenwirtschaft wird offenbar nicht beeinträchtigt, da sich ihre Teiche aus den unteren Flussläufen der Aisch und aus anderen Flüssen speisen. Doch ein dauerhaftes Versiegen der Quelle könne zum Absterben des Ökolebensraums am oberen Flusslauf führen, sagt Keller vom Wasserwirtschaftsamt. "Die ausgetrocknete Aischquelle sieht drastisch aus. Sie ist ein Symbol der Region."

© SZ vom 13.01.2020 / dpa, maxi
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