Finanzskandal in Eichstätt Klerikalismus macht die Kirche kaputt

Der Klerikalismus ist ein weltweites Problem. Jeder Priester sollte es bekämpfen.

(Foto: dpa)

Wer im Auftrag des Herrn unterwegs ist, braucht keine Kontrolle, finden viele Geistliche. Es ist genau dieses Denken, das die Skandale der katholischen Kirche erst ermöglicht hat.

Kommentar von Matthias Drobinski

Kleriker unter sich: Wieso müssen wir kontrolliert werden, wenn wir doch geweiht und im Auftrag des Herrn unterwegs sind - natürlich erster Klasse im weichen, breiten Flugzeugsessel? Solches Denken hat den Finanzskandal in Eichstätt möglich gemacht. Er wird das Bistum noch viele Millionen Euro kosten und die katholische Kirche insgesamt jede Menge Glaubwürdigkeit.

Das System, das da in Eichstätt sichtbar wird, hat einen Namen: Klerikalismus. Ein Bund der Brüder wähnt sich unangreifbar. Er schottet sich ab, Eindringlinge sind Feinde, kritische Fragen Blasphemie. Der gleiche Klerikalismus machte den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche möglich, und es liegt in seiner Logik, dass der Bischof, der in Eichstätt das System etablierte, unrühmlich zurücktreten musste, als der Skandal offenbar wurde: Walter Mixa.

Den Klerikalismus zu bekämpfen, ist nun Aufgabe von Bischof Hanke in Eichstätt. Wie schwer sie ist, zeigt sich schon daran, dass keiner aus der alten Führungsriege bislang zu seiner Mitverantwortung steht. Der Klerikalismus ist ein weltweites Problem. Jeder Priester sollte es bekämpfen, wenn er sein will, was er sein soll: Diener Gottes und der Menschen. Und die Gläubigen sollten es sowieso. Klerikalismus würdigt sie herab - und macht ihre Kirche kaputt.

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