Kirchenvermögen:Millionen-Haushalt des Erzbistums

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Missverständnisse hingegen fürchtet der Generalvikar, weil er den Besitz der Kirche nicht sämtlich als Vermögen werten will. So verfüge die Erzdiözese über viele zentral gelegene Kirchen, und nüchtern betrachtet sei jede einzelne eine wertvolle Immobilie in Bestlage, sagt Beer. "Aber aus kirchlicher Sicht handelt es sich um ein Haus Gottes, nicht um Vermögen der Kirche." Ein Verkauf komme nicht infrage. Dasselbe gelte für Kunstschätze oder gar Reliquien. Die Kirche müsse Kriterien finden, um ihren Besitz zu strukturieren.

Die Nachforschungen im Ordinariat werden dauern. Erst in zwei bis drei Jahren will Beer konkret beziffern können, was die Kirche im Erzbistum besitzt - und was davon Vermögen ist. Bis dahin muss sich auf Spurensuche begeben, wer den Besitz der Kirche zumindest erahnen will.

Der Haushalt

Dem Haushaltsplan zufolge verfügt die Erzdiözese München und Freising im Jahr 2013 über 664 Millionen Euro. Das Vermögen ist damit nicht erfasst, lediglich die laufenden Einnahmen der zentralen Kirchenverwaltung. Gemeinden, Ordensgemeinschaften, Verbände und Stiftungen haben jeweils einen eigenen Etat.

Der Haushalt der Erzdiözese ist ausgeglichen und stabil: Die Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahr um 21 Millionen Euro gestiegen. Mehr als zwei Drittel der Summe, 474 Millionen Euro, bestreitet die Erzdiözese aus der Kirchensteuer. Für diözesaneigene Schulen und Kindertagesstätten sowie für Geistliche und Religionsunterricht schießt der Staat Bayern 109 Millionen Euro zu, das Übrige stammt etwa aus Schulgeld, Pachteinnahmen oder Rücklagen.

Finanzdirektor Reif zufolge ist die Summe traditionell vorsichtig berechnet: 2012 etwa kassierte die Erzdiözese 75 Millionen Euro mehr als veranschlagt, vor allem wegen unerwartet hoher Einnahmen aus der Kirchensteuer. So konnte die Kirche 55 Millionen Euro als "kurzfristige strategische Investitionsreserve" für Bauprojekte zurücklegen.

Grundbesitz und Gebäude

Nach Angaben des Ordinariats sind im Erzbistum 5000 Hektar Wald in Besitz der Kirche - genauer: in Besitz von rund 850 zur katholischen Kirche gehörenden Rechtsträgern. Über darüber hinausgehenden Grundbesitz, etwa das Eigentum an Ackerböden, Bauland oder bebautem Grund, macht die Kirche keine Angaben. Besonders örtliche Pfarreien haben oft große Flächen in Erbbaurecht verpachtet.

An Immobilien gehören der Erzdiözese 7000 Gebäude inklusive Grundstücke. Etwa 1200 von ihnen sind Kirchen, die übrigen Pfarrgebäude, Wohn- und Gewerbeimmobilien. Den Wert der Gebäude beziffert die Kirche nicht. Zudem sind die Verhältnisse im Einzelnen kompliziert. Nicht jede Kirche etwa gehört der Erzdiözese: Grundstückseigentümerin der Asamkirche in der Sendlinger Straße ist beispielsweise eine Personengesellschaft, und die Grundstücke der Frauenkirche und des Alten Peter in der Münchner Innenstadt gehören zwei Kirchenstiftungen. Auch das Palais Holnstein, der Dienstsitz des Erzbischofs, ist nicht Eigentum der Kirche. Es befindet sich in Staatsbesitz.

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