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Mitten in Kempten:Tierisch verzwickt

Die Zuneigung zu einem Haustier kann übermenschliche Dimensionen annehmen - über dessen Tod hinaus, sodass die letzte Ruhestätte nicht immer vorschriftsmäßig ausfällt. Eine Lösung könnte der seit Jahren wachsende Platz auf städtischen Friedhöfen sein

Glosse von Florian Fuchs

Schon die Stammesfürsten der Alemannen haben sich gemeinsam mit ihren Pferden und Hunden bestatten lassen, manchmal auch nur mit dem abgetrennten Kopf der Tiere. Deswegen hätten sie auch nie ein Tierkörperbeseitigungsgesetz erlassen, wie es heute bekannt ist. Dieses Tierkörperbeseitigungsgesetz untersagt es zum Beispiel, ein totes Tier einfach im Wald zu vergraben. Auch für die Bestattung im heimischen Garten gibt es strenge Regeln, so dürfen nur kleinere Tiere ohne Genehmigung vergraben werden, in mindestens einem halben Meter Tiefe. Und dies auch nur, wenn sich das Grundstück nicht in einem Wasser- oder Naturschutzgebiet befindet.

Der übliche Weg führt im Fall des toten Haustiers also immer noch zur Tierkörperbeseitigungsanlage. Zahlreiche Tierliebhaber wollen das aber nicht akzeptieren, weshalb nun in Kempten die Idee geboren wurde, die Kadaver der Einfachheit halber auf den städtischen Friedhöfen unter die Erde zu bringen. Gestorbene Menschen liegen dort immer seltener, der Trend geht zur Urnenbestattung, weshalb nun historisch gesehen viel Platz ist auf bayerischen Friedhöfen. Dieser Platz, dachte sich ein CSU-Rat, muss irgendwie sinnvoll genutzt werden, und jetzt ist eine Diskussion entbrannt, ob das nun clever oder pietätlos ist. Clever wäre es aus Sicht alter Stammesfürsten und natürlich Tierbesitzern, die bislang zum Beispiel den langen Weg auf den Tierfriedhof nach München auf sich nehmen mussten. Der besteht seit etwas mehr als 20 Jahren als erster seiner Art in Deutschland.

In Kempten sind sie sich noch nicht so sicher, auch ob das neben all den ethischen Fragestellungen überhaupt mit dem Bestattungsgesetz in Einklang zu bringen sei: Tierkadaver auf einem Friedhof für menschliche Leichname, wenn auch räumlich strikt getrennt? Vielleicht schlägt deshalb nun die Stunde der Präparatoren: Die sind zwar eigentlich spezialisiert auf gejagte Tiere, werden aber auch immer häufiger für Haustiere angefragt. Und ob die Katze, der Hund oder der Papagei nun auf dem heimischen Wandregal stehen, ist nach deutschen Gesetzen vergleichsweise wenig strittig: Ins Haus gestellt wird, was gefällt. Wenn es denn gefällt.

© SZ vom 04.11.2020/van
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