Katholische Kirche:Missbrauch über vier Jahrzehnte: Bistum Passau benennt Täter

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Eingerahmte Stadt

Hinter dem dunklen Bogen eines Tunnels sind der Passauer Dom und das Rathaus zu sehen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Als Kirchenmusikdirektor und Kapuzinerpater hatte der inzwischen verstorbene Norbert Weber mit Kindern und Jugendlichen zu tun. In mindestens drei Fällen werden ihm Straftaten vorgeworfen.

Nach Angaben des Bistums Passau und des Kapuzinerordens hat der vor 21 Jahren gestorbene Passauer Kirchenmusikdirektor und Kapuzinerpater Norbert Weber offenbar über vier Jahrzehnte Kinder und Jugendliche missbraucht. In einer gemeinsamen Pressemitteilung wurde Weber am Dienstag als Täter benannt. Damit wolle man weitere Betroffene ermutigen, sich zu melden, erklärten die Interventionsbeauftragte des Bistums, Antonia Murr, und der deutsche Kapuzinerprovinzial Christophorus Goedereis.

Weber war von 1961 bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 in der Wallfahrtsseelsorge auf dem Passauer Mariahilfberg tätig, unterbrochen durch eine Kaplanszeit von 1965 bis 1968 in Franken. Den Hinweisen zufolge hat er die ihm vorgeworfenen Straftaten seit den 1960er-Jahren bis in die späten 1990er-Jahre verübt.

Laut Mitteilung war der Ordensmann auch mit der Ministrantenarbeit beauftragt. 1968 wurde er zusätzlich als Referent für Kirchenmusik vom Bistum Passau angestellt, 1974 zum Kirchenmusikdirektor befördert. In dieser Eigenschaft unterrichtete er Kinder und Jugendliche.

Bistum und Orden haben nach eigener Darstellung bisher Kenntnis von drei Missbrauchsfällen, gehen aber von weiteren Fällen aus. Ein Betroffener habe sich 2010 beim diözesanen Missbrauchsbeauftragten gemeldet, die Kapuziner hätten ihm damals eine Anerkennungsleistung bezahlt.

Man wolle die "Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels vorantreiben"

Ein weiterer Betroffener sei 2019 beim damaligen Generalvikar Klaus Metzl vorstellig geworden, ein Dritter habe sich vor Kurzem schriftlich an die Kapuziner gewandt. In den nachfolgenden Gesprächen sei deutlich geworden, dass es eine Reihe weiterer Betroffener gebe. Davon seien die Verantwortlichen im Bistum und im Orden überzeugt, hieß es weiter.

Der öffentlichen Namensnennung sei zudem eine intensive Beratung mit Fachleuten vorausgegangen, ergänzte Bischof Stefan Oster: "Uns ist bewusst, dass mit Pater Weber eine Person im Raum steht, die in einigen Kreisen - besonders in Musik und Kultur - immer noch großes Ansehen genießt. Doch aus Respekt vor den Opfern wollen wir als Bistum gemeinsam mit dem Kapuzinerorden die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels vorantreiben." Betroffenen solle durch die Namensnennung ein Weg aufgezeigt werden, "auf dem ihr Leid wahrgenommen und anerkannt wird".

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