Verdis RequiemInternationale Opernstars kommen nach Kelheim

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Applaus für Irene Roberts als Sieglinde in der „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper, jetzt kommt die Mezzosopranistin nach Kelheim.
Applaus für Irene Roberts als Sieglinde in der „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper, jetzt kommt die Mezzosopranistin nach Kelheim. Geoffroy Schied

Gerade hat Mezzosopranistin Irene Roberts in Münchens neuer „Walküre“ begeistert. Jetzt singt sie gemeinsam mit anderen Solisten von Weltrang in der Kelheimer Dreifachturnhalle. Ein Coup für die dortige Musikvereinigung.

Von Jutta Czeguhn, Kelheim

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Jubel im Münchner Nationaltheater. Nach jeder Vorstellung von Tobias Kratzers neuer „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper wird eine besonders gefeiert: Mezzosopranistin Irene Roberts. Sie verbeugt sich strahlend mit der Hand auf dem Herzen, winkt. Ihr Rollenporträt der Sieglinde hat das Publikum tief bewegt. Die Amerikanerin mit der großen Stimme war auch schon als Venus in Kratzers Bayreuther „Tannhäuser“ eine Sensation, eine Sängerdarstellerin par excellence, die dieser Tage auch konzertant als Judith in Bartóks „Herzog Blaubarts Burg beim Festival d’Aix-en-Provence geglänzt hat. Am 22. Juli nun singt Irene Roberts in Giuseppe Verdis monumentaler „Messa da Requiem“ – in der Kelheimer Dreifachturnhalle.

Dieses hochdramatische Werk, das jeden Rahmen sprengt, die Wirkung einer Oper entfaltet und deshalb nach Aufführungsorten mit herausragender Akustik verlangt, in einer Dreifachturnhalle? Christoph Lickleder hat diese Frage offensichtlich erwartet, als man ihn am Telefon erreicht. Der langjährige, ehemalige Vorsitzende der Musikvereinigung Kelheim spricht von der Halle als konzerterprobt, zudem sei der Bau generalsaniert, und es werde ein Riesenpodium für die über 140 Mitwirkenden geben.

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Eine Rekordbesetzung in der Geschichte der Musikvereinigung, die Lickleder vor 58 Jahren gegründet hat. Der 82-Jährige, der den Vereinsvorsitz mittlerweile an seinen Sohn abgegeben hat, ist weiterhin als künstlerischer Beirat tätig und hat unbedingt vor, die 60 Jahre Engagement für seine Musikvereinigung vollzumachen. Klassik in die Region zu bringen, das ist die Mission des promovierten Musikwissenschaftlers und ehemaligen Gymnasiallehrers. „Auch wenn es immer schwieriger wird, das nötige Geld zu organisieren – und das Publikum in die Konzerte zu bringen“, sagt er.

Bringt ein internationales Ensemble nach Kelheim: Christoph Lickleder, Gründer der Musikvereinigung Kelheim.
Bringt ein internationales Ensemble nach Kelheim: Christoph Lickleder, Gründer der Musikvereinigung Kelheim. Franz Pietruska

Rund 700 Plätze hat die Kelheimer Dreifachturnhalle. Die Hoffnung, den Saal auch füllen zu können, hat Lickleder durchaus, bei der Finanzierung dieses besonderen Musikereignisses wurde der Verein vom Kulturfonds Bayern und privaten Sponsoren unterstützt. Das Verdi-Requiem ist Höhepunkt in der Konzertreihe „25 Jahre Kulturtage Kelheim“, die unter der Schirmherrschaft von Kunstminister Markus Blume steht. Und es ist sicher ein, wenn nicht sogar der Coup in Lickleders Tätigkeit für den Kelheimer Verein. In all den Jahrzehnten hat er ein weitverzweigtes Netz an Beziehungen zu wichtigen Musikinstitutionen wie den Münchner Philharmonikern gesponnen.

Kontakt pflegt Lickleder auch zu Martin Steidler, der an der Hochschule für Musik und Theater München eine Professur für Chordirigieren hat. Und über ihn lässt sich der Weg von Verdis Requiem in die Kelheimer Dreifachturnhalle rekonstruieren. Denn Steidler ist auch künstlerischer Leiter der Audi Jugendchorakademie, einem Ensemble aus 70 jungen Sängerinnen und Sängern. Gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin, einem der historisch informierten Elite-Kammerorchester, widmet sich der Chor nun zum ersten Mal Verdis Werk, und wird das Requiem als Abschlusskonzert am 24. Juli bei den Audi Sommerkonzerten präsentieren. Weitere Stationen sind am 25. Juli im Dom von Brixen, und zuvor am 23. Juli in der berühmten Basilika von Kloster Eberbach.

Sopranistin Chen Reiss ist Solistin im Verdi-Requiem; 2027 konzertiert sie mit den Münchner Philharmonikern.
Sopranistin Chen Reiss ist Solistin im Verdi-Requiem; 2027 konzertiert sie mit den Münchner Philharmonikern. Paul Marc Mitchell

So kommt es, dass die Kelheimer am 22. Juli quasi das Premierenpublikum dieses musikalischen Großprojektes sind. Neben Irene Roberts erleben sie weitere Solisten von internationalem Renommee: Da ist Sopranistin Chen Reiss, die ihre Karriere einst im Ensemble der Bayerischen Staatsoper unter Generalmusikdirektor Zubin Mehta begann und mittlerweile auch dem Publikum der Wiener Staatsoper eine sehr vertraute Stimme ist. Engagements führten sie ans Royal Opera House, die Mailänder Scala oder den Maggio Musicale Fiorentino. Die gebürtige Israelin ist auch eine gefragte Konzertsängerin, im kommenden Jahr sind etliche Auftritte mit den Münchner Philharmonikern unter Lahav Shani geplant.

Requiem-erfahren ist Tenor Sung Min Song, der das Werk schon beim Rheingau-Festival und im Münchner Herkulessaal unter Maestro Kent Nagano gesungen hat. Und Bass Wilhelm Schwinghammer, als ehemaliger Regensburger Domspatz und gebürtiger Vilsbiburger für die Kelheimer fast so etwas wie ein Local Hero, ist regelmäßig Gast bei den Bayreuther Festspielen.

Sie alle werden, davon ist Christoph Lickleder überzeugt, die Messa da Requiem des Agnostikers Verdi zu einem bemerkenswerten Musikerlebnis machen. Denn der Wirkung dieser Musik kann man sich kaum entziehen, egal, ob man sie in einem Dom, einem Konzerthaus oder in einer Dreifachturnhalle erlebt.

Giuseppe Verdis Messa da Requiem, Mittwoch, 22. Juli, 19.30 Uhr, Dreifachturnhalle Kelheim, Rennweg 66, Karten und Infos unter www.musikvereinigung-kelheim.de

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