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Kelheim:Natur Natur sein lassen

Umweltverbände fordern umfassenden Schutz für Wald um Weltenburger Enge

Von Christian Sebald, Kelheim

Die Naturschutzverbände in Bayern machen Druck, dass die Wälder rund um das neue "Nationale Naturmonument Weltenburger Enge" rasch unter umfassenden Naturschutz gestellt werden. Der Grund sind die massiven Fällaktionen der Bayerischen Staatsforsten in den beiden Naturschutzgebieten "Weltenburger Enge" sowie "Hirschberg und Altmühlleiten", in deren Mitte das Nationale Naturmonument liegt. "Waldschutzgebiete müssen einfach anders behandelt werden als Wälder außerhalb von Schutzgebieten", sagt der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer. "Außerdem ist es extrem unsensibel und unnötig, in einem Naturschutzgebiet Bäume zu fällen, während die Schutzgebietsverordnung aktualisiert und in nächster Nähe ein Nationales Naturmonument ausgewiesen wird."

Die massiven Fällaktionen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), bei denen zahlreiche alte Buchen umgelegt worden sind, haben inzwischen über Bayern hinaus Aufmerksamkeit erregt. Das Naturschutzgebiet "Weltenburger Enge" ist das einzige im Freistaat, dem der Europarat wegen seines herausragenden ökologischen Werts das Europadiplom verliehen hat. Die Fällaktionen könnten das Naturschutzgebiet so beeinträchtigt haben, dass der Europarat demnächst über eine außerordentliche Überprüfung entscheidet. Das Europadiplom wurde der Weltenburger Enge 1978 erstmals verliehen und muss periodisch verlängert werden, die nächste Verlängerung steht 2026 an. Schon bei der letzten Verlängerung 2016 hatte der Europarat empfohlen, die beiden Schutzgebiete zusammenzulegen, die alten Verordnungen sollten dazu überarbeitet und modernisiert werden. Dies soll nun geschehen. Damit es währenddessen nicht zu weiteren Fällaktionen der BaySF kommt, plant die Regierung von Niederbayern eine förmliche Sicherstellung der Schutzgebiete. Die Staatsforsten dürften dort dann keinen Baum mehr umlegen.

"Es darf nicht sein, dass Ministerpräsident Markus Söder einen Klimawald verspricht und die Staatsforsten dann aber naturnahe Wälder in Naturschutzgebieten so stark nutzen, dass das Waldklima geschädigt wird", sagt der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe. "Der Einschlag der dicksten Buchen in großem Stil und sogar von abgestorbenen Bäumen sollte in Naturschutzgebieten tabu sein." Solche Aktionen schadeten nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch dem Klimaschutz. Wie die Umweltorganisation Greenpeace fordert der BN deshalb, dass künftig in den beiden, zusammen 935 Hektar großen Naturschutzgebieten überhaupt keine Bäume mehr gefällt werden dürfen. Stattdessen sollte in ihnen der Nationalpark-Grundsatz "Natur Natur sein lassen" gelten.

Die BaySF versuchen nun, den Imageschaden durch die Fällaktionen zu begrenzen. Zum einen hat der Forstbetrieb Kelheim auf Anweisung von BaySF-Chef Martin Neumeyer alle Holzarbeiten in den beiden Naturschutzgebieten eingestellt. Zum anderen hat Neumeyer den Naturschutzbehörden eine gemeinsame Begutachtung der Fällaktionen angeboten. Der Termin soll möglichst kurzfristig stattfinden, um die Sicherstellung der Schutzgebiete abzuwenden.

© SZ vom 07.03.2020

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