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Kaufbeuren:Gelungene Rede

Bosse und die Corona-Demo

Einige Kaufbeurer hatten sich Sorgen gemacht, dass ihr Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) am Donnerstag bei einer Querdenken-Demonstration sprach. Schade so ein Auftritt nicht der Demokratie? Werde seine Ansprache nicht von Verschwörungsmystikern missbraucht? Im Gespräch wolle er bleiben, das sagte Bosse mehrmals bei seiner Ansprache, oft übertönt von wütenden Zwischenrufen der etwa 100 Demonstranten. Am Ende blieb eine Erkenntnis: Man kann als Oberbürgermeister auf solch einer Veranstaltung auftreten - wenn man es so macht wie Bosse.

Es war kein Aufmarsch von Rechten, wie von einigen Bürgern befürchtet. "Gib Gates keine Chance"-Pappschilder waren schon da, am Protest beteiligten sich aber auch normale Eltern, die die Maskenpflicht für Schüler kritisieren. Die Einlassungen der Demonstranten waren dennoch zum Großteil die üblichen Verdächtigungen, dass Corona eine große Lüge sei. Bosse schaffte es, Fakten geradezurücken, wie etwa die Falschinformation, dass in Kaufbeuren kein Intensivbett durch Corona-Patienten belegt sei. Wichtiger war ihm aber, um Verständnis für die Politik zu werben. Corona-Protestler müssten schon auch die Sorgen von Bürgern sehen, die Corona ernst nehmen. "Es gibt immer mehrere Meinungen, und dann ist es Aufgabe der Politik zu entscheiden."

Corona-Kritiker wollte Bosse zurückgewinnen. Einigkeit erzielte er nicht mit den Demonstranten. Ausdrücklichen Dank erhielt er aber schon für seine Gesprächsbereitschaft.

© SZ vom 31.10.2020 / ffu
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