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Klimaschutz:Grüne lehnen neue Gaskraftwerke strikt ab

Die Landtags-Grünen sind strikt gegen den Bau neuer Gaskraftwerke in Bayern. "Wir brauchen die Anlagen ganz einfach nicht", sagt der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Martin Stümpfig, "sie sind für die Stromversorgung überflüssig und wären ein Milliardengrab." Außerdem wären sie mit ihrem CO₂-Ausstoß schädlich für den Klimaschutz. Die Staatsregierung solle deshalb von ihrer jahrelangen Forderung nach neuen Gaskraftwerken für Bayern ablassen. "Vor allem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger darf nicht länger damit herumirrlichtern", sagt Stümpfig. "Er muss in der energiewirtschaftlichen Realität ankommen."

Die Grünen berufen sich bei dem Vorstoß auf ein Gutachten des Freiburger Öko-Instituts. Danach sind neue Gaskraftwerke für die Stromversorgung Bayerns tatsächlich überflüssig. Aus dem Papier geht hervor, dass der Strombedarf bis 2035 ohne ihren Bau gedeckt werden kann. Voraussetzung sei, dass die Leistung der erneuerbaren Energien bis dahin mehr als verdoppelt werde - so wie das die Branche Ende September beim Energiegipfel mit Aiwanger verlangt hat. Außerdem müsse man die Stromautobahnen SuedLink und SuedOstLink zügig errichten. Durch sie sollen einmal große Mengen Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern fließen.

Aber selbst wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt werden, also vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien nur langsam vorankommt, wären neue Gaskraftwerke aus Sicht des Gutachters Christof Timpe eine Fehlinvestition. Zwar ergäben sich dann bis 2035 Stromlücken von etwa 220 Stunden im Jahr, in denen mehr Energie gebraucht wird, als im Freistaat zur Verfügung steht. Aber diese Lücken seien zu klein und dauerten viel zu kurz an, als dass sich für ihre Schließung der Bau neuer Gaskraftwerke rechne.

Ein Blick auf die vorhandenen Gaskraftwerke in Bayern bestätigt das Gutachten. In Irsching nahe Ingolstadt stehen seit Jahren zwei der weltweit modernsten Gasturbinen still - weil Strom aus Gaskraft zu teuer ist. Dabei ist die Stromproduktion in Bayern seit der Abschaltung der Atomkraftwerke in Grafenrheinfeld und Gundremmingen rückläufig. Die Turbinen laufen allenfalls wenige Stunden im Jahr zur Stabilisierung der Leitungsnetze. Für die Betreiber ist das sehr teuer, sie wollen die Anlagen längst stilllegen. Die Bundesnetzagentur verwehrt ihnen das, weil sie das Kraftwerk weiter als Reserve für die Netzstabilität für nötig hält. In Haiming am Inn und im schwäbischen Leipheim ist vor mehr als zehn Jahren je ein neues Gaskraftwerk geplant worden. Beide Projekte sind schon bald in der Versenkung verschwunden, weil kein Bedarf für sie vorhanden ist. In Haiming hat der vormalige Investor sogar die Fläche verkauft, auf der die Anlage einmal stehen sollte.