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Atomkraft in Deutschland:Mauern sollen Atom-Zwischenlager vor Terror schützen

Zehn Meter hoch, 85 Zentimeter dick und aus Stahlbeton: Die Behörden drängen die Stromkonzerne zum Bau neuer Mauern, um die Atommüll-Zwischenlager vor Terroranschlägen zu schützen. Nicht nur in Gundremmingen fragt man sich: Warum muss etwas, das bereits als sicher gilt, noch sicherer werden? Der Betreiber RWE bleibt vage: Es bestehe jetzt Optimierungsbedarf.

Wolfgang Mayer, der Bürgermeister der schwäbischen 1500-Seelen-Gemeinde Gundremmingen, war überrascht, als kurz vor Weihnachten die Vertreter des Kernkraftwerks mit einem Bauantrag vor ihm standen. Der Betreiber RWE plane eine neue Mauer um das Atommüll-Zwischenlager, das sich auf dem Gelände befindet, hieß es. Zehn Meter hoch solle diese Mauer werden, 85 Zentimeter dick und aus Stahlbeton.

Neue Mauern um AKW-Zwischenlager

Das Atommüll-Zwischenlager am Kernkraftwerk Gundremmingen soll mit einer neuen Mauer besser vor Anschlägen geschützt werden.

(Foto: dpa)

Nicht nur Mayer fragte sich: Warum muss etwas, das als sicher gilt, noch besser geschützt werden? Oder ist das Lager gar nicht so sicher, wie die Energiekonzerne immer behaupten?

Der Bürgermeister (Freie Wähler) sagte Süddeutsche.de, er habe den AKW-Vertretern diese Fragen gestellt. Befriedigende Antworten jedoch habe er nicht bekommen. Auch ein Sprecher des AKW-Betreibers RWE blieb vage: Zu Süddeutsche.de sagte er, die Sicherheitsmaßnahmen am Zwischenlager würden regelmäßig überprüft. "Hier besteht jetzt Optimierungsbedarf."

Am Dienstagabend stand das Thema auf der Tagesordnung des Gundremminger Gemeinderats. Gerade einmal eine knappe Seite lang ist die Beschlussvorlage, die Süddeutsche.de vorliegt. Einstimmig gaben die Mitglieder ihre Zustimmung - ein Veto hätte der Rat ohnehin nur bei schweren baurechtlichen Bedenken einlegen können. Nun liegt der Antrag beim Landratsamt in Günzburg, das den Bau abschließend absegnen muss. Und Gundremmingen rätselt über die wahren Motive für den Mauerbau.

Dabei ist die bayerische Gemeinde nicht die einzige, in der demnächst wohl die Bagger anrollen. Auch an den anderen Zwischenlagern in Deutschland soll die Sicherheit erhöht werden. Der RWE-Sprecher bestätigte derartige Vorhaben auch für die Lager an den AKW Biblis und Emsland. Dies geschehe in enger Absprache mit den verantwortlichen Behörden. Gebaut wird auch bei Eon. Eine Konzernsprecherin sagte, die Sicherheitsmaßnahmen an "allen Zwischenlagern" würden in der nächsten Zeit "optimiert". Auch Vattenfall rüstet die Zwischenlager an den AKW Brunsbüttel und Krümmel nach.

Von den zuständigen Behörden gibt es noch keine Erklärung, vor welchen Gefahren die Mauern schützen sollen. Das Bundesumweltministerium äußerte sich zunächst nicht.

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