Oberallgäu:Landratsamt setzt Gamsjagd aus

Gämse in Österreich

Gämsen, die in den Bergen vorzugsweise oberhalb der Waldgrenze leben, zieht es aber auch ins Alpenvorland.

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

Auf der Kürnach in Kempten sollten diesen Herbst 15 Tiere geschossen werden. Wegen einer Klage werden sie nun geschont - zumindest vorerst.

Von Christian Sebald, Sonthofen

Gewöhnlich leben Gämsen oben in den Bergen, wo der Wald aufhört und die Almen und Felsen anfangen. Bisweilen zieht es sie auch hinaus ins Alpenvorland. Auf die Kürnach etwa, einen gut tausend Meter hohen Waldrücken westlich von Kempten (Kreis Oberallgäu). Dort sollten dieses Jahr 15 Gämsen abgeschossen werden. Der Grund: Die Waldbesitzer und Förster fürchten um den Wald. Denn die Tiere fressen die jungen Bäume ab. Wenn es zu viele Gämsen werden, kann der Wald nicht mehr richtig nachwachsen.

Der Verein "Wildes Bayern" mit seiner Vorsitzenden Christine Miller, die sich als Schützerin der Gämsen begreift, wollte die Abschüsse nicht akzeptieren. Sie sprach von einem "Ausrottungsplan" und reichte Klage vor dem Verwaltungsgericht Augsburg ein. Jetzt hat das Landratsamt Oberallgäu verfügt, dass die Gamsjagd auf der Kürnach ausgesetzt wird, bis die Augsburger Richter entschieden haben.

Die Kürnach ist einer der Orte in Bayern, in denen der Streit um die Gämsen besonders heftig tobt. "Wildes Bayern" und der bayerische Jagdverband (BJV) werfen vor allem den Staatsförstern vor, die Tiere viel zu scharf zu jagen. Deshalb seien die Bestände hierzulande nicht nur viel zu gering, sondern auch instabil und in einigen Regionen sogar vom Aussterben bedroht. "Wildes Bayern"-Chefin Miller begrüßt deshalb die Entscheidung des Landratsamts.

"Wir freuen uns, dass in diesem Jahr die größte Gefahr für die Gams gebannt ist", sagt sie. "Für viele Gamskenner, ortskundige Naturfreunde und Jäger" wären die geplanten Abschüsse "der Todesstoß für die kleine Gamspopulation gewesen". Der Präsident des Jagdverbands und CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch sagt, man gehe davon aus, dass das Landratsamt bei einer großen Jagd im Staatswald auf der Kürnach vor einer Woche zu der Erkenntnis gelangt sei, "dass dort keine Gämsen vorkommen".

Es würden jedes Jahr mehr Gämsen, sagt ein Insider

Miller und der Jagdverband berufen sich bei ihrer Einschätzung, dass die Gämsen auf der Kürnach akut bedroht sind, auf ein Monitoring-Projekt unter Führung des BJV. Dabei sind dort laut einer BJV-Sprecherin in diesem Frühjahr 23 Tiere festgestellt worden. Von diesen seien inzwischen vier erlegt und ein weiteres als Fallwild tot aufgefunden worden. Der Bestand dürfte also noch 18 Tiere betragen. Viele Waldbesitzer und Jäger aus der Region halten das für viel zu gering angesetzt.

Bei der großen Jagd vor einer Woche - bei der die Gams bereits geschont wurde - sind Insidern zufolge nach einer vorsichtigen Zählung 24 Gämsen gesichtet worden. Dabei habe diese Jagd in einem Teil der Kürnach stattgefunden, in dem die Tiere eher selten sind. Diesen Einschätzungen zufolge beläuft sich der Gamsbestand auf dem Waldrücken auf 60 bis 100 Tiere. "Wobei hundert wahrscheinlicher sind als sechzig", sagt der Insider. "Außerdem werden es jedes Jahr mehr."

Der Streit ist so verfahren, dass sich Jan Oetting vom Staatsforstbetrieb in Sonthofen und das Landratsamt Oberallgäu nur sehr vorsichtig äußern. Eigentlich arbeiteten Naturschützer, Jäger und Förster in der Region gut zusammen, gerade was den Umgang mit den Gämsen betrifft, sagt Oetting. Er habe deshalb den Eindruck, dass der Streit "von außen angefacht wird".

Ein Sprecher des Landratsamtes erklärt, man sei seit Jahren um Transparenz und eine grundsätzliche Klärung bemüht. Zugleich betont er, dass die Daten, die seiner Behörde vorliegen, auf einen "deutlich höheren Bestand" hinweisen, als die von "Wildes Bayern" und BJV genannten 18 Tiere.

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