Kelheim:Verhärtete Fronten bei Polderfrage

Diskussion über Hochwasserschutz mit Minister Glauber und Gegnern

Unter dem Eindruck der Hochwasserkatastrophe in mehreren Bundesländern hat Umweltminister Thorsten Glauber (FW) für den Bau von Flutpoldern entlang der Donau geworben. In Kelheim diskutierte er am Montagabend mit Kommunalpolitikern und Interessenvertretern aus Niederbayern, Oberbayern und der Oberpfalz. Der Minister sieht dringenden Handlungsbedarf. Um den Bau der Hochwasserrückhaltebecken entbrannte jüngst erneut ein Streit, weil eine neue wissenschaftliche Studie die Polder an den Standorten Bertoldsheim, Wörthhof und Eltheim als wirksam einstuft.

Die Poldergegner setzen unter anderem auf einen dezentralen Hochwasserschutz an den Zuflüssen zur Donau. Hierfür plädierte etwa der Landrat des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, Peter von der Grün (FW). Er sagte, sein Landkreis sollte nicht zum Auffangbecken werden. Auch der Bürgermeister der Stadt Wörth an der Donau, Josef Schütz (CSU), stellte die Wirksamkeit der Flutpolder infrage und sprach sich für eine dezentrale Variante aus. Er fürchtet negative Auswirkungen auf das Grundwasser und die Trinkwasserqualität. Ein Vertreter einer Interessengemeinschaft gegen den Polder in Bertoldsheim sagte, sie seien für Hochwasserschutz, aber nicht für Polder. Dieser werde Wälder, Felder und Häuser bedrohen. "Das wollen wir nicht akzeptieren." Außerdem hätten sie zu wenig Zeit bekommen, sich mit den Ergebnissen der Studie zu befassen.

Josef Feuchtgruber vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg versicherte unter Verweis auf Erkenntnisse von Fachleuten, dass es keine Probleme mit dem Grundwasser geben werde. Zudem sei der Polder nicht dauerhaft geflutet, die Flächen blieben landwirtschaftlich nutzbar. "Das ist nicht der Tegernsee." Die Diskussion wurde zwischenzeitlich hitzig. "Ich finde es nicht in Ordnung, die Expertise von so vielen Fachleuten anzuzweifeln", ärgerte sich Glauber. "Warum sollten wir Ihnen denn irgendwas erzählen?", sagte Martin Grambow vom Umweltministerium. Ihm seien schon zweimal Schläge angedroht worden. "Meinen Sie das macht Spaß?"

Passaus OB Jürgen Dupper (SPD) sagte an den Landrat von Neuburg-Schrobenhausen gerichtet: Das Entwässerungsbecken für Südbayern sei seit Jahrzehnten Passau. Die Stadt baue seit Jahren mit Unterstützung der Staatsregierung den Hochwasserschutz aus, jedoch seien sie auch darauf angewiesen, was an der oberen Donau geschehe. Auch Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter (CSU) verwies auf die laufenden Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz. Den Vorwurf, die Regionen an der unteren Donau machten nichts, ließ er nicht gelten. Zudem werde etwa nicht in Überschwemmungsgebiete gebaut.

Glauber verwies darauf, dass laut der Studie die Alternativen weniger effektiv seien. Rückhaltebecken an den Zuflüssen könnten den Hochwasserschutz an der Donau nicht ersetzen. Das gleiche Rückhaltevolumen an den Zuflüssen reduziere den Hochwasserscheitel nicht einmal halb so stark wie Donau-Flutpolder. Eine Verdoppelung der Rückhaltevolumen an Zuflüssen im Vergleich zu den Polder-Volumen würde lediglich etwa 70 Prozent der Polder-Wirkung erreichen. Eine Verbesserung des Staustufenmanagements an der Donau würde auch nur minimale Auswirkungen auf eine Hochwasserwelle haben.

© SZ vom 21.07.2021 / dpa/van
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