Katholische Universität Eichstätt Führungsdebakel in Eichstätt

Die Freude über den neuen Präsidenten war groß. Jetzt erteilt Reinhard Hütter Eichstätt eine Absage.

Von M. Maier-Albang und C. Burtscheidt

Was hatten sie sich gefreut in den Chefetagen der Bayerischen Bischofskonferenz: Endlich, nach all den Querelen um die Katholische Universität (KU) in Eichstätt, konnte man Anfang Mai einen neuen Präsidenten präsentieren: Reinhard Hütter sollte der heißen, Theologieprofessor, 50 Jahre alt, ein zum Katholizismus konvertierter Lutheraner, der zur Zeit an der Duke University in den USA tätig, aber gebürtiger Oberfranke ist, war im zweiten Wahlgang gewählt worden.

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt: Der neue Präsident Hütter kommt doch nicht.

(Foto: Foto: dpa)

Am 1. August sollte Hütter die Stelle antreten, die vakant ist, seit vor einem Jahr die Wahl des Religionspädagogen Ulrich Hemel am Veto des für die Hochschule zuständigen Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke scheiterte. Endlich wähnte man sich aus den Schlagzeilen, endlich sollte Ruhe einkehren in Eichstätt. Doch nun stehen die Bischöfe und die Universität wieder ohne Präsident da: Reinhard Hütter hat zurückgezogen.

Der Theologe habe dem Stiftungsrat der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mitgeteilt, dass er das Amt des Präsidenten nicht antreten werde, teilte am Montagnachmittag die Bayerische Bischofskonferenz mit. Man habe "trotz Gesprächen im Vorfeld" keine Einigkeit über die Bedingungen für das Kommen Hütters erzielen können, heißt es in der Erklärung der Bischöfe. "Zum Schutz der KU" habe der Träger die von Hütter verlangten "persönlichen Konditionen" nicht akzeptieren können.

Gefordert hatte Hütter nach Angaben des Erzbistums "unter anderem", dass ein Stiftungslehrstuhl ad personam, zugeschnitten auf seine Person, eingerichtet wird, der ihm bis zu seiner Emeritierung zur Verfügung steht. Auch "weitgehende Pensionsforderungen" Hütters führt die Kirche dafür an, dass man sich nicht habe einigen können. Die Forderungen Hütters hätten "massive Auswirkungen auf die finanziellen Ressourcen der gesamten Universität" gehabt. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke spricht von einem "Desaster".

Nach SZ-Informationen hatte Hütter nach ersten Verhandlungen auch bei den Gehaltsforderungen noch einmal nachgelegt und dabei offenbar zu hoch gepokert - dem Vernehmen nach ging es um Beträge in einer Höhe, die selbst die Bezüge von Münchner Uni-Präsidenten übersteigen und den Bischöfen nicht tragbar erschienen. Hütter war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für die Eichstätter Universität ist die Absage Hütters ein weiterer Akt in einem scheinbar nicht enden wollenden Drama. Im Frühjahr 2008 hatte sich der Hochschulrat der Universität für den Religionspädagogen und Wirtschaftsexperten Ulrich Hemel als Uni-Präsidenten entschieden. Die Wahl wurde jedoch vom damaligen Stiftungsratsvorsitzenden und Großkanzler Hanke nicht bestätigt - auch in Rom soll es Bedenken gegen den in dritter Ehe verheirateten Hemel gegeben haben.

Der Wahl Hütters nun stand nichts im Wege; schon vor der Vorstellung der drei Kandidaten - neben Hütter der Potsdamer Slawist Norbert Franz und der Bonner Integrationsforscher Ludger Kühnhardt - holten die Verantwortlichen das "Nihil obstat" ein, die römische Unbedenklichkeitsbescheinigung. Von dem neuen Präsidenten, der 2004 gemeinsam mit seiner Ehefrau katholisch wurde und in der Universität im US-Bundesstaat North Carolina systematische und philosophische Theologie lehrt, hatte man sich viel erwartet.

Er sollte dafür sorgen, dass die Uni aus dem beschaulichen Eichstätt zur bundesweiten Elite aufrückt - ein Wunsch, den Papst Benedikt XVI. schon öfter bei der Deutschen Bischofskonferenz anklingen ließ. Nun aber muss sich die Universität erst einmal mit sich selbst beschäftigen. Die Rechtsordnung mache eine Neuwahl erforderlich, sagt der Sprecher des Münchner Erzbistums, Bernhard Kellner. Bis dahin suche man nach einer Interimslösung.